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Angaben zur Story

Titel: Niagara
Autor: -Kate-
E-Mail: angel_kate@gmx.de
Altersfreigabe: G
Teil: 1/1
Spoiler: keine
Inhalt: Eine kurze Fanfiction, die auf dem Lied "Nur zu Besuch" von den Toten Hosen basiert.
Genre: Drama
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane/Carmen
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.
The song "Nur zu Besuch" belongs to "Die Toten Hosen".

Niagara

Ich laufe den Weg entlang, den ich schon so oft beschritten habe. Den Weg zu dir. Es ist so ruhig hier, und ich mag diese Stille, die mich umgibt. Die vielen bunten Blätter, die unter meinen Füßen rascheln sagen mir, dass der Winter nicht mehr weit sein kann. Aber bis dahin genieße ich den Anblick des Indian Summers hier oben. Das Farbenspiel der Bäume ist faszinierend. Dazu der strahlend blaue Himmel, die angenehm warmen Temperaturen. Und das im Herbst.
Kein Wunder, dass wir uns damals für Kanada entschieden haben.

Ich fühle mich frei. Frei von allen Sorgen und Nöten. Und trotzdem sind da diese Erinnerungen, jedes Mal, wenn ich hier entlang komme. Die schönen wie die schlechten.

Ich denke an die Niagara-Fälle. Wie oft waren wir dort, haben stundenlang dem Rauschen des Wassers zugehört. Darauf gewartet, dass sich ein Regenbogen bildet. Die vielen Touristen haben uns dabei kaum gestört.
Einmal hat uns ein Ureinwohner erklärt, dass das Wort niagara in der indianischen Sprache so viel wie „donnerndes Wasser“ heißt. Ich finde den Ausdruck sehr treffend. Das Fließen des Wassers wirkt so friedlich, und dann ist da auf einmal die Fallkante. Der einst so friedvolle Fluss stürzt in den Abgrund. Es gibt kein Zurück mehr.

Ich habe einen Strauß Blumen in der Hand. Es sind deine Lieblingsblumen, weiße Lilien. Die Lilie ist ein Symbol der Reinheit und Schönheit und passt somit perfekt zu dir. Niemand ist meiner Meinung nach reiner und schöner als du. Ich hoffe, sie gefallen dir.

Jedes Mal, wenn ich zu dir komme, fragst du mich, wie es mir geht. Und jedes Mal antworte ich, dass ich okay bin. Ich will nicht, dass du dir Gedanken machst. Ich will nur bei dir sein. Dich fühlen, dich hören. So wie früher.
Ich soll dir liebe Grüße ausrichten von all den anderen. Sie vermissen dich da unten in Los Angeles. Alice und Dana, Bette und Tina, Kit, Jenny, einfach alle.

Ich denke an unsere Hochzeit in Whistler, die fast geplatzt wäre. Im letzten Moment habe ich begriffen, dass ich dich zu sehr liebe, um dich zu verlassen. Im letzten Moment habe ich erkannt, dass ich nicht so bin wie mein Vater. Wir haben geheiratet und es war der schönste Tag meines Lebens.
Das war das erste Mal, dass wir in Kanada waren. Und dieses faszinierende Land hat uns nicht mehr losgelassen. Es war vielleicht die beste Entscheidung unseres Lebens, hierher zu kommen.

Ich bleibe kurz stehen und sehe mich um. Wieder habe ich das Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit. Zwischen den bunten Bäumen, unter dem herrlich klaren und blauen Himmel. An solchen Tagen weiß ich, dass es dir gut geht.
Der Weg zu dir ist nicht mehr weit. Ich laufe weiter.

Du hast heute einen Brief bekommen. Ich weiß nicht, von wem er ist. Ich kenne die Handschrift nicht. Ich will ihn dir vorlesen. Wahrscheinlich weiß der Absender noch nicht, dass du umgezogen bist.

Es gibt so viele schöne Tage, die ich mit dir verleben durfte. Die vielen Tage an den Niagara-Fällen, an den Großen Seen, unsere Wander- und Radtouren. Die Tage in Toronto, auf dem CN-Tower und im Eaton Centre zum Einkaufen. Nicht zu vergessen die Tage vorher, als wir noch in Los Angeles lebten. Die Tage, an die ich mich immer gerne zurück erinnere.

Nur noch ein paar Meter und ich bin bei dir. An einem orangerot gefärbten Baum vorbei, ab vom Weg. Nun laufe ich auf nassem Gras. Ich ziehe meine Schuhe aus, um es unter meinen Füßen zu spüren. Freiheit.

Ich bin da. Stehe direkt vor dir.

Du fragst mich, wie es mir geht, und ich antworte, dass ich okay bin. Wie jedes Mal. Ich will nicht, dass du dir Sorgen machst.

Ich zeige dir die Blumen in meiner Hand. Und anscheinend gefallen sie dir. Die weiße Madonnenlilie, Symbol für Schönheit und Reinheit. Die Madonnenlilie, Symbol für den Tod.
Ich lege sie auf deinen Grabstein und sehe mir die Inschrift an. In goldenen Lettern steht da „Carmen de la Pica Morales, 1979-2006“. 27 Jahre bist du nur alt geworden. Und ich durfte vier Jahre davon mit dir verbringen, die vier glücklichsten Jahre meines Lebens.

Ich denke wieder an die Niagara-Fälle. In den vier Jahren, die ich mit dir verbringen durfte, war ich wie der friedvolle Fluss, das ruhig fließende Wasser, das glücklich umher plätschert. Du warst mein Antrieb. Dein Tod hat mich in den tiefen Abgrund gerissen, ganz plötzlich war ich das donnernde Wasser, und ich dachte, dass ich nie wieder aus dieser Tiefe fliehen könne. Doch der Strom des Lebens trieb mich weiter, in einen anderen Fluss, in andere Gewässer. Ich bin wieder ruhiger geworden.
Ich weiß jetzt, dass ich dich früher oder später wiedersehen werde. Und dass wir dann die lange gemeinsame Zeit nachholen werden, die uns im Diesseits weggenommen wurde.
Bis es so weit ist, werde ich jeden Tag wieder kommen. Nur zu Besuch.

Immer wenn ich dich besuch', fühl' ich mich grenzenlos,
alles and're ist von hier aus so weit weg.
Ich mag die Ruhe hier, zwischen all den Bäumen.
Als ob 's den Frieden auf Erden wirklich gibt.

Es ist ein schöner Weg, der unauffällig zu dir führt.
Ja, ich hab ihn gern, weil er so hell und freundlich wirkt.

Ich habe Blumen mit, weiß nicht ob du sie magst.
Damals hättest du dich wahrscheinlich sehr gefreut.
Wenn sie dir nicht gefall'n, stör dich nicht weiter dran,
sie werden ganz bestimmt bald wieder weggeräumt.

Wie es mir geht, die Frage stellst du jedes Mal.
Ich bin ok, will nicht, dass du dir Sorgen machst.

Und so red' ich mit dir, wie immer, so als ob es wie früher wär,
so als hätten wir jede Menge Zeit.
Ich spür dich ganz nah hier bei mir, kann deine Stimme hör'n.
Und wenn es regnet, weiß ich, dass du manchmal weinst.
Bis die Sonne scheint … bis sie wieder scheint.

Ich soll dich grüßen, von den andern.
Sie denken alle noch ganz oft an dich.
Und dein Garten, es geht im wirklich gut,
obwohl man merkt, dass du ihm fehlst.

Und es kommt immer noch Post, ganz fett adressiert an dich,
obwohl doch jeder weiß, dass du wegezogen bist.

Und so red` ich mit dir wie immer
und ich verspreche dir, wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit.
Dann werden wir uns wieder seh'n du kannst dich ja kümmer wen du willst,
dass die Sonne an diesem Tag auch auf mein Grab scheint.
Dass die Sonne scheint … dass sie wieder scheint.

- Die Toten Hosen, „Nur zu Besuch“ -