Anna`s POV:
Die Geburtstagsparty für Josephine Carter macht mir Probleme. So eine riesen Fete für eine Dreizehnjährige? Nun ja, die Carters haben offensichtlich viel Kohle.
Ich setze mich an den Computer, um im Web Nachforschungen anzustellen. Google wird mir sicherlich dabei helfen.
Ah, der Mann heißt also Thomas. Thomas Carter. Gut, was haben wir noch? Die Adresse. Ich sollte vielleicht wirklich heute nochmal dorthin fahren und mir das Anwesen ansehen, nur um überblicken zu können, wie viel Raum wir zu Verfügung haben, und was die Kleine für Vorstellungen von ihrer Party hat.
„Anna, du hast Besuch.“
Adalyn steht in der Tür. „Wer ist es?“
„Eine junge Frau namens Alice, soll ich sie reinschicken?“
„Alice. Klar, sie soll reinkommen.“
Sie ist viel zu früh. Wir wollten uns später treffen, um nochmals zu Shane ins Krankenhaus zu fahren. Zusammen mit Tina und Dana.
„Hi Ann.“
„Hi Alice, was machst du hier? Du bist etwas früh.“
„Ich weiß, aber ich war grad in der Nähe und wollte nachsehen, wies dir geht, und, wo du arbeitest.“
Ich grinse. „Ja, also, hier ist mein kleines Arbeitsreich. Leider muss ich noch schnell zu einem Kunden, oder besser: zu einer Kundin, bevor ich ins Krankenhaus kann. Aber wenn du willst, kannst du gerne mitkommen.“
„Ehrlich?“ Alices Augen fangen an zu leuchten, wie die eines kleinen Kindes. Ich muss lachen.
„Ja, ganz ehrlich, Das heißt, wenn du nichts besseres vorhast.“
„Natürlich nicht. Ich finde deinen Beruf ungeheuer spannend. Da lass ich mir doch so etwas nicht entgehen.“
~*~
Bette`s POV:
Verdammt. Es ging alles so schnell. Es war, als ob sich alles wiederholen würde. Das ganze Drama ein zweites Mal. Ich frage mich, was Shane verbrochen hat, das sie es verdient hätte, so zu leiden. Ich stelle mir das kleine Mädchen vor, das keine Eltern mehr hat und von einer Pflegefamilie in die andere geschoben wird. Das Mädchen, das vergewaltigt wird, wegläuft du auf den Strich geht, um nicht zu verhungern.
Ich seufze. Shane hatte wirklich noch nicht viel Glück im Leben. Warum trifft es immer sie? Jetzt, wo es ihr besser ging. Gerade jetzt muss so etwas Schreckliches passieren.
Eigentlich sollte ich Anna anrufen. Oder zumindest irgendwen. Aber ich sitze einfach nur da und tue nichts. Bin nicht im Stande, irgendetwas zu tun. Ich starre ins Leere und warte auf einen Arzt.
~*~
Alice`s POV:
Wow. Anna und ich stehen vor dem Tor des Hauses, in dem dieses Mädchen wohnt, von dem mir Anna im Auto erzählt hat, Josephine Carter. Uns beiden ist die Kinnlade herunter geklappt. Ich komme mir vor, als stände ich vor einem Schloss. Die Villa ähnelt in Größe und Aussehen dem Buckingham Palace in London. Zumindest kommt es mir so vor.
Ich drehe meinen Kopf zu Anna. Auch sie sieht mich an. Mit großen Augen.
„Versaille ist ein Dreck dagegen“, sagt sie.
„Warst du da schon?“
„Einmal. Mit meinen Eltern.“
„Wow.“
„Komm, lass uns reingehn. Mal sehn, was uns da noch so erwartet.“
„Okay.“
~*~
Bette`s POV:
Vielleicht sollte ich doch irgendjemanden anrufen. Die Warterei macht mich wahnsinnig. Ich habe es aufgegeben, irgendwelche Schwestern über Shanes Zustand auszufragen; sie sagen mir ja doch nichts.
Ich laufe den Gang hinunter in Richtung Ausgang, um zu telefonieren. Ich nehme das Handy aus meiner Tasche und wähle Tinas Nummer. Nach dem dritten Läuten nimmt sie ab.
„Hi Bette. Ich hab deine Nummer auf dem Display gesehen.“
„Hi Tina.“
„Gerade ist Dana gekommen. Wir fahren etwa in einer vierteln Stunde los ins Krankenhaus. Da bist du doch noch, oder?“
„Ja… ja, da bin ich. Tina, hör zu, es… .“
„Bette, was ist los? Du klingst so komisch.“
„Tina, es ist etwas Schreckliches passiert. Shane... .“
„Was ist mit Shane? Geht es ihr schlechter?“
„Sie ... Tina, sie ist gestürzt.“
„Oh mein Gott. Nein. Wie geht es ihr?“
„Sie ist immer noch im Operationssaal. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“
„Aber wie konnte das denn passieren?“
„Kommt hierher. Ich erklär euch alles später. Aber ich will jetzt wieder in den Wartesaal, falls es etwas Neues gibt.“
Wir verabschieden uns und ich gehe zurück. Ich habe Tina beauftragt, Anna Bescheid zu sagen, denn ich selbst fühle mich gerade nicht dazu in der Lage.
~*~
Alice`s POV:
Anna spricht mit dem Mädchen. Man merkt genau, dass sie aus reichem Hause stammt. Sie führt sich auf wie ein Prinzesschen. Und was diese Geburtstagsparty kosten wird, will ich besser gar nicht wissen. Aber dem ganzen Schnickschnack, den sie haben will, nach zu urteilen, wird es wohl sehr sehr teuer werden.
Annas Handy klingelt. Sie nimmt ab und währenddessen sehe ich hinab auf den riesigen Garten, in dem die Fete stattfinden soll. Doch plötzlich ruft Anna laut, „Was?“
Ich drehe mich zu ihr um.
„Mein Gott. Ja… ja, ich komme so schnell ich kann.“
Sie nimmt langsam das Handy vom Ohr, starrt einige Sekunden ins Leere.
Ich sehe sie fragend an, aber sie wendet sich zu Miss Prinzesschen Carter.
„Miss Carter. Leider muss ich jetzt gehen, es gibt einen Notfall. Aber ich habe mir alles aufgeschrieben und wenn ich noch Fragen habe, werde ich Sie anrufen. Wenn nicht, werde ich Ihnen in den nächsten zwei Wochen ein Konzept vorstellen, dass wir dann natürlich noch nach Belieben umändern können.“
„Das ist okay. Danke für Ihren Besuch.“
„Ich danke auch. Auf Wiedersehen.“
„Auf Wiedersehen.“
Sie läuft so schnell zum Tor, dass ich fast nicht mithalten kann.
„Anna, was ist denn los?“ Sie läuft weiter. Zum Auto.
„Jetzt sag, was los ist, verdammt.“
Ich erreiche ebenfalls das Auto und stehe jetzt neben ihr. Sie lehnt sich ans Fenster und atmet tief ein. Dann fängt sie an zu schluchzen.
„Hey, Ann, komm her.“ Ich nehme sie in den Arm
„Tina hat eben angerufen. Shane ist gestürzt.
„Was?“
„Al, wir müssen ins Krankenhaus. Sofort.“
„Okay. Ich fahre.“ Ich frage nicht weiter nach, sicher weiß sie auch nicht mehr. Wir werden bald erfahren, was los ist.
~*~
Bette`s POV:
Endlich. Da kommt Dr. Cohen. Ich stehe auf und gehe auf sie zu.
„Dr. Cohen! Wie geht es Shane?“
„Kommen Sie mit in mein Büro?“
Ich sage nichts und folge ihr. Aber gut klang das eben nicht. Ich hoffe, Shane schafft es.
Sie öffnet mir die Tür und zeigt auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch, um mir zu bedeuten, mich hinzusetzen. Sie setzt sich ebenfalls.
„Miss Porter, wie sie wissen wurden durch den ersten Unfall ein paar von Miss McCutcheons Rippen gebrochen, die sich in die Lunge gebohrt haben. Dadurch, dass die Wunden noch nicht ganz verheilt waren, ist dies ein zweites Mal passiert. Beim letzten Mal ist es uns gelungen, dies unter Kontrolle zu bringen, doch dieses Mal ist ein Pneumothorax aufgetreten.“
Ich schaue sie fragend an. Das hört sich nicht gut an.
„Bei einem Pneumothorax gerät Luft in die Lunge, die dann die Ausdehnung eines oder beider Lungenflügel behindert und somit die Lungenfunktion, also die Atmung eingeschränkt ist.“
„Ist dieser… Pneumothorax lebensgefährlich?“
„Es gibt verschiedene Arten eines Pneumothorax. Die einfachste Form wird vom Patienten meist gar nicht wahrgenommen. Ein Spannungspneumothorax hingegen erfordert Intensivmaßnahmen und ist lebensbedrohlich. Ich… ich muss ihnen leider sagen, dass es sich bei Miss McCutcheon um eine schwere Form handelt und sie im Moment sehr instabil ist. Miss Porter, sie ist noch nicht übern Berg.“
Oh Gott. Bitte nicht. Nicht schon wieder. Warum? Ich versteh die Welt nicht mehr. Ich verstehe einfach nicht, warum gerade Shane so etwas Schreckliches passieren muss. Und das nicht nur einmal. Wenn ich diesen verdammten Moses oder wie er heißt in die Finger kriege…
„Wir haben eine Bülau-Drainage gelegt, das heißt ein Schlauch, der seitlich am Körper auf Brusthöhe in die Lunge eingeführt wird. Mit dieser Drainage kann sowohl die Luft wieder abgesaugt werden kann, als auch das Blut, das durch die nach innen spießenden Rippen in die Lunge gelangt ist, wieder abgeleitet werden.
Außerdem haben wir einen Luftröhrenschnitt vorgenommen. Wir haben also die Halsvorderseite leicht geöffnet, um einen Beatmungsschlauch einzuführen, über den die Patientin beatmet wird. Durch diese Methode kann Miss McCutcheon auch beatmet werden, wenn sie wach ist, da die Mundhöhle frei ist. Wenn sie aufwacht, werden wir geeignete Kanülen legen, durch die sich dann auch wieder sprechen kann.“
„Wann wird sie denn aufwachen?“
„Das kann ich nicht genau sagen. Wir haben ihr spezielle Sedativa gegeben, um ihr das Schlimmste zu ersparen. Aber ich denke, wenn es keine Komplikationen geben, wird sie im Laufe des morgigen Tages aufwachen. Ich muss ihnen außerdem sagen, dass bei einem Pneumotorax oft eine Sepsis, also eine Blutvergiftung folgt, durch die sich der Zustand der Patientin zusätzlich verschlechtern könnte. Miss McCutcheon wird aber rund um die Uhr beobachtet, sodass eine frühzeitige Erkennung gegeben ist.“
Ich nicke. Mir ist schlecht. Ich kann nicht mehr. Wann hört das endlich auf?
~*~
Anna`s POV:
Wir sind an der Klinik angekommen und stürmen hinein. An der Information stehen Tina und Dana. Anscheinend haben sie schon nach Shane gefragt.
„Dana! Tina!“ Die beiden drehen sich zu uns um. Dana geht auf Alice zu, Tina kommt zu mir und nimmt mich in den Arm.
„Anna, wie geht es dir?“, fragt sie liebevoll.
Ich fange wieder an zu schluchzen. „Ich bin mit dem Nerven am Ende. Warum Shane? Warum immer sie? Sie hat doch niemandem etwas getan.“
„Ich weiß, Süße. Es ist alles so schrecklich.“
„Was hat die Frau an der Information gesagt?“
„Sie meinte, sie erkundigt sich und es wird dann gleich jemand kommen, der uns zu Shane bringt und uns sagt, was genau passiert ist. Wollen wir uns vielleicht solange setzen? Du bist so blass, ich will nicht, dass du hier umkippst.“
„Ja… ja, warum nicht.“
„Alice, Dana. Wir setzen uns da drüben an den Tisch, kommt ihr mit?“
„Klar“, sagen die beiden im Chor.
Ich lehne die Ellbogen auf den Tisch und stütze den Kopf in meine Hand.
„Wenn sie stirbt, will auch ich nicht mehr leben“, sage ich ruhig und ohne Tränen. Die anderen sind offensichtlich geschockt, dass ich so etwas sage, oder verwundert, dass ich es so ruhig gesagt habe, denn es dauert eine Weile, bevor sie mir widersprechen.
„Anna, sag doch sowas nicht. Shane wird nicht sterben!“, sagt Dana und legt ihre Hand auf die meine.
„Woher willst du das wissen?“
„Ich weiß es. Shane ist stark. Und sie würde dich nie alleine lassen, denn sie liebt dich!“
Laura hat mich auch geliebt und ist trotzdem von mir gegangen, denke ich mir.
„Shane ist nicht stark, zumindest nicht im Moment. Sie ist schwach durch den Unfall. Vielleicht hat sie nicht die Kraft, das alles ein zweites Mal durchzustehn.“
„Wie gesagt, ich bin mir sicher, dass sie es schafft.“
~*~
Bette`s POV:
Ich sitze immer noch in Dr. Cohens Büro, als eine Schwester hereinkommt.
„Eve, entschuldige bitte die Störung. Unten wartet eine Gruppe von Frauen, die wegen Shane McCutcheon hier sind. Jemand sollte ihnen sagen, was passiert ist. Du bist die behandelnde Ärztin.“
„Ich komme gleich. Einen Moment Geduld noch, bitte.“
Schwester Carina, wie ich auf dem Namensschild gelesen habe, geht hinaus und Dr. Cohen wendet sich mir zu.
„Wie wärs, wenn ich Sie zu Miss McCutcheons Zimmer führe und dann runter gehe zu Ihren Freundinnen, um Ihnen alles zu erklären?“
Sie lächelt. Ich tue es ihr gleich. „Das wäre nett. Danke.“
~*~
Alice`s POV:
Anna macht mir Angst. Sie muss Shane wirklich sehr lieben, sonst hätte sie nicht so etwas gesagt. Aber Shane wird nicht sterben. Nein, sie wird nicht sterben. Sie ist eine Kämpferin, und wird es auch diesmal schaffen.
Von weitem sehe ich Shanes Ärztin auf uns zulaufen. Ich stehe auf. Die anderen schauen in ihre Richtung und stehen dann ebenfalls auf.
Endlich kommt jemand.
„Doktor, was ist mit Shane? Können wir sie sehen?“
„Miss Porter ist im Moment bei ihr. Vielleicht setzen wir uns wieder an den Tisch und ich erkläre Ihnen alles in Ruhe?“
Wir sind damit einverstanden und setzen uns.
~*~
Bette`s POV:
Ich sitze neben Shanes Bett und halte ihre Hand. Weine leise. Immer wieder stelle ich mir dieselbe Frage: Warum sie? Warum nur?
Sie liegt da. Leblos. Nur das Piepen der Maschinen. Und alles ist schon fast familiär … wie oft habe ich vor einer Woche hier gesessen.
Sie ist fast nackt. Nur ein Verband im Brustbereich entblößt sie nicht völlig. An der Seite befindet sich die Drainage, von der Dr. Cohen erzählt hat.
Sie wird durch einen Schlauch an der Vorderseite ihres Halses beatmet. Sowieso sind überall Schläuche, Kabel und Infusionen.
Der Gedanke, dass sie im Moment selbstständig, ohne die ganzen Medikamente und medizinischen Vorrichtungen, nicht überleben könnte, macht mich fertig.
Die Ärztin hat gesagt, sie wird morgen aufwachen, falls keine Komplikationen auftreten. Ich hoffe, sie schafft es. Und ich hoffe, sie wird bald wieder gesund.
Die Tür geht auf und Anna kommt herein. Bestimmt müssen die anderen draußen warten.
Anna steht an der Tür und hat die Hand auf den Mund geschlagen. Sie ist geschockt. Langsam kommt sie ans Bett. Ich stehe auf, um ihr Platz zu machen. Sie setzt sich und streicht Shane über die Hand. Wahrscheinlich denkt sie in diesem Moment genau das, was ich ein paar Minuten vorher gedacht habe.
Ich lege ihr eine Hand auf die Schulter. „Ich lasse euch jetzt allein. Wenn du soweit bist, sag Bescheid, dann können die anderen nacheinander reinkommen.“
Sie nickt nur kurz. Ich gehe hinaus.
~*~
Anna`s POV:
Shane. Meine Shane. Warum sie? Warum kann ich nicht stattdessen hier liegen? Ich würde ihr so gerne den Schmerz ersparen, den sie ertragen muss, und doch kann ich es nicht.
Wer weiß, ob sie je wieder gesund wird? Ob sie je wieder ihren Beruf ausüben kann?
Und da ist ja immer noch die Sache mit ihrem Bein. Vielleicht wird sie es nie wieder bewegen können.
Ich sitze an ihrem Bett. Sehe sie an. Halte ihre Hand. Mir gehen so viele Sachen durch den Kopf. Ich habe so viel Angst um Shane.
Ich fange an zu weinen.
„Shane, du musst das schaffen. Bitte! Du musst wieder gesund werden. Ich … ich kann nicht ohne dich, also bitte …“
Ich fange an zu schreien.
„… bitte tu mir das nicht an. BITTE!“
Ich breche zusammen. Ich kann nicht mehr.
Jemand kommt herein. Ich weiß nicht wer, und es ist mir auch egal. Ich weine weiter, schreie vielmehr. Das ist einfach alles zu viel.
„Hey, Süße. Beruhige dich.“
Es ist Bette. Sie umarmt mich. Die Schwester sieht nach Shane. Verdammt, hat sie etwa gedacht, ich habe Shane irgendetwas angetan?
Ich kann mich nicht beruhigen.
„Komm, lass uns erstmal raus gehen.“
Ich weigere mich. „Nein! Nein, ich will hier nicht weg. Ich will bei Shane bleiben, sie braucht mich.“
„Ich weiß, Anna, ich weiß. Aber du musst dich erstmal beruhigen. In deiner Verfassung kannst du ihr auch nicht helfen.“
Schließlich gebe ich nach.
Bette hilft mir auf. Ich bin ganz wackelig auf den Beinen. Fühle mich nicht gut. Ich weine immer noch. Eigentlich will ich nicht, dass mich Bette und die anderen so schwach sehen, aber im Moment geht das nicht anders. Ich muss es einfach mal rauslassen.
Ich muss schon die ganze Zeit an Laura denken. Ihr konnte damals niemand helfen. Und ich fühle mich schuldig dafür. Ich muss Shane einfach helfen. Irgendwie.
Die anderen empfangen uns draußen. Ich kann nicht mehr stehen, kann nicht mehr denken. Ganz plötzlich wirkt alles so verschwommen. Ich sehe die Umrisse von Dana, Alice und Dana. Und plötzlich wird alles schwarz.
~*~
Alice`s POV:
Anna ist einfach umgekippt. Wir konnten sie gerade noch so halten.
Sofort kommen Schwestern gelaufen und wir erzählen kurz und knapp, was passiert ist.
Anna kommt langsam wieder zu sich. Dennoch kommen zwei Pfleger mit einer Trage und transportieren sie in ein Zimmer, das mit einer Liege ausgestattet ist. Dort soll sie kurz untersucht werden.
Wahrscheinlich war ihr das alles zu viel. Die Sache mit Shane ist verständlicherweise nicht leicht für sie. Ich wäre an ihrer Stelle schon viel eher zusammengeklappt.
Bette, Tina und ich stehen an der Tür, solange einer der Pfleger sich um Anna kümmert. Sie ist wieder wach und sieht mit blassem Gesicht zu uns herüber.
„Miss, möchten Sie etwas zur Beruhigung?“
„Nein, nein, das geht schon. Danke“, antwortet Anna.
„Gut. Bleiben Sie einfach so lange hier, bis sie sich wieder gut fühlen. Falls Sie irgendetwas brauchen, lassen Sie es uns bitte wissen. Eine Schwester wird gleich nochmal nach Ihnen sehen.“
„Okay. Es tut mir Leid, dass ich Ihnen solche Umstände mache.“
„Ach, ich bitte Sie, Miss, das ist unser Job.“
Sie lächelt schwach. „Danke.“
Die Pfleger verabschieden sich.
Wir gehen hinüber zu Anna.
„Mensch, was machst du denn für Sachen, hm?“, frage ich und streichle ihr über die Stirn.
Sie zuckt die Schultern. „Tut mir Leid. Ich hatte nur so Angst um Shane, und dass sie das nicht schafft.“
„Sie wird es schaffen, Anna, ganz bestimmt“, schaltet Tina sich ein. Wir stimmen ihr zu.
„Anna, ich will nicht, dass du heute Nacht allein bleibst. Du wirst heute Nacht bei uns schlafen“, sagt Bette dann.
Anna sieht sie an. „Bette, ich bin kein kleines Kind mehr. Ich schaff das schon, ehrlich.“
„Bitte, tu mir den Gefallen. Es ist doch nur für eine Nacht. Du bist gerade hier vor unseren Augen zusammengebrochen. Wir wollen einfach nicht, dass du das im Moment allein durchstehen musst.“
Anna überlegt kurz.
„Okay.“
~*~
Anna`s POV:
Es ist mir zwar überhaupt nicht recht, bei Bette und Tina zu schlafen, aber sie meinen es ja wirklich nur gut und ich will sie nicht enttäuschen.
Ich finde es schön, dass ich schon so fest in dieser Gemeinschaft integriert bin, wo ich sie doch erst vor kurzem alle kennen gelernt habe. Aber sie behandeln mich, als wäre ich schon ewig mit ihnen befreundet.
Wenn nur Shane wieder gesund werden würde. Dann wäre alles perfekt. Und wir könnten endlich unser gemeinsames Leben beginnen und genießen.