Angaben zur Story
Titel: The Power Of Love
Autor: -Kate-
E-Mail: angel-kate2@web.de
Altersfreigabe: G
Teil: Prolog
Spoiler: nach Season 1
Inhalt: Shane trifft auf ihre große Liebe (Im Prolog kommt Shane allerdings noch nicht vor.)
Genre: Drama
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane/Anna (frei erfundener Charakter)
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.
Je nachdem, wie die Resonanz aussieht, werde ich weiterschreiben oder nicht. Bedenkt aber, dass dies mein erster Versuch ist, eine FF zu schreiben, also habt etwas Nachsicht.
The Power of Love - Teil 1
Los Angeles. Wieso gerade Los Angeles? Wie so habe ich mir gerade diese Stadt ausgesucht? Ich weiß es nicht. Irgendetwas hat mich hergeführt. Es sollte so sein, das ist das einzige, was ich weiß.
Ein paar Wochen lang bin ich nur so umhergewandert. Auf der Suche nach nichts. Nur um mir die Stadt, mein neues zu Hause, anzusehen, kennen zu lernen. Was wird mich hier erwarten? Auch das weiß ich nicht.
Ich fragte mich in den letzten Wochen oft, was meine Eltern daheim machten. Mein Bruder, meine beiden Patenkinder, meine Freunde. Geht es Ihnen gut? Sollte ich anrufen? Dann erinnerte ich mich daran, dass es in Deutschland noch tiefe Nacht war. Und eigentlich war ich mir sicher, dass es ihnen gut geht.
Ein paar Wochen lang bin ich nur so umhergewandert. Auf der Suche nach nichts. Ich habe mir die Häuser angesehen, die Farben. Immer wieder fragte ich mich, ob man tatsächlich Aussagen über einen Menschen machen konnte, wenn man nur dessen Lieblingsfarbe wusste. Früher hatte das eine gute Freundin von mir immer behauptet. Lisa.
Ich glaube nicht daran. Meine Lieblingsfarbe ist grün, warum, weiß ich nicht. Meine Freundin las mir früher immer aus ihrem „Buch der Farben“ vor, was für ein Mensch ich bin.
“Grüne Menschen“ sind realistisch und eigenwillig, sie besitzen eine stabile Selbstachtung; sie haben starke eigene Meinungen, sind moralisch und ethisch anständig, ehrlich, zuverlässig und ehrgeizig;
Allerdings sind sie zu geltungsbedürftig, eingebildet, schnell beleidigt, misstrauisch und sehr materiell; ein Mensch mit der Lieblinsfarbe grün fühlt sich oft unverstanden;
Grün-liebende Menschen fühlen sich eng mit der Natur verbunden, und wissen, dass das Leben ein Kreislauf ist, in den wir alle eingebunden sind. Zuverlässigkeit, viel Mitgefühl und große soziale Kompetenz sind ihre Attribute. Für sich selbst agieren sie eher vorsichtig und suchen Sicherheit und Geborgenheit. Jede Entscheidung gut zu überlegen, ist eine Grundhaltung von ihnen, sie können sich sehr gut konzentrieren und schenken auch den Details die nötige Beachtung.
Das ist das einzige, an das ich mich erinnern kann. So oder so ähnlich stand es in dem Buch. Ich nehme mir vor, zu Hause nachzusehen. Meine Freundin hat mir das Buch geschenkt. Bis heute weiß ich nicht, wieso.
Ich glaubte nicht an das, was ich las. Ich glaube noch immer nicht daran. Ich muss aber zugeben, dass einiges davon tatsächlich stimmt. Ich bin zuverlässig; wenn ich etwas verspreche, dann halte ich mich auch daran. Außerdem liebe ich die Natur, ich bin mit ihr aufgewachsen.
Doch ich denke nicht, dass ich eingebildet und schnell beleidigt bin. Ich weiß es nicht. So viele Dinge weiß ich nicht. Ich kenne mich nicht. Niemand kennt mich, und das ist gut so. Ich pflege, mich im Hintergrund zu halten, und das ist gut so.
Ich sah mir oft die Farben an und fragte mich, ob der Mensch, der in diesem gelb gestrichenen kleinen Haus an der Straße wirklich so optimistisch, geistvoll und aufgeschlossen ist, wie es von ihm zu erwarten wäre, schenkte man dem Farben-Buch Glauben. Vielleicht ist gelb auch gar nicht seine Lieblingsfarbe.
… ein Mensch mit der Lieblinsfarbe grün fühlt sich oft unverstanden ...
Ich habe mich oft unverstanden gefühlt. Früher. Ich war anders als andere, konnte nicht das tun, was andere von mir erwarteten, was meine Eltern von mir erwarteten.
Meine Eltern erwarteten von mir, dass ich gut in der Schule bin, gut durch das Abitur komme, studiere, mir einen netten Mann suche und ihnen irgendwann Enkelkinder schenke.
Ich war gut in der Schule. Mein Abiturdurchschnitt von 1,9 reichte mir und ich habe mein Management-Studium erfolgreich abgeschlossen. Das alles war gut so und hat in das Bild meiner Eltern gepasst.
Aber ein Mann … damit werde ich meinen Eltern nie dienen können.
Ich mag Männer, als Freunde, Kumpel. Doch mehr kann ich mir mit einem Mann nicht vorstellen.
Ich war anders als alle anderen, die ich zu diesem Zeitpunkt kannte. Ich bin auch heute noch anders, aber heute kenne ich Leute, die genauso anders sind wie ich, zumindest in Deutschland.
Ich stehe auf Frauen, ich bin lesbisch. Das habe ich immer gewusst und ich hatte nie ein Problem damit. Aber als ich es damals meinen Eltern sagte, konnten sie nicht damit umgehen. Sie können es heute noch nicht. Sie haben eine zu konservative Einstellung, die mir schon immer zu schaffen machte.
Vielleicht ist es der enorme Altersunterschied von ungefähr 40 Jahren, der der Grund für das distanzierte Verhältnis zu meinen Eltern ist. Ich weiß es nicht.
Ich habe mich unverstanden gefühlt.
Ich fühle mich immer noch unverstanden. Unverstanden von den eigenen Eltern.
Ein paar Wochen lang bin ich nur so umhergewandert. Auf der Suche nach nichts. Ich habe mir die Leute angesehen.
Was sind das für Leute? Verhalten sie sich hier anders als in Deutschland? Passe ich hier her? Falle ich auf? Fällt es auf, dass ich nicht von hier bin? Ich weiß es nicht. So viele Dinge weiß ich nicht.
Bin ich wirklich auf der Suche nach nichts?
… für sich selbst agieren sie eher vorsichtig und suchen Sicherheit und Geborgenheit …
Suche ich Sicherheit und Geborgenheit? Ich weiß es nicht.
Weiß ich es vielleicht doch? Will ich es mir nur nicht eingestehen?
Es gab eine Zeit, in der ich mich sicher und geborgen gefühlt habe. Das ist 12 Jahre her.
Damals war ich mit meiner ersten und bisher einzigen Freundin zusammen. Laura. Sie schenkte mir den Himmel auf Erden. Sie schenkte mir Sicherheit. Und Geborgenheit. Für ein Jahr schwebte ich auf der berühmten „Wolke 7“, es war das schönste Jahr in meinem Leben.
Dann starb sie und meine Wolke warf mich ab, warf mich zurück auf die harte Erde und rief mich zurück in die Realität, in die wirkliche, harte Welt.
Das ist 12 Jahre her. Ich hatte danach nie wieder eine Freundin, konnte niemandem mehr vertrauen, nicht einmal Gott.
Ich bin nie wieder so glücklich gewesen wie in diesem einen Jahr. Es ist, als ob ich mein ganzes Glück, das mir zur Verfügung steht, in diesem einen Jahr verbraucht habe und nichts mehr davon übrig ist.
Gott. Wer ist Gott? Früher habe ich es gewusst. Früher war ich jeden Sonntag in der Kirche und habe gebetet, wie sich das für einen gläubigen Menschen gehört. Früher.
Nach dem Tod meiner Freundin konnte ich nicht mehr an Gott glauben und kann es noch immer nicht. Ich fühlte mich verraten. Und ich fühle mich immer noch verraten. Ich habe gedacht, Gott hätte mir meine Freundin und damit mein ganzes Glück und meine ganze Liebe weggenommen. Das denke ich immer noch. Ich war wütend auf diesen Gott, an den ich einst geglaubt hatte. Ich bin immer noch wütend.
Ich bin weiterhin zur Kirche gegangen. Körperlich, nicht geistig. Gebetet habe ich nicht, gesungen auch nicht.
Ich musste zur Kirche gehen, mit meinen Eltern. Ich war 16, noch nicht volljährig, sie konnten mich praktisch dazu zwingen. Doch das mussten sie nicht einmal.
Ich bin sozusagen freiwillig zur Kirche gegangen. Zur Tarnung. Meine Eltern wussten nichts von meiner Freundin, sie wussten zu dieser Zeit nichts von meiner Homosexualität. Sie wussten nicht, dass ich trauerte. Bis heute wissen sie nicht, dass ich trauerte. Dass ich immer noch trauere.
Ich pflege, mich im Hintergrund zu halten, und das ist gut so.
Ich habe nie geweint. Als Baby vielleicht. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich irgendwann einmal geweint habe.
Wenn ich hinfiel, stand ich wieder auf. Den Schmerz verdrängte ich.
Wenn etwas Schlimmes passierte, trauerte ich nicht. Den Schmerz verdrängte ich.
Niemand kennt mich, so wie ich wirklich bin. Selbst ich kenne mich nicht. Ich pflege, mich im Hintergrund zu halten, und das ist gut so. Ich habe mich nie zu Erkennen gegeben.
Nur einmal. Doch der Mensch, der mich wirklich kannte, starb. Meine Liebe, meine einzige Liebe, der Mensch, der mich kannte, so wie ich bin, starb.
Ich war oft wütend, nicht nur auf Gott, sondern auch auf meine Freundin. Ich war wütend, dass sie mich im Stich gelassen hat. Eigentlich bin ich immer noch wütend.
Ein paar Wochen bin ich nur so umhergewandert, auf der Suche nach etwas, von dem ich noch nicht wusste, was es war. Ich weiß es immer noch nicht. Ich weiß so viele Dinge nicht. |