Angaben zur Story
Autor: -Kate-
E-Mail: angel-kate2@web.de
Altersfreigabe: NC-17
Teil: Teil 11 / Kapitel 10.1
Spoiler: Season 1
Inhalt: Shanes Vergangenheit
Genre: Drama
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane/Anna, Bette
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.
The Power of Love - Teil 11
Shane`s POV:
„Bette, es ist Zeit, dir etwas zu erzählen.“
Sie sieht mir tief in die Augen. Ich schaue auf meine Knie und drücke mir das Taschentuch an meine Nase, die längst nicht mehr blutet.
Sie nimmt meinen Kopf in beide Hände und zwingt mich, sie anzusehen.
„Shane, du kannst mir alles sagen.“
Ich würde ihr so gerne alles sagen. Aber meine Angst hindert mich daran.
„Das … tut mir Leid, das … mit … deinem Auge. Ich wollte nicht, dass ….“
„Shane, wir beide wissen, dass dies nicht das ist, was du mir erzählen wolltest.“
Verdammt. Warum nur habe ich überhaupt damit angefangen? Jetzt muss es raus. Ich kann nicht lügen.
Bevor ich etwas erwidern kann, bohrt sie weiter.
„Shane, du kannst dich nicht dein ganzes Leben verschließen. Du bist auch nur ein Mensch. Und Menschen müssen reden. Menschen wollen verstanden werden, auch du. Ich will dich nicht zwingen, mir etwas über dich zu erzählen. Aber ich will, dass du weißt, dass ich immer ein offenes Ohr für dich habe. Und ich denke, manchmal könntest du ein solches gut gebrauchen, oder etwa nicht?“
Ich nicke, kaum merklich, und sehe zu Boden.
~*~
Bette`s POV:
Wenn sie doch nur endlich reden würde. Ich sehe, dass sie leidet. Ich sehe, dass es aus ihr heraus will. Und ich sehe die Mauer, die sie über die Jahre gebildet hat, anfangen zu bröckeln.
Sie öffnet den Mund, aber spricht nicht. Sie schließt die Augen und beißt sich auf die Lippe. Dann sieht sie mich an.
„Bette“, sagt sie leise. „Kannst du dich noch daran erinnern, wie ich dir erzählte, dass meine Mutter mich weggab und ich deswegen in Pflegefamilien aufgewachsen bin.“
Das sagte sie einst. Da war dieser eine Tag. Das einzige Mal, dass sie sich mir öffnete. Nachdem ich sie aus dem Rotlichtmilieu gerettet hatte.
„Ja, ich erinnere mich.“
„Weißt du, Bette, ich habe mich in keiner Familie richtig wohl gefühlt. Da waren die reichen Molders. Sie hatten keine anderen Kinder und haben mir buchstäblich alles in den Arsch geschoben. Doch ich war nie der Typ dafür, Dinge zu nehmen. Ich habe nicht zu ihnen gepasst, deswegen haben sie mich fort geschickt.“
Sie sieht wieder zu Boden und ich fühle, wie die Erinnerung sie langsam überwältigt. Ich erwidere nichts, um ihr nicht den Mut zu nehmen, weiterzureden.
„Dann kam ich in eine andere Familie. Auch sie hatten keine Kinder. Mein Pflegevater war brutal. Er hat seine Frau fast täglich geschlagen, ohne jeglichen Grund. Eines Tages ist ihm die Hand auch bei mir ausgerutscht. Ich war 11, glaube ich.“
Eine einzelne Träne rollt über Shanes Wange. Ich wische sie mit meiner Handfläche weg.
„Gleich danach nahmen mich die Scallers auf. Am Anfang habe ich mich eigentlich recht wohl gefühlt. Doch nach ein paar Wochen wurde Candra, meine Pflegemutter, überraschend schwanger und als das Baby da war, interessierte sich niemand mehr für mich. Ich war nicht eifersüchtig auf dieses Baby, dafür war es viel zu süß. Aber ich fühlte mich wie das fünfte Rad am Wagen. Ich gehörte nicht mehr dazu.“
Shane macht eine Pause. Ich weiß, dass sie überlegt, ob sie weiterreden soll. Ich hoffe, sie tut es.
~*~
Shane`s POV:
Noch immer habe ich schwer mit mir zu kämpfen. Ein Teil von mir sagt mir, dass ich alles für mich behalten soll. Doch der andere weiß, dass ich es nicht länger ertrage. Ich verkrafte das alles nicht mehr.
Ich atme einmal tief durch und erzähle weiter.
„Die letzte Pflegefamilie, mit der ich lebte, war einfach toll. Ich habe sie geliebt. Meine Pflegemum hieß Christine und sie war ein Engel. Ihr Mann Tom war ein liebevoller Vater. Die Eltern, wie ich mir meine eigenen immer vorgestellt haben. Ich erinnere mich, wie freundlich mich meine Geschwister aufgenommen haben. Sarah, Johnny und die kleine Claire, die alle nur >Cake< nannten. Ich habe nie gefragt, wieso.
Das Tolle an dieser Familie war, dass sie mich alle so akzeptierten, wie ich war. Sie ließen mir meine Ruhe, wenn ich Abstand brauchte. Sie haben mich nie zum Reden gedrängt, sondern immer darauf gewartet, bis ich von alleine anfing. Sie haben es mir nicht übel genommen, dass ich nichts oder nicht viel von ihnen annehmen will. Dass ich mir meinen Besitz selbst verdienen will.
Christine und Tom waren nicht reich. Sie waren eine durchschnittliche amerikanische Familie. Sie haben nie gestritten, und wenn, dann haben sie es ziemlich gut vor ihren Kindern verborgen.
Ich dachte wirklich, ich könnte bei ihnen glücklich werden.“
~*~
Bette`s POV:
Wieder hält sie inne. So viel wie in den letzten Minuten hat Shane in der ganzen Zeit, in der ich sie kenne, nicht von sich erzählt. Und es macht mich glücklich und vielleicht auch ein wenig stolz, dass ich diejenige bin, der sie sich anvertraut.
„In der Nachbarschaft gab es einen Jungen. Marcus. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und wurden beste Freunde. Er war älter als ich, aber wir hatten viel Spaß zusammen. Manchmal spielten Johnny, Sarah, Marcus und ich zusammen, Claire war noch zu klein. Aber meistens verbrachte ich meine Zeit mit Marcus alleine.
Mein Glück war perfekt. Ich hatte eine Familie, die mich liebte und einen besten Freund.
Doch dann geschah etwas und die Erinnerung daran verfolgt mich bis heute. Ich war 14.“
Sie sieht blass aus. Und sie zittert. Ich rutsche näher an sie heran und versuche, ihr Geborgenheit zu geben.
„Was ist passiert?“
Noch einmal schließt sie die Augen. Als sie sie wieder öffnet, fängt sie an zu erzählen.
„Marcus und ich waren wie so oft in der Scheune hinter dem Haus und saßen auf einem Holzbalken. Wir saßen nur so da. Ich hatte nicht das Bedürfnis zu reden. Es war ein schöner Tag und dann … dann sagte mir Marcus, dass er sich in mich verliebt hätte. Ich war geschockt. Ich habe es nicht verstanden. Nicht damals. Ich dachte nur: Wir sind beste Freunde, es ist alles gut, so wie es ist. Ich wollte ihn als Kumpel nicht verlieren. Ich erzählte ihm schließlich, dass ich lesbisch sei. Zuerst glaubte er mir nicht und dann…“.
Die Angst steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Ich schaffe es nicht, sie ihr zu nehmen.
Sie zittert immer noch. Dann fängt sie an zu weinen. Es ist so traurig, so bitter, sie so zu sehen. Sie so zu sehen, wie ich sie niemals sah. Wie sie sich nie hat sehen lassen.
Ich befürchte, dass sie ihre gebrochenen Mauern um sich herum gleich wieder aufrichtet und lege meinen Arm um sie, um dies zu verhindern.
Plötzlich fährt sie fort.
„Er fing an, mich zu schlagen. So fest, dass ich zu Boden fiel. Ich fiel so hart und schlug mich am Kopf, dass es mir schwindelig wurde. Ich konnte nicht mehr richtig sehen, alles war verschwommen. Ich war starr vor Angst. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Und Marcus … er schlug mich immer weiter. Meine Nase blutete, meine Augen waren geschwollen. Ich wollte nur noch da raus. Aber ich war nicht in der Lage, mich zu bewegen. Ich konnte mich einfach nicht regen.“
Gebannt höre ich ihr zu. Wie kann das sein? Mein Herz bricht in diesem Moment für Shane.
„Immer wieder sagte er: >Das wirst du mir büßen. Ich gestehe dir meine Liebe und was machst du? Du wirfst mich einfach weg.< Ich schrie, dass es mir Leid tue und dass er aufhören solle. Immer wieder und immer wieder. Und dann tat er es. Er …“
Sie atmet tief ein.
„Er vergewaltigte mich.“
~*~
Shane`s POV:
Jetzt ist es also raus.
Doch war es die richtige Entscheidung, es Bette zu sagen? Schon bereue ich es, dass ich mein Schweigen gebrochen habe.
Ich hebe meinen Kopf. Bette sitzt neben mir und starrt mich an. Ihre Augen scheinen mich fast zu durchdringen. Was soll ich noch sagen?
„Bette, ich … es … .“
Ich kann die Tränen erneut nicht zurück halten und Bette, die in einer Art Trance zu sein schien, kehrt zur Realität zurück.
„Mein Gott, Shane. Shane, komm her.“
~*~
Bette`s POV:
Ich halte sie fest in meinen Armen. Sie lässt ihren Tränen freien Lauf.
Ich mache mir Vorwürfe. Warum habe ich es nicht früher bemerkt? Warum habe ich sie nicht gleich über ihre Vergangenheit ausgequetscht?
Was muss dieses Mädchen in meinen Armen schon alles durchgemacht haben?
„Shane, warum hast du das nicht früher gesagt? Du hättest mir alles sagen können. Vielleicht hätte ich dir helfen können.“
Sie sagt nichts. Weint weiter.
„Verdammt noch mal, Shane. Warum willst du immer alles mit dir selbst ausmachen? Wieso willst du dir von nichts und niemandem helfen lassen?“
~*~
Shane`s POV:
Langsam bin ich es leid, dass man mir Vorhaltungen macht. Erst Alice, jetzt Bette.
Sie klingt wütend. Und damit verletzt sie mich. Vielleicht mehr als sie denkt. Ich schütte ihr mein Herz aus und was macht sie? Sie hat nichts als Vorwürfe für mich übrig.
Ich weine umso mehr.
„Nein, Shane, nein. So war das nicht gemeint. Ich … ich weiß nur nicht, was ich tun soll. Ich möchte dir so gern helfen, weißt du?“
~*~
Bette`s POV:
Sie sieht zu mir hoch.
„Du hilfst mir schon genug, Bette.“
Wenn ich Shane so sehe, so verletzlich, dann möchte ich nichts lieber tun, wie diesen Kerl … diesen Marcus ausfindig machen und ihn zu Brei schlagen.
Wie kann er das ihr, meiner kleinen Shane nur antun?
„Komm, Shane, leg dich hier hin. Ruh dich aus.“
Wir legen uns Seite an Seite aufs Bett. Ich werfe die Decke über sie.
Ich kann sie jetzt nicht allein lassen.
Plötzlich spricht sie weiter.
„Irgendwann bin ich in dieser Scheune aufgewacht. Ich war nackt. Hatte überall blaue Flecken. Mir tat alles weh, besonders mein Hinterkopf. Ich glaube, ich hatte eine Gehirnerschütterung. Mein Gesicht war blutüberströmt. Ich hatte Mühe aufzustehen. Zu laufen.“
Sie macht eine kleine Pause.
„Noch in derselben Nacht bin ich abgehauen.“
„Mein Gott, Shane. In deinem Zustand? Ich … was dir alles hätte passieren können.“
Jetzt läuft auch über meine Wange eine einsame Träne.
„Ich bin nach West Hollywood getrampt. Dort lernte ich Clive kennen. Und Clive brachte mir das bei, mit dem ich mir meinen Unterhalt verdiente, bis du mich da rausgeholt hast. Ich bin dir dankbar dafür.“
~*~
Shane`s POV:
Sie lächelt schwach. Dann wird ihr Gesichtsausdruck wieder ernst.
„Shane, die Sache mit den Drogen …“.
Ich wusste, dass dies kommen würde. Und ich beschließe, dieses Mal einfach die Wahrheit zu sagen.
„Bette, mich plagen diese verdammten Alpträume. Ich wache schweißgebadet auf und kann nicht mehr schlafen. Das H hilft mir, zu schlafen, verstehst du das nicht?“
„Wie lange nimmst du schon Heroin?“
„Ich habe damit angefangen nach der … nach der Vergewaltigung. Weißt du, ich glaube, ich hätte diese Zeit nicht überlebt, wenn ich mich nicht mit Drogen vollgepumpt hätte. Ich habe es irgendwie geschafft, davon loszukommen. Aber als Cherie mich verlassen hat, da … konnte ich nicht anders.“
„Aber Shane, das ist keine Lösung. Du kannst so nicht weiter leben. Ich mache mir Sorgen um dich. Wir alle machen uns Sorgen um dich.“
Wer macht sich schon Sorgen um mich?
Meine eigene Mutter hat mich verlassen. Genauso wie mein Vater.
Mein bester Freund hat mich vergewaltigt.
Cherie … ich habe sie geliebt und sie hat mich nur als Spielzeug benutzt.
Und jetzt Anna. Wieso hat sie mich verlassen?
Warum lassen mich alle im Stich?
~*~
Bette`s POV:
Sie fängt wieder an zu weinen. Ich merke, dass wir heute nicht mehr weit kommen. Sie ist zu erschöpft.
„Versuch, ein wenig zu schlafen, okay?“
Ich drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Bette, bitte bleib hier.“ Sie hat die Augen geschlossen, doch in ihrer Stimme höre ich die Angst.
„Shane, das werde ich. Mach dir keine Sorgen.“
Ich bleibe bei ihr, bis ihre Atmung ruhig und gleichmäßig ist.
Ich sehe sie noch lange Zeit an. So ein unglaublich wunderbares Mädchen und so eine düstere Vergangenheit.
In diesem Moment wünsche ich mir, ich könnte all ihr Leid auf mich nehmen und sie von ihren Qualen befreien.
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