HomeForumGästebuch

Angaben zur Story

Autor: -Kate-
E-Mail: angel-kate2@web.de
Altersfreigabe: NC-17
Teil: Kapitel 3
Spoiler: Season 1
Inhalt: Shanes Vergangenheit
Genre: Drama
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane / Anna
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.

The Power of Love - Teil 4

Ich fahre nicht nach Hause. Stattdessen stelle ich mein Auto auf einem Parkplatz ab und gehe zum Strand. Ich brauche Zeit zum Nachdenken und das kann ich am Besten am Strand. Auf meine durchgeknallten Mitbewohner kann ich im Moment gut verzichten. Wird ohnehin Zeit, mir etwas anderes zu suchen.

Es ist nach elf. Eigentlich dürfte ich nicht mehr hier sein. Der Strand ist ab elf sozusagen >geschlossen<. Es ist mir egal. Ich komme oft hierher.

Ich ziehe meine Chucks aus und nehme sie in die Hand, um den Sand unter meinen Füßen zu spüren. Er ist immer noch erstaunlich warm.

Ich laufe weiter und schließe die Augen. Atme tief ein. Der Wind trägt den Geruch des Meeres. Wirbelt mir die Haare durcheinander. Ich fühle mich frei.

Oft komme ich nur hier her, um das Gefühl der Freiheit zu spüren. Es tut mir gut.

Ich glaube, ich habe heute dieses ausgeprägte Verlangen nach Freiheit und Unabhängigkeit, weil ich früher nie frei und unabhängig war. Konnte es nicht sein.

Ich habe meine Eltern nie kennen gelernt.

Meine Mum habe ich nur ein einziges Mal gesehen. Nun ja, vermutlich habe ich sie öfter gesehen. Vielleicht bei meiner Geburt. Aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Und meinem Dad habe ich, soweit ich weiß, nie begegnet. Ich kenne ja nicht mal seinen Namen. Habe nicht das Bedürfnis, ihn zu kennen. Schließlich hat er mich im Stich gelassen.

-----

Ich war ein >Foster Kid<. Bin in Pflegefamilien aufgewachsen. Fast jedes Jahr bin ich in eine andere Familie gekommen, wurde immer wieder herum geschoben.

Die meisten meiner Pflegeeltern und deren Kinder waren nett, aber es war nicht immer einfach.

Ich hatte schon immer ein Problem, Sachen von anderen Leuten zu nehmen, ohne dafür zu bezahlen. Immer, wenn meine Pflegemütter mir Klamotten oder andere Sachen gekauft haben, fühlte ich mich so unnütz und schlecht. Ich weiß, dass sie es gut meinten und ich brauchte schließlich Kleidung. Kleidung, die ich mir nie hätte selber kaufen können. Aber es passte mir nicht, dass fremde Leute für mich Geld ausgeben mussten.

Ich habe nie viel gegessen, um ihnen nicht auf der Tasche zu liegen. Vielleicht bin ich deswegen heute so dünn.

Mein Taschengeld habe ich oft unbemerkt zurück in die Brieftasche meiner Pflegeväter gesteckt.

-----

Eigentlich kann ich mich nicht mehr an viele Dinge erinnern, die ich als Foster Kid erlebt habe, wahrscheinlich will ich gar nicht daran denken. Aber da ist eine Sache, die ich nie vergessen werde. Nie.

Ich setze mich in den Sand und blicke hinaus auf das dunkle Meer. Ganz klein kann ich am Horizont ein Schiff erkennen. Das Rauschen des Wassers gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Dennoch erstarre ich, als ich an das denke, was vielen Jahren passiert ist.

-----

Ich war 14. In der Nachbarschaft meiner letzten Pflegefamilie gab es einen Jungen. Marcus. Eigentlich dachte ich immer, er sei nett. Er war ja auch nett. Aber er wollte mehr als nur Freundschaft. Er wollte Liebe. Liebe, die ich ihm nicht geben konnte. Ich wusste zu dieser Zeit schließlich schon, dass ich lesbisch bin.

Marcus und ich gingen eines Tages zu unserer Scheune im Hinterhof von Marcus` Haus und wir redeten. Das taten wir sonst nie. Sonst tollten wir immer herum und stellten irgendetwas an.

Aber dieses Mal redeten wir nur.

Irgendwann gestand er mir, dass er in mich verliebt war. Ich schaute ihn einfach nur an.

„Hörst du, Shane, ich liebe dich.“

Immer noch schaute ich ihn an. Dann fand ich meine Stimme wieder.

„Ma, ich … ich kann nicht, ich …“. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Jetzt war er es, der mich anstarrte und ich wollte ihn nicht verletzen.

„Ich kann nicht mit dir zusammen sein, versteh das doch.“

„Wieso denn nicht? Shane, ich liebe dich.“

„Marcus, ich bin aber nicht in dich verliebt. Ich bin lesbisch.“

Ich schließe die Augen. Jedes einzelne Wort ist mir in Erinnerung geblieben. Alles. Dieser Tag war zu schrecklich, um ihn je zu vergessen.

Ich öffnete meine Augen und blickte in seine. Ich sah nun Kälte. Hass vielmehr.

Ohne ein Wort zu sagen, schlug er mir zwei Mal ins Gesicht. Ich kam mit dem Hinterkopf auf dem harten Steinboden auf und mir war schwindlig.

„Marcus, was tust du denn da? Hör auf damit, du tust mir weh!“

Er schlug ein drittes Mal zu und öffnete meine Hose. Riss meine Bluse auf. Entblößte mich.

Ich hatte Angst. Unsägliche Angst. Ich wusste, was er vorhatte und ich konnte mich nicht dagegen wehren. Mir war kalt. Ich fing an zu weinen, zu schreien.

„Halt dein verdammtes Maul, du Hure!“

„Bitte Ma, hör auf. Bitte, hör auf.“

Nach einem weiteren Schlag auf mein Gesicht, öffnete er seine Hose. Meine Nase blutete, mein linkes Auge schwoll an. Ich weinte bitterlich, nicht nur wegen der Schmerzen.

Ich war zu schwach, um mich zu wehren. Wusste, dass mich niemand hören würde.

„Hör auf!“

Er hörte nicht auf. Er drang in mich ein. Ich schrie auf. Er stieß und stieß, immer wieder. Fügte mir unglaubliche Schmerzen zu. Schmerzen, die ich nie wieder zu spüren bekommen will. Dann wurde um mich herum alles schwarz.

-----

Immer noch blicke ich hinaus auf das unendlich weite Meer.

Tränen auf meiner Wange. Ich mache mir keine Mühe, sie abzuwischen. Es ist mir egal, schließlich sieht mich niemand.

Die Erinnerungen machen mir immer noch schwer zu schaffen. Nie werde ich diesen Tag vergessen.

-----

Als ich damals in diesem Schuppen aufwachte, nackt, vergewaltigt, stand ich auf und konnte kaum gehen.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich hätte Marcus verklagen können, doch das wollte ich nicht.

Ich wusste aber eins. Ich konnte nie wieder zurück zu meinen Pflegeeltern. Ich konnte ihnen nicht sagen, was passiert war. Dazu war mein Vertrauen zu ihnen zu gering. Diese Leute waren Fremde für mich.

Und es war mir peinlich. Es war mir peinlich, dass ich vergewaltigt wurde. Es ist mir immer noch peinlich. Warum, weiß ich nicht. Ich könnte nie mit jemandem darüber reden.

In dieser Nacht packte ich meine Sachen. Viele waren es nicht. Es passte alles in meinen größten Rucksack. Das bisschen Geld, das ich mir über die Jahre mit verschiedenen illegalen kleinen Jobs verdient habe, sowie einen Teil meines Taschengeldes, nahm ich mit. Eigentlich wollte ich das Geld meiner Pflegeeltern nicht mitnehmen, aber ich wusste, ich brauchte es, um wegzukommen. Ich war 14.

An irgendeinem Bahnhof lernte ich Clive kennen. Mit ihm bin ich von dort an anschaffen gegangen. Es war eine schlimme Zeit. Alles erinnerte mich an die Nacht im Schuppen. Oft habe ich geweint, während ich Sex hatte. Innerlich.

Bis ich 19 war, ging es so weiter. Jede Nacht.

Dann wurde mir ein Job in einem Friseursalon angeboten. Das habe ich Clive zu verdanken.

Ich lernte Haare schneiden, verdiente gutes Geld, baute mir mein eigenes Leben auf. Endlich war ich frei, unabhängig.

Bis ich Cherie kennen lernte, hatte ich weiterhin fast jede Nacht Sex mit irgendwelchen Frauen. Doch es war nicht wie in den schlimmen Zeiten. Ich machte das freiwillig. Ohne Liebe.

Doch dann kam Cherie. Eine Hollywood-Hausfrau. Sie ließ sich von mir die Haare schneiden. Und sie wollte Sex. Suchte Abwechslung.

Ich habe mich in sie verliebt. Unsterblich verliebt.

Und ihre Tochter Clea hat sich unsterblich in mich verliebt. Steve, Cheries Mann, bat mich, Zeit mit Clea zu verbringen. Er vermutete, dass sie lesbisch ist. Sie tischte ihren Eltern die Lüge auf, wir wären zusammen.

Cherie glaubte mir zwar, dass es nicht die Wahrheit war, aber dann erwischte uns Clea. So erfuhr es auch Steve.

Er drohte mir, mich zu töten, käme ich noch einmal in die Nähe seiner Frau oder Tochter.

Ich war am Boden zerstört.

Einmal habe ich mich fallen gelassen, meine Gefühle zugelassen. Und ich wurde so enttäuscht.

Ich wollte nie eine Beziehung. Ein einziges Mal habe ich mich darauf eingelassen und es hätte mich fast umgebracht.

Ich fand Trost in Heroin. Schon in der Zeit mit Clive habe ich es öfter konsumiert. Es half mir zu schlafen, mir tat nichts mehr weh, ich fühlte mich frei.

-----

Lange war ich total down. Dann habe ich gestern plötzlich Anna kennen gelernt. Anna mit ihrer warmen Ausstrahlung, mit ihrer liebenswerten Art, mit ihren schönen Augen.

Vielleicht kann sie mir helfen, aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen. Nur dadurch, dass sie da ist.

Ich lege mich in den Sand. Spüre den kalten Wind auf meiner Haut. Höre das Rauschen des Meeres. Fühle mich frei. Mit diesem Gefühl der Freiheit schlafe ich ein.