Angaben zur Story
Autor: -Kate-
E-Mail: angel-kate2@web.de
Altersfreigabe: PG-13
Teil: Kapitel 4
Spoiler: Season 1
Inhalt: Es ist soweit... Shane und Anna kommen sich näher.
Genre: Drama
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane / Anna
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.
The Power of Love - Teil 5
Ich wache auf. In meinem Schlafzimmer.
Seltsam. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich nachts hier her gegangen bin. Das Letzte, das ich weiß, ist, dass Shane mich nach Hause gebracht hat und ich auf der Treppe geraucht habe.
Liegt es am Alkohol, dass mein Erinnerungsvermögen schwächelt? Nein, so viel habe ich nicht getrunken.
Ich nehme an, dass ich zu intensiv über Shane nachgedacht habe und mich dabei nicht mehr darauf konzentriert habe, was ich tat.
Orange. Shanes Lieblingsfarbe ist orange. Darauf wäre ich wirklich nicht gekommen. Ich hätte auf eine dunkle Farbe getippt. Schwarz. Oder blau.
Ich steige aus dem Bett und gehe hinunter ins Wohnzimmer, zum Bücherregal. Ich nehme Lisas Farbenbuch heraus und blättere darin.
Seite 61. Lieblingsfarbe orange.
positive Eigenschaften: Spontaneität, Geltungsstreben, Selbstherrlichkeit, Kontaktstreben; lieben Geselligkeit; Feinschmecker; redegewandte Bonvivants, Charmeure, Stimmungsmacher, Antreiber, risikofreudig, aber ohne feste Bindung
negative Eigenschaften: Herrisch, destruktiv; ungeduldig, unüberlegt; übereiltes Handeln; zu gefühlsbetontes Durchsetzten; genusssüchtig, zu geringes Anpassungsvermögen; Single aus Liebe zu sich selbst; Interesselosigkeit; schwächliches, schüchternes Verhalten; gesundheitlich: Appetitmangel (daraus resultierend Schwäche und Vitalitätsverlust)
Orange-liebende Menschen folgen ihren eigenen Empfindungen, sind kreativ, kommunikativ und haben künstlerisches Interesse.
Als geborene Genießer und schätzen sie die schönen Seiten des Lebens. Durch ihren offensichtlichen Optimismus werden sie von anderen positiv wahrgenommen Ihre Lebensenergie und ihren Sinn für Lebensqualität schöpfen sie aus einer erfolgreichen Sinnfindung.
Orange-Liebhaber leben sozusagen aus dem Bauch, und in der echten Überzeugung, dass sie sich alles erlauben können. Sie leben aus der Macht des Möglichen.
Ich lese über die Zeilen. Ich klappe das Buch wieder zu und seufze. Hatte ich wirklich gedacht, dass das, was in dem Buch steht, auf Shane zutrifft? Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich stelle das Buch zurück ins Regal und mache Frühstück.
~*~
Hinter mir fällt die Tür ins Schloss.
Die ganze Nacht war ich am Strand. Doch bevor es richtig hell wurde und bevor die ersten Leute auftauchten, bin ich von dort verschwunden.
Ich lehne mich gegen meine Wohnungstür und schließe die Augen. Die Erinnerungen von letzter Nacht bereiten mir Kopfschmerzen. Noch immer brennen die Tränen in meinen Augen.
Ich gehe in die Küche und setze mich an den Tisch. Dann öffne ich eine Flasche Wasser und trinke. Die Flüssigkeit tut mir gut. Ich lehne mich nach vorne und stütze den Kopf in meine Handflächen.
Ich fühle mich schrecklich. Mir ist schwindelig. Ich habe Kopfschmerzen.
Ich kenne dieses Gefühl. Es ist wie damals. Es ist, als wäre es gestern gewesen. Als wäre ich noch einmal 14, noch einmal in dieser Scheune.
Denk nicht mehr daran, ermahne ich mich selbst.
„Was ist denn mit dir los?“
Erschrocken blicke ich auf. Kim, meine Mitbewohnerin.
„Ich bin nur müde.“
Kim lacht. „Ja, das kann ich mir vorstellen. Bist du erst jetzt nach Hause gekommen?“
„Ja.“
„Meine Güte, hast du die ganze Nacht durchgefickt?“
„Ähm … ja!“ Ich sehe ihr dabei nicht in die Augen.
Ich lüge, da ich keine Lust habe, mit ihr darüber zu diskutieren, wo ich war oder was ich gemacht habe. Schließlich geht sie das auch überhaupt nichts an. Normalerweise ist es nicht meine Art zu lügen. Normalerweise laufe ich eher davon als zu lügen.
„Na, du bist ja heute sehr gesprächig.“ Sie hält inne und nimmt die Wasserflasche vom Tisch. Meine Wasserflasche, um genau zu sein. „Ich leg mich noch mal aufs Ohr. Das täte dir im Übrigen auch gut, du siehst schrecklich aus, Shane.“
Ich antworte nicht. Sie geht.
~*~
Satt und frisch geduscht, gehe ich hinaus und setze mich auf die Treppe.
Es ist schön warm. Ein Grund, warum ich in die USA gezogen bin, ist sicherlich das Wetter. Ich habe den Winter, die Kälte in Deutschland immer gehasst. Morgens war es da nie so warm wie hier. Ich schließe die Augen und bade mich in den Sonnenstrahlen.
Ich greife nach meiner Zigarettenschachtel und dem Aschenbecher und rauche. Ich mag nicht im Haus rauchen. Eigentlich mag ich gar nicht rauchen. Aber gleichzeitig schaffe ich es nicht, aufzuhören. Ich versuche, mich zu erinnern, warum ich angefangen habe, scheitere aber.
Ich beobachte die Kinder in der Nachbarschaft beim Spielen. Ich muss lächeln. Sie rennen herum, verstecken sich, spielen mit dem Ball. So unbeschwert, so niedlich.
Ich will später auch Kinder. Unbedingt.
~*~
Immer noch sitze ich am Küchentisch. Schlafen kann ich jetzt nicht.
Ich sehe auf die Uhr. Halb 10. In zwei Stunden werde ich Anna abholen. Vielleicht kann ich sie überreden, mit mir im Planet noch etwas zu essen.
Ich rufe im Salon an und melde mich für heute krank. Ich hätte heute ohnehin nur nachmittags arbeiten müssen. Außerdem stehen keine wichtigen Termine an.
Mein Chef hat nichts dagegen, dass ich einen Tag aussetze. Schließlich fühle ich mich wirklich nicht so gut.
Ich beschließe, zu duschen. Den Sand in meinem Haar wegzuspülen. Vielleicht kann ich die Kopfschmerzen auch einfach so wegspülen.
Ich blicke mich im Spiegel an. Kim hatte Recht, ich sehe wirklich schlimm aus. Die Augen immer noch rot vom vielen Weinen.
Ich ziehe mich aus und steige in die Dusche.
~*~
Gleich halb 12. Lange kann es nicht mehr dauern, bis Shane kommt.
Wieso habe ich nur eingewilligt, dass sie mich abholt? Ich konnte nicht widerstehen. Freue mich sogar auf sie.
Ich muss wieder an die Sätze dieser Mary denken.
„Shane spielt mit den Frauen, sie fickt sie und lässt sie dann fallen.“
Es ist seltsam, aber eigentlich macht es mir nichts aus. Gestern war ich vielleicht etwas geschockt, aber heute sieht alles schon ganz anders aus.
Vielleicht ist Shane so. Vielleicht schläft sie mit den Frauen und verlässt sie dann.
Aber vielleicht gibt es Gründe dafür. Vielleicht wäre es bei mir anders. Vielleicht ist es Schicksal, dass wir uns trafen. Vielleicht gehören wir zusammen.
Vielleicht.
Ich sitze wieder auf der Treppe und rauche. Ich bin so in Gedanken vertieft, dass ich nicht merke, wie Shane vorfährt. Als sie hupt, schrecke ich auf. Ich lächle ihr zu, drücke meine Zigarette in den Aschenbecher und gehe zu ihren Jeep.
Ich steige ein und sehe sie an. Bei ihrem Anblick zucke ich kaum merklich zusammen. Sie sieht schrecklich aus.
„Hi Ann.“ Sie klingt irgendwie schwach.
„Hallo Shane. Danke, dass du mich abholst.“
„Ist doch kein Problem.“ Sie lächelt jetzt, aber das macht fast keinen Unterschied.
„Wie geht`s dir? Du siehst … müde aus.“
Verdammt. Vielleicht hatte Mary Recht. Vielleicht hat sich Shane tatsächlich heute Nacht durch sämtliche Betten der Stadt gefickt.
~*~
Fuck. Das Duschen hat wohl nichts gebracht. Sie hat doch etwas mitbekommen.
Was mach ich jetzt? Ich bin nicht im Stande, zu lügen.
„Ja … ich war am Strand.“
„Nachts?“
Die Situation ist seltsam. Ann sieht besorgt aus. Unwillkürlich schmunzle ich. Sie ist besorgt um mich.
„Ich musste nachdenken. Das kann ich am Besten am Strand.“
Sie stellt keine weiteren Fragen und das ist vermutlich gut so. Ich will nicht weiter darüber reden.
Themawechsel.
„Sag mal, hast du vielleicht Lust, im Planet etwas zu essen? Es ist gleich Mittag.“
Ich hoffe inständig, sie sagt ja. Wieso, weiß ich nicht. Ich möchte Zeit mit ihr verbringen.
„Ja, warum nicht. Gute Idee.“
„Cool.“
~*~
Ich habe wirklich Hunger. Da kommt mir Shanes Idee gerade recht.
Sie parkt vor dem Planet und wir steigen aus. Mein Auto steht noch da. Hatte ich etwas anderes erwartet?
Wir betreten das Café und Shane sieht sich um. Von Alice und den anderen keine Spur. Shane steuert auf ihren Stammplatz zu. Ich gehe hinterher.
Wir setzen uns. Ich werfe einen Blick auf die Karte und entscheide mich schließlich für ein Sandwich.
Marina kommt an den Tisch. Sie begrüßt uns herzlich und nimmt unsere Bestellung auf.
„Wo arbeitest du eigentlich?“
„Die Straße runter in einer Eventagentur. Ich bin Eventmanagerin.“
„Cool. Du planst also Partys?“
„Sozusagen, ja. Ich liebe meinen Job.“ Das tue ich tatsächlich.
„Warum arbeitest du heute nicht?“ Ich schmunzle. Dieselbe Frage könnte ich ihr stellen.
„Meine Arbeitszeiten sind sehr flexibel. Da ich viel am Wochenende arbeite, habe ich am montags vormittags frei. Und Mittwoch ist mein freier Tag.“
„Hm.“
Anscheinend interessiert sie mein Berufsleben nicht sonderlich. Jedenfalls sieht es jetzt so aus, als würde sie angestrengt nachdenken.
„Montag ist also dein freier Vormittag?“
„Ähm, ja.“
Ich frage mich, worauf sie hinaus will und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Verdammt.
„Erinnerst du dich an vorgestern, als wir uns hier kennen gelernt haben?“
Sie wartet meine Antwort nicht ab.
„Du sagtest, deine Mittagspause ist gleich zu Ende.“
Shit shit shit. Jetzt denkt sie bestimmt, ich bin wegen ihr gegangen. Und das Schlimme dabei ist, dass sie auch noch Recht hat.
Ich bin am Montag zwar vormittags kurz im Büro gewesen, um meine Sachen abzustellen, habe vormittags aber nicht gearbeitet.
Habe ich das etwa gesagt?
Jedenfalls bin ich wieder gegangen, um mir noch einen Kaffee zu genehmigen. Dann habe ich Shane getroffen.
„Ja … ich war am Montag früh eine Stunde im Büro, um etwas zu klären. Wegen einer … Kollegin, die mit mir den Ablauf einer Fete am Abend abklären wollte.“
Fuck. Wieso habe ich gelogen?
~*~
„Ach so.“
Ich dachte wirklich, sie ist wegen mir gegangen. Vielleicht bin ich etwas zu voreilig mit meinen Gedanken.
Marina kommt mit unserem Essen und wünscht uns guten Appetit.
Ich wende mich wieder Shane zu.
„Du bist Hairstylistin, richtig?“
Ich blicke auf. „Woher weißt du das?“
„Alice hat es mir gestern Abend erzählt.“
„Al. Das hätte ich mir auch denken können. Pass gut auf. Al ist die neugierigste Person der Welt und sie weiß mehr als wir alle zusammen. Manchmal scheint es mir so, als ob sie Spione in ganz L. A. hätte, die ihr jeden Tag Bericht erstatten.“
Anna lacht. Doch plötzlich hält sie inne und sieht mich an.
„Shane, deine Nase.“
Ich fasse mir ins Gesicht und spüre die warme Flüssigkeit an meiner Hand herunter laufen. Ich blicke meine Hand an. Blut.
„Fuck.“
Ich stehe auf und laufe zur Toilette. Beide Hände vor dem Gesicht. Anna folgt mir.
Ich stehe vor dem Waschbecken und greife nach Tüchern, um das Blut abzuwischen.
„Nein, nicht so.“ Ann scheint sich damit auszukennen.
Sie zieht mich in eine Toilettenkabine, schließt den Deckel und bedeutet mir, mich zu setzen. Sie nimmt meinen Kopf in beide Hände und legt ihn behutsam hinter mir aufs Fensterbrett.
„Bleib so“, sagt sie und geht weg.
Kurz darauf kommt sie wieder. Sie legt mir ein nasses Handtuch in den Nacken und gibt mir ein weiteres für das Blut. Eine Weile sitze ich so da und warte darauf, dass es aufhört.
„Woher kommt das?“
„Ich weiß nicht, es passiert öfter.“
„Du solltest mal zum Arzt gehen.“
Wieder rührt mich ihre Besorgnis. Ich hasse Ärzte. Ich antworte nicht.
~*~
Shanes Nasenbluten hört nach 10 Minuten auf. Sie steht auf und schließt die Augen, hält sich an der Wand fest.
„Ist dir schwindelig?“
„Ja, ein wenig. Aber das gibt sich.“
Ich helfe ihr zurück zu unserem Tisch. Sie sieht noch blasser aus als zuvor. Ihre beige Bluse blutbefleckt.
„Was hältst du davon, wenn wir in dem Park am Straßenende etwas spazieren gehen, uns auf eine Bank setzen oder so?“
„Ja, gerne.“ Shane lächelt, ihr scheint es sehr recht zu sein.
Wir bezahlen. Das heißt, ich bezahle. Nach einer kurzen Diskussion war Shane damit einverstanden, dass ich sie einlade. Dafür, dass sie mich abgeholt und hierher gebracht hat.
Marina wünscht uns einen guten Tag und wir gehen hinaus.
Shane atmet tief ein. Es scheint ihr gut zu tun. Wir überqueren die Straße, laufen etwas bergauf und betreten den Park.
Nach einem kurzen Spaziergang setzen wir uns auf eine Bank unter einem großen Baum.
Es ist wundervoll hier. Saftig grüne Wiesen. Blumen. Sträucher. Große Bäume. Dazu der blaue Himmel und der Sonnenschein.
Schon immer bin ich gern in der Natur gewesen.
Manchmal gehe ich in meiner Mittagspause hierher und lese, beobachte die Leute oder sitze einfach nur so da und genieße die Natur.
Mit Shane ist es tausendmal schöner.
Wir sitzen nahe beieinander. Diese Nähe macht mich verrückt und trotzdem gefällt sie mir.
„Geht es dir besser?“
„Ja.“
„Shane, du bist eine verdammte Lügnerin.“ Ich lache und auch sie bringt ein kleines Lächeln zu Stande. Ich sehe ihr an, dass es ihr nicht gut geht.
Ich lege meinen Arm um sie und ziehe sie noch näher an mich heran.
Warum tue ich das? Ich kann es mir nicht erklären.
Sie stützt ihren Kopf an meinen und so verweilen wir ein paar Minuten.
Dann, ganz plötzlich, dreht sie sich zu mir und sieht mir tief in die Augen. Ich weiß längst, was kommt, und ich will es.
Unsere Lippen berühren sich und verschmelzen zu einem leidenschaftlichen Kuss.
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