HomeForumGästebuch

Angaben zur Story

Autor: kate
E-Mail: kathi_nina@web.de o. kathl_n@hotmail.de
Altersfreigabe: PG-13
Spoiler: Season 3
Inhalt: Shane und Carmen nach Season 3
Genre: Drama,Spannung
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane,Carmen
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.

I'm still lost in you

Der Altar.Der weißen Eispalast.Carmen.ich sehe alles vor mir.Der Pfarrer steht vor mir und Carmen.In wenigen Minuten sind wir Frau und,naja,Frau.Obwohl ich Carmen über alles liebe und mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen kann und will,kann ich den Gedanken nicht ertragen.Den Gedanken,dass ich ihr nicht treu sein kann.Dass ich sie wieder betrüge,dass ich sie verletzte.Ich sehe Carmen in die Augen.Sehe die Freude darin."Es tut mir leid"Mit diesem Satz drehe ich mich um und laufe weg.
Ich wache schweißgebadet auf.Immer wider habe ich diesen Traum.Er verfolgt mich.Keine Sekunde länger hält es mich im Bett.Ich stehe auf und lehne meinen Kopf gegen das kühle Fenster."Was habe ich getan?"Eine Träne läuft mir über die Wange."Was bin ich für ein Mensch?Habe ich es überhaupt verdient,von jemandem geliebt zu werden?Bin ich wirklich so feig?"Diese Fragen schießen mir immer wider durch den Kopf."Wie konnte ich diese Frau,die erste Frau,die ich jemals geliebt habe,für die ich versuchte treu zu sein,für die ich bereit war alles zu tun,nur so verletzen?"
Ich muss hier raus.Zögernd beschließe ich,ins Planet zu fahren.Ich weiß,meine Freunde würden mir keinen Vorwurf machen.
Als ich das Cafè betrete wird es still.Alle wissen von dem was ich getan habe.Mit dem Blick zu Boden gerichtet steuere ich auf den Tisch zu,an dem meine Clique sitzt.
"Hey Leute"
"Shane!Schön dich zu sehen.Wie gehts dir?"Alice steht auf und umarmt mich.Ich will ihre Frage nicht beantworten,deswegen löse ich mich aus ihrer Umarmung und setze mich.

Ich kann dem Gespräch,das die anderen führen nicht folgen.Ich muss ununterbrochen an Carmen denken.Ich sehe ihren Gesichtsausdruck vor mir,in dem Moment,in der ich ihr meine Liebe gestanden hatte.Ich war so glücklich mit ihr.Nie hätte ich es für möglich gehalten,dass ich sie einmal so verletzten würde.Selbst als ich sie betrogen hatte,hat sie mir verziehen.Sie war der beste,gutmütigste Mensch den ich kenne.
Eine Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
"Shane?Alles in Ordnung?"Tina blickt mich zweifelnd an.
"Ja ähm tut mir Leid,ich war gerade mit den Gedanken woanders"
"Schon okay...hör mal Bette und ich geben heute Abend eine Party.Hast du Lust zu kommen?"
"Das ist wirklich nett,aber,nein tut mir Leid.Ich muss erstmal das verarbeiten,was in letzter Zeit passiert ist"
"Ja natürlich.Aber wenn du deine Meinung änderst,kannst du immer zu uns kommen,okay?"
Ich lächle sie an"Ja danke.Ich muss jetzt los.Vielleicht sehn wir uns noch.Bye"
Ich stehe vom Tisch auf,lächle nochmal in die Runde und gehe.
Immer wieder spiele ich mit dem Gedanke,zu Carmens Haus zu fahren.Nach langem Zögern biege ich in ihre Straße ein und parke auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihres Hauses.Doch den Mut auszusteigen und nach ihr zu fragen,habe ich nicht."Ich bin es nicht wert.Sie wird nie wieder zu mir zurückkommen"Mit durchdrehenden Rädern mache ich mich auf den Weg nach Hause.
"Jenny?Max?"ich bekomme keine Antwort,als ich in der Küche stehend anch ihnen rufe.Also setzte ich mich an den Küchentisch und beschließe Carmen einen Brief zu schreiben.Ich muss es ihr erklären,denn ich weiß sie würde mir nie zuhören.Es fällt mir so unglaublich schwer,meine Gefühle jemandem zu offenbaren.Selbst bei Carmen fällt es mir schwer.
"Liebe Carmen,
das,was ich getan habe,war der schlimmst Fehler meines Lebens.
Es vergeht nicht ein Tag,eine Stunde,eine Sekunde,in der ich nicht bereue,was ich dir angtan habe.Ich liebe dich über alles.Du bist die einzige Frau,mit der ich je glücklich war.Ich kann so nicht mehr weiterleben,mit dem Wissen,dich so verletzt zu haben.Ich erwarte nicht,dass du zu mir zurückkommst,aber ich wünsche mir nichts mehr,als dass du mir verzeihst.Warscheinlich werde ich mir selbst nie verzeihen können,aber bitte denk darüber nach.Denn ohne dich hat mein Leben keinen Sinn mehr.Ich wünschte,dass du mich nie kennengelernt hättest,dann wäre dir vieles erspart geblieben.
Bitte verzeih mir
In Liebe
Shane"

Ich reiße das Blatt,auf dem ich meine Gefühle niedergeschrieben habe aus dem Block.Ich lese den Brief wieder und wieder."Ohne dich hat mein Leben keinen Sinn mehr."Diese Zeile erdrückt mich fast,darum beschließe ich,mich nicht mehr länger zu quälen.Ich nehme den Brief,packe ihn in ein Briefcouvert und fahre los zu Carmen's Haus und parke wieder auf der anderen Straßenseite .Ich sitze im meinem Auto und starre immer wieder auf den Brief,dann auf ihr Haus.Meine Hände und Beine zittern,aber trotzdem überwinde ich mich auszusteigen.Langsam gehe ich auf ihr Haus zu,doch je näher ich ihm komme,desto nervöser werde ich.Immer wieder sehe ich mich um,niemand soll etwas von meiner Aktion mitbekommen,schon gar nicht Carmen.Schnell werfe ich den Brief in den Briefkasten neben der Tür,dann drehe ich mich um und laufe zu meinem Wagen.Auf dem schnellsten Weg mache ich mich auf nach Hause.
"Shane,schön,dass du doch noch gekommen bist!"Tina begrüßt mich an ihrer Haustür.
"Ja,ich habs mir doch noch überlegt....ich brauch dringend etwas Abwechslung."
"Es freut mich wirklich.Komm doch rein,die anderen sind schon da."
Ich betrete Bette's und Tina's Haus und gehe ins Wohnzimmer,wo die anderen schon ihren Platz eingenommen haben.
"Hey Ladies"
"Shane!Ich dachte du kommst nicht mehr.Ist irgendwas passiert?Du siehst so zerknirscht aus!"
"Nein,ähm es ist nur...ich hab Carmen einen Brief geschrieben und naja ich hoffe darauf,dass sie mir antwortet,aber können wir bitte das Thema wechseln?"

"Du hast ihr einen Brief geschrieben?Du??"Ich hasse es,wenn Alice nie dass machen kann,worum man sie bittet.
"Alice,bitte.Ich möchte nicht darüber reden,okay?Es ist mir so schon schwer genug gefallen."
"Jaja,schon okay."Ich merke,dass es nicht okay ist,weil Alice mich die ganze Zeit anstarrt.Ich versuche ihrem Blick auszuweichen,aber irgendwann halte ich es nicht mehr aus.
"So,ich geh dann mal.Ich hab furchtbare Kopfschmerzen,ich werd mich zu Hause ein wenig hinlegen."Ich weiß,dass die anderen wissen,dass ich lüge,aber es ist mir egal.Ich halte es hier nicht mehr aus.Ich sehne mich mehr denn je nach Carmen,die mich immer aufgefangen hatte,wenn es mir schlecht ging.Die mir immer Mut zugesprochen hatte.
Dana reißt mich aus meinen Gedanken.
"Wenn du mit Carmen hierwärst,würde man dich gar nicht mehr zum heimgehen bringen."
Was hatte sie da eben gesagt?Habe ich mich verhört?Ich starre sie entgeistert an und ich merke,dass ihr diese Bemerkung im nächsten Augenblick unendlich leid tut.Ich nicke den anderen kurz zu und gehe."Wenn du mit Carmen hierwärst..." Ich fühle mich schlecht.Jaja,ich weiß,wenn ich sie nicht sitzen gelassen hätte,wenn ich sie nicht betrogen hätte,wenn ich ein anderer Mensch wäre...wenn,wenn,wenn.
Als ich in meine Straße einbiege traue ich meinen Augen nicht.Carmen steht vor meiner Türe.Ich überlege kurz,ob ich weiterfahren soll.Aber vielleicht bekomme ich nie wieder die Chance,mit ihr zu sprechen.Ich steige aus und gehe langsam auf sie zu.Sie ist so hübsch,genau wie ich sie in Erinnerung habe.
"Carmen,ich..."
"Shane,warum hast du mir diesen Brief geschrieben?Was soll das?"
Für einen Moment bin ich sprachlos.
"Ich,ich,Carmen,ich kann so nicht mehr weiterleben,mit dem,was ich getan habe.Ich wollte,dass du weißt,dass ich dich noch immer über alles liebe und..."
"Ich weiß,dass steht ja alles hier drin.Und was soll ich jetzt deiner Meinung nach tun?Soll ich dir verzeihen?Soll ich vergessen,dass du mich mich vorm Altar sitzen gelassen hast?Shane,weißt du,was du von mir verlangst?Ich habe Tag und Nacht geweint.Ich wollte verstehen,was ich falsch gemacht habe.Ich hatte keine Ahnung,was passiert ist.Doch ich konnte es nicht...weißt du,was ich durchgemacht habe?"
Eine Träne läuft ihr über die Wange.
"Ich weiß und es tut mir leid.Meinst du,es ist mir leicht gefallen?Ich habe dich sitzen gelassen,weil ich dich nicht enttäuschen wollte.Doch ich hab damit genau das Gegenteil erreicht.Bitte,ich würde alles dafür tun,wenn du mir noch eine Chance gibst.Bitte..."
Einen Moment sieht es so aus,als ob sie mir Antwort geben will.Doch sie dreht sich um und geht.Ich bin zu perplex um irgendetwas zu tun.
"Carmen,bitte geh nicht..."

Obwohl in mir alles danach schreit,Carmen sofort hinterherzulaufen und sie daran zu hindern,mich zu verlassen,kann ich mich nicht bewegen.Ich stehe einfach nur da und sehe ihr hinterher.
"Carmen...ich liebe dich".Doch über mein Lippen kommt nur ein heiseres Flüstern.Ich sehe,wie mir Carmen noch einmal einen sehnsüchtigen Blick zuwirft bevor sie in ihr Auto einsteigt und davonfährt.Ich kann mich nicht bewegen.Eine Träne läuft mir über die Wange."Ich kann nicht mehr...".Mit diesem Gedanken gehe ich ins Haus zurück.
"Wo ist es?Wo ist diese verdammte Päckchen?"Verzweifelt,fast hysterisch suche ich nach dem Päckchen,dessen Inhalt mich alles vergessen lässt.Zumindest so lange,bis seine Wirkung nachlässt.Ich durchwühle alle Schubladen meines Zimmers,keinen Winkel lasse ich undurchsucht.Schließlich finde ich das Päckchen mit dem weißen Inhalt in meiner Nachttischschublade.Hektisch schütte ich den gesamten Inhalt auf ein Abgebrochenes Stück meines Spiegels und schiebe es sauber zu Bahnen zusammen.Ich beuge mich darüber und atme tief ein.
Als ich aufwache habe ich furchtbare Kopfschmerzen,für einen Moment weiß ich nicht,wo ich bin.ich sehe Alices`Gesicht über mir."Was macht sie hier?Was ist passiert?"Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf.
"Shane?Was ist passiert?Jenny hat dich gefunden,auf dem Boden.Shane,was hast du genommen?"
"Ich,ich...ich weiß es nicht mehr.Es ist mir auch egal.Alice,Carmen war hier,wegen dem Brief.Es,es war schrecklich...sie hast mich,Alice."
"Nein,das tut sie nicht,glaub es mir.Sie ist nur verletzt,sehr verletzt.Aber glaub mir,sie wird dir verzeihen."
"Nein,das wird sie nicht.Ich würde nicht mal mir selbst verzeihen.Ich habs versaut,Alice.Den ersten Menschen,der mir jemals etwas bedeutet hat,habe ich zutiefst verletzt.Ich habe keine Lust mehr,verstehst du das?Mein Leben macht ohne sie keinen Sinn mehr..."

Ich sehe,dass Alice für einen kurzen Moment nicht weiß,was sie sagen soll.
"Nein,Shane,das stimmt nicht.Carmen liebt dich,und sie wird zu dir zurückkommen.Bitte Shane,versprich mir,dass du nicht so denkst.Alles wird wieder gut."
Ich würde ihr so gerne glauben,doch es fällt mir so schwer.Ich vermisse Carmen jede Minute,jede Sekunde.
"Shane,bitte versprich es mir."
Anstatt ihr zu antworten,stehe ich auf und gehe zum Fenster.Jeder Schritt ist unerträglich,und mein Kopf fühlt sich an,als würde er gleich platzen.
"Alice?ich möchte,dass du jetzt ehrlich bist.Bitte.Würdest du mir verzeihen,wenn ich dich vorm Altar..."Ich muss schlucken,um meine Tränen zurückzuhalten,"sitzen gelassen hätte?Bitte sei ehrlich zu mir."
"Warscheinlich nicht...aber ich weiß,dass Carmen dir verzeihen wird."
Ich muss lächeln.Aber nicht aus Freude,sondern darüber,dass sie es immer wieder sagt.
Ich schüttle den Kopf.“Ich kann nicht nur hier herumsitzen und darauf hoffen,dass sie zu mir zurückkommt.ich werde ihr beweisen,dass ich mich geändert habe.“
So schnell ich kann,laufe ich zu meinem Auto.
„Shane!Wo willst du hin?Mach keine Dummheiten!Shane!“Alice ruft mir hinterher.
„Versprochen!“Ich laufe weiter und steige in meinen Wagen.Es ist mir egal,wie schnell ich fahre,das einzige was mich interessiert ist zu Carmen zu kommen.
In ihrer Straße angekommen,springe ich aus dem Auto und laufe zu ihrem Haus.Ich läute Sturm,und es kommt mir so vor,als würde es Stunden dauern,bis jemand die Tür öffnet.Doch zu meiner großen Enttäuschung ist es nicht Carmen.es ist ihre Schwester Mercedes,die sichtlich überrascht ist, mich hier anzutreffen.“Was willst du hier?“
„Wo ist sie?Ich will mit ihr reden.Bitte,lass mich zu ihr!“
„Soll ich dir mal was sagen?!Du kannst sie nicht sprechen!Carmen liegt im Krankenhaus!Sie hat versucht sich umzubringen,wegen dir!Wenn meine Mutter sie nicht gefunden hätte,dann...“Sie beendet den Satz nicht,stattdessen fängt sie an zu weinen.In mir bricht alles zusammen.Ich fühle mich,als hätte man mir ein Messer ins Herz gestochen.Ich muss am Türstock festhalten.
„Wa...was?Ich...wie...wie schlimm ist es,ich meine wird sie...“
„Ich weiß es nicht,aber wenn ja,...dann wird es keinen Platz auf dieser Erde geben,an dem du nicht um dein Leben fürchten musst!“Mit diesem Satz knallt sie mir die Tür vor der Nase zu.Für einen Moment wünsche ich mir,dass ich tot bin.Wenn ich daran schuld bin wenn Carmen stirbt,dann...Ich möchte den Gedanken nicht zu Ende bringen.Stattdessen setze ich mich in mein Auto und fahre zum Krankenhaus.

Vor dem Krankenhaus lasse ich einfach mein Auto am Straßenrand stehen und laufe so schnell ich kann hinein.Sie darf einfach nicht sterben!Dieser Gedanke schießt mir immer wieder durch den Kopf.An der Rezeption frage ich nach ihr.In meiner Aufregung rede ich viel zu schnell und muss alles wiederholen.Ich erfahre die Station und das Zimmer,wo sie liegt.Es ist die Intensivstation.Nein!Nein!Das darf einfach nicht sein!In meiner Panik
Suche ich das Treppenhaus,da der Fahrstuhl zu lange dauern würde.So schnell ich kann laufe ich die,so wie es mir scheint ,endlosen Stufen hinauf.“3.Stock.Intensivstation“steht auf einem Wegweiser geschrieben.Doch an der Tür,die die Intensivstation von den anderen abgrenzt steht etwas geschrieben,dass mich fast wahnsinnig macht.“Zutritt nur für Befugte!“
Ich sehe eine weitere Rezeption,an der man sicht offenbar anmelden musste.Ich weiß,dass das meine einzige Chance ist,denn Carmen`s Familie würde mich nie zu ihr lassen.
Die Rezeption ist nicht besetzt und so muss ich warten.Es macht mich wahnsinnig.
Endlich sehe ich eine Schwester und stehe auf um mich bemerkbar zu machen.
„Bitte,können sie mir helfen?Meine Freundin liegt hier und ich muss unbedingt zu ihr.Bitte!“
Sie lächelt mich freundlich an.“Sind sie angemeldet,oder weiß jemand,dass sie kommen?“
„Nein ich...ich habe gerade erst erfahren,was passiert ist.Bitte,ich muss zu ihr!“
„Es tut mir leid,aber der Zutritt ist nur Angehörigen erlaubt.“
„Aber ich..ich...wir sind verlobt.Ich...habe sie vorm Altar sitzen lassen...Bitte...“
Ich sehe,wie sie überlegt,was sie sagen soll.Nach ein paar Sekunden geht sie hinter den Tresen und holt ein Formular heraus,dass sie mir in die Hand drückt.“Hier,füllen sie das aus,und dann geben sie es mir wieder.Ich werde sie dann zu ihr bringen.“
Dankbar lächle ich sie an und fange an,das Formular auszufüllen.
Mit einem Kittel bekleidet führt mich die Schwester durch die Gänge der Station.Zimmer 23.
Ich werde immer nervöser und fange an zu zittern.“Alles okay?“Ihre Stimme erschreckt mich.
„Ja...es ist nur...“
„Schon in Ordnung.“
Dann öffnet sie die Tür.Der Anblick von Carmen trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht.
Für einen Moment bleibe ich einfach stehen,denn ich kann mich nicht bewegen.
Dann gehe ich langsam auf sie zu.Die ganzen Schläuche machen mich noch nervöser.
Vor ihrem Bett bleibe ich stehn.Sie ist so blass.Sie sieht aus als wenn sie tot wäre.Ich verfluche mich selbst bei diesem Gedanken.Vorsichtig setze ich mich auf ihr Bett und nehme ihre Hand.“Es tut mir leid!“Immer wieder wiederhole ich diesen Satz.Dann fange ich an zu weinen.

Immer wieder flüstere ich ihr“es tut mir leid,bite verzeih mir!“zu.Nichts wünsche ich mir mehr,als dass Carmen meine Worte hört und aufwacht.
Mein Blick fällt plötzlich auf das Fenster,durch welches man auf den Flur sehen kann.Dort seht Carmen`s Mutter und ein Cousin von ihr,den ich aber nur flüchtig kenne.Sie scheinen wild mit einem Arzt zu diskutieren.Immer wieder zeigt sie auf mich beginnt wieder wild zu gestikulieren.Dann öffnet der Arzt die Tür.
„Ms McCutcheon?Ich muss sie leider bitten zu gehen.“
„Nein,bitte ich...ich muss bei ihr bleiben,sie braucht mich...bitte“
„Hören sie,sie sind keine Angehörige und Mrs dela Pica Morales wünscht,dass sie so schnell wie möglich gehen.“
„Ich,ich weiß,dass kann ich sehr gut verstehen.Aber bitte sagen sie ihr,dass ich alles darum geben würde,nur damit sie wieder aufwacht.Und sagen sie ihr,dass es mir leid tut...bitte...“
Zu meiner Überraschung verlässt er den Raum und beginnt wieder mit ihrer Mutter zu diskutieren.
Immer noch halte ich ihre Hand und streichle ihr sanft über ihr blasses Gesicht.Ich erschrecke als sich die Tür öffnet.
„Ms McCutcheon,jemand möchte mit ihnen reden“
Zu meiner Überraschung betritt Carmen`s Mutter den Raum.Ich kann ihr nicht in die Augen sehen,viel zu sehr schäme ich mich für das,was ich Carmen und ihrer Familie angetan habe.
„Ich,ich wollte das nicht.Es tut mir unendlich leid...“Wieder fange ich an zu weinen.
„Shane,ich möchte,dass du eines weißt.Carmen hat dir verziehen.Aber glaub nicht,dass das selbe für mich und meine Familie gilt.So jemanden wie dich hat sie nicht verdient.Aber sie liebt dich.Sie liebt dich mehr,als ihr eigenes Leben.Sollte sie...“,sie muss schlucken um nicht in Tränen auszubrechen,dann setzt sie den Satz fort...“Sollte sie das hier überleben,und zu dir zurückkommen,dann mach sie zum glücklichsten Menschen auf dieser Erde.Und verletz sie nicht nocheinmal,denn sie wünscht sich nichts mehr,als dass auch ich dir verzeihe.“
Dann verlässt sie den Raum.

Ich kann nicht glauben,was ich gerade gehört habe.“Sie hat dir verziehen“.Immer wieder wiederhole ich es.Es ist ganz still.Nur das Geräusch der Maschinen an denen Carmen hängt ist zu hören.Immer noch halte ich ihre Hand.Plötzlich spüre ich eine Bewegung.Sofort blicke ich sie an.“Carmen?Carmen,hörst du mich?Wach auf...Carmen!“Langsam öffnet sie die Augen und beginnt sich suchend umzublicken.Erst jetzt bemerke ich,dass ihre Armgelenke verbunden sind.Ich streichle ihr vorsichtig über die Wange,und flüstere ihr zu.Nach einigen Sekunden suchender Blicke findet sie mich und bleibt an mir hängen.“Carmen...hörst du mich?Alles wird wieder gut,dass verspreche ich dir!“.Langsam öffnet sie den Mund um etwas zu sagen.
„Sh...Shane...ich liebe...dich!“Noch bevor ich etwas sagen kann,schließt sie wieder die Augen und der Druck in meiner Hand lässt nach.Ein schriller Pfeifton zerreißt die Stille.
Ich versuche sie wach zu bekommen.
„Carmen,nein!!!Sag was,bitte!Wach wieder auf...Verlass mich nicht...“
Ich höre schnelle Fußschritte den Flur entlang.Dann öffnet sich die Tür und mehrere Ärzte und Krankenschwestern stürmen hektisch in das Zimmer.
„Bitte verlassen sie den Raum!“
Ich bin viel zu geschockt um mich zu bewegen.In diesem Moment kann ich nicht reagieren,ich höre nicht einmal,was die Ärtze sagen.Ich merke nur,wie mich eine der Krankenschwestern nach draußen bringt und auf mich einredet.Ich kann meinen Blick nicht von Carmen abwenden,sehe,wie sie um sie herumstehen und versuchen,ihr Leben zu retten.
Ich lehne mich gegen die Glasscheibe und atme tief durch.Ich habe noch nie gebetet,doch es erscheint mir in diesem Moment als das einzig richtige.
„Bitte,lass sie nicht sterben...sie ist das einzige,was mir etwas bedeutet.Ohne sie hat mein Leben keinen Sinn mehr...Bitte...“
Wieder fange ich an zu weinen.Ich kann den Anblick nicht mehr ertragen,deshalb setze ich mich auf den Boden,und stütze meinen Kopf in die Hände und warte...

Ich bringe es nicht über mich,aufzustehen und nachzusehen,was die Ärzte mit ihr machen.Viel zu sehr fürchte ich mich davor ,sie vielleicht,sterben zu sehen.Das Warten macht mich beinahe wahnsinnig.Schließlich stehe ich doch auf,doch ich meide jeden Blick hinüber zu dem kleinen Fenster.Stattdessen gehe ich den Flur auf und ab und mein Blick fällt auf eine Uhr,die an einer Wand gegenüber von mir hängt.
23.15.Es müssen schon über 8 Stunden sein,die ich hier im Krankenhaus bin.Erst jetzt bemerke ich ,wie hungrig ich bin.Doch ich weiß,dass ich keinen Bissen hinunterbringen würde.Ich erschrecke,als sich die Tür öffnet.Nervös gehe ich auf den Arzt zu.
„Was..was ist mit ihr??L...lebt sie?“
„Ja...aber sie hatte einen Herzstillstand,und mir mussten sie künstlich beatmen.Ihr Zustand ist kritisch,also müssen wir jede Aufregung vermeiden.Sie können jetzt zu ihr,wenn sie möchten,aber wie gesagt...“
Als ich höre,was er sagt,macht sich eine riesige Erleichterung in mir breit.
„Danke!!“
Vorsichtig öffne ich die Tür.Ich habe Angst.Dann treffen sich unsere Blicke,doch ich kann ihrem nicht lange stand halten.Zögernd gehe ich auf sie zu.Ich nehme mir einen Stuhl,und setze mich zu ihr.Sie fixiert mich mit einem,so wie ich es empfinde, vorwurfsvollen Blick.
Sie versucht mit ihrer Hand die Sauerstoffmaske von ihrem Gesicht herunterzuziehen,doch sie schafft es nicht.Zitternd nehme ich sie ihr ab,doch ich fürchte mich vor dem,was sie sagen möchte.
„Wa...warum hast du das ge..getan?“
„Carmen,ich...ich...weil ich dich nicht verletzen wollte.Doch jetzt ist mir klar,dass ich genau das Gegenteil damit erreicht habe.Carmen,ich liebe dich über alles und ich würde alles dafür tun,die Zeit zurückdrehen zu können.Du musst mir glauben...bitte“
„Ich liebe dich doch auch,aber nachdem du...nicht gekommen bist,ist für mich eine Welt zusammengebrochen.Ich konnte es nicht verstehen,warum du das getan hast.Und als meine Mutter mitbekommen hatte,dass ich dir verziehen habe,ist sie total ausgerastet.Ich wollte nicht mehr hören,wie sie über dich redet.Ich wusste mir einfach keinen Ausweg mehr.“
Sie nimmt meine Hand.Ich erschrecke mich vor dem Gefühl,dass plötzlich in mir aufkommt.Das erste mal spüre ich es wieder,seit alles passiert ist.Mir wird noch mehr klar,wie sehr ich sie liebe.
„Können...können wir einfach noch mal von vorne anfangen?Ich verspreche dir,dass ich dich nie wieder verletzen werde...“
Zu meinem Entsetzten dreht sie den Kopf weg von mir und sieht aus dem Fenster.Endlose Minuten verstreichen.

Es ist so still,man könnte eine Stecknadel fallen hören,und genau diese Stille bring mich fast um.Warum sagt sie nichts,wenn sie mich doch noch liebt?Ich werde immer nervöser.Dann bricht sie das Schweigen.
„Bitte geh!“Diese beiden Wörter versetzen mir einen Stich im Herzen.Vor Erstaunen kann ich mich nicht bewegen,kann nicht mehr atmen.Ich versuche krampfhaft etwas zu sagen,doch ich bringe kein Wort über meine Lippen.Sie starrt immer noch aus dem Fenster,würdigt mich keines Blickes.Wieder schießen mir Tränen in die Augen,doch ich kann nicht einmal weinen.Stattdessen stehe ich immer noch geschockt auf und gehe auf die Tür zu.Kurz bevor ich rausgehe,drehe ich mich noch mal um,doch alles ist unverändert.Dann gehe ich hinaus und bleibe erstmal einen Moment vor der Tür auf dem Flur stehen.Tausende Gedanken schießen mir durch den Kopf.Ich habe es verbockt.Sie will mich nicht zurück.Jetzt ist alles vorbei.Eigentlich könnte ich jetzt sterben,denn es lohnt sich nicht mehr zu leben.Doch ich werde um sie kämpfen,mit allen Mitteln der Welt.Mit diesem Entschluss gehe ich den langen Flur in Richtung Ausgang entlang.
Als ich die Tür hinter mir schließe,traue ich meinen Augen kaum.Auf einer Bank sitzt Alice.Als sie mich sieht,kommt sie auf mich zugelaufen.
„Shane!Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht?Wie geht’s dir?Wie geht es Carmen?“
Bevor ich ihr antworte,setze ich mich auf die Bank,auf der vor kurzem noch Alice gesessen hatte und stütze meine Kopf in meine Hände.
„Alice...sie,sie hat gesagt sie liebt mich noch und sie hat mir verziehen aber...“Bevor ich ausreden kannt,fällt mir Alice ins Wort.
„Shane!Das ist doch super!Warum machst du dann so ein Gesicht?“
„Weil...weil sie mich nicht zurück will.Ich habe sie gefragt,ob wir noch mal von vorne anfangen können.Weißt du,was sie darauf geantwortet hat??Bitte geh!Ich,ich weiß nicht,was ich noch machen soll....ich kann einfach nicht mehr.“
So wie es mir vorkommt,weiß sie nicht so recht,was sie sagen soll.Stattdessen nimmt sie mich einfach in den Arm.ich bin froh,mich bei ihr anlehnen zu können und für einen kurzen Moment vergesse ich alles um mich herum.Dann bricht sie das Schweigen.
„Ich werde mit ihr reden und du wartest hier auf mich.“Ohne eine Antwort von mir abzuwarten steht sie auf und geht auf die Anmeldung zu,wo sie nur ein paar Worte mit einer Schwester spricht und dann auch schon in der Tür zur Intensivstation verschwindet.Wieder warte ich und es ist fast noch schlimmer,als letztes mal.

Ich versuche mich irgendwie abzulenken,doch mir gehen ihre Worte nicht aus dem Kopf.Will sie mich verletzten?Will sie sich an mir rächen,indem sie zu mir sagt“bitte geh“?Ich könnte es nur zu gut verstehen,aber warum sagt sie erst sie liebt mich,wenn sie mich dann wegschickt?Viele Fragen und keine Antworten.Eine Stimme reißt mich aus meinen verzweifelten Gedanken.
„Ist alles in Ordnung?Wie geht es ihrer Freundin?“Es dauert ein wenig,bis ich die Stimme der netten Schwester von vorhin zuordnen kann.Höflich lächle ich sie an.
„Oh,entschuldigung.Ihr geht es gut,den Umständen entsprechend.Aber mir geht es ehrlich gesagt beschissen.“
„Sie sehen sehr müde aus.Wollen sie nicht nach Hause gehen und sich etwas ausruhen?“
„Nein!“Mein aggressiver Ton erschreckt mich selber.“Tut mir leid...aber ich bleibe hier.“
„Schon okay.Aber sie müssen mir erlauben,dass ich ihnen eine Tasse Kaffeè und etwas zu Essen bringe.“
Wieder lächle ich sie an,und ich bemerke,wie sie mir tief in die Augen blickt.Sofort wende ich meinen Blick von ihr ab,denn ich weiß,was ich Carmen und ihrer Familie versprochen habe,Sofort sind meine Gedanken wieder bei ihr und ich schaue wieder auf die Uhr.Es ist kurz vor Mitternacht.Was macht sie nur so lang da drin?Ich erwische mich selber dabei,wie ich dem Sekundenzeiger jede einzelne Sekunde mit meinen Augen folge.Es macht mich noch nervöser.Dann öffnet sich die Tür.Doch leider die falsche,denn es ist nur die Krankenschwester mit einer braunen Tüte und einem Becher Kaffeè in der Hand.Ich stehe auf ,nehme ihr die Sachen aus der Hand und bedanke mich.Dann setze ich mich wieder auf meine Bank zurück.Zu meinem Erstaunen setzt sie sich neben mich.
„Ich hoffe ihnen macht es nichts aus,wenn ich ihnen ein bisschen Gesellschaft leiste“
Es macht mir nicht direkt etwas aus,aber ich wäre doch lieber allein gewesen,Anstatt ihr eine Antwort zu geben,lächle ich ihr nur zu und schüttle den Kopf.Schweigend sitzen wir nebeneinader.Wann kommt Alice endlich?Ich habe das Gefühl gleich wahnsinnig zu werden.
Plötzlich öffnet sich wieder eine Tür und diesmal kommt Alice heraus.Sofort springe ich auf und laufe auf sie zu.
„Und?Was hat sie gesagt?Hat sie es sich überlegt?Alice,sag doch was!“
„Wenn du mich mal zu Wort kommen lassen würdest,dann könnte ich es dir auch erzählen.Also ich habe mit ihr gesprochen.Über dich...über sie...über euch.Und ich habe ihr erzählt,wie sehr du unter eurer Trennung leidest...was du mir erzählt hast...und dass du dir deinen Fehler eingestehst.Aber ich bin mir sicher,dass du ihr das auch erzählt hast.Sie hat gesagt,dass sie dich trotzdem noch über alles liebt und dass du das Wichtigste in ihrem Leben bist.Und des tut ihr leid,dass sie dich vorhin weggeschickt hat.Sie hat es nicht so gemeintAußerdem hat sie gesagt,dass du zu ihr kommen sollst.“
Ich kann erstmal nichts sagen,weil ich erstmal verarbeiten muss,was Alice mir gerade erzählt hat.
„Danke,Alice...du bist die beste Freundin,die man sich vorstellen kann...danke!“Damit umarme ich sie und mache mich dann auf den Weg zu Carmens Zimmer.

Zögernd öffne ich die Tür.Im Zimmer angekommen meide ich jeden Augenkontakt mit Carmen.Ohne ein Wort zu sagen,setze ich mich auf den Stuhl neben ihrem Bett und lege meine Hände in den Schoß.Ich merke,wie sie den Augenkontakt zu mir sucht.Obwohl ich es gar nicht will,hebe ich den Kopf,und schaue ihr direkt in ihre wunderschönen braunen Augen.Wieder bemerke ich das Gefühl,dass langsam in mir hochsteigt,wenn ich sie ansehe.Plötzlich nimmt sie meine Hand und das Gefühl der unendlichen Liebe zu ihr wird noch stärker.
„Carmen...ich liebe dich!“
Es kommt mir so vor,als würde die Sonne aufgehen,in dieser verregneten Nacht,als sie mich anlächelt.
„Ich dich auch...es tut mir leid,dass ich dich vorher rausgeschickt habe...ich wünsche mir nichts mehr,als noch mal von vorne anzufangen...aber du musst mir etwas versprechen.“
„Alles was du willst!“
„Bitte,mach so etwas nie wieder“
„ich verspreche es dir.Glaub mir,ich hasse mich dafür.Ich werde dich zur glücklichsten Frau auf dieser Erde machen!“Damit beuge ich mich zu ihr hinunter und gebe ihr einen langen,leidenschaftlichen Kuss.“
„Shane,ich finde,du solltest nach Hause gehe, und dich ausschlafen.Du siehst echt fertig aus.Ruh dich etwas aus,okay?“
„Ich bin eigentlich gar nicht müde und außerdem möchte ich bei dir bleiben...“
„Shane...,“wieder lächelt sie mich mit dem Lächeln an,dem ich nicht widerstehen kann.Ich weiß,dass ich ihr nicht widersprechen kann.
„Okay,du hast gewonnen.Aber so schnell wirst du mich nicht los,ich komme morgen wieder,egal was du sagst.“
Wieder lächelt sie.“Das habe ich mir fast gedacht.“
Ich gebe ihr einen Kuss,und stehe von meinem Stuhl auf.Kurz bevor ich den Raum verlasse,drehe ich mich noch einmal um.
„Ich liebe dich!“
Dann verlasse ich erschöpft das Krankenhaus.

Am nächsten Morgen stehe ich nervös und mit einem Strauß Blumen in meiner Hand im Aufzug.Ich habe keine Ahnung,warum ich so nervös bin.Vielleicht habe ich Angst davor,etwas falsch zu machen und sie damit wieder zu verlieren.Was wäre gewesen,wenn sie-nein,ich möchte den Gedanken nicht zu Ende bringen.Ich versuche mich stattdessen zu beruhigen.Carmen geht es gut und nichts wird uns mehr auseinander bringen.Ich merke wie ich langsam ruhiger werde und mich darauf freue,sie zu sehen.3.Stock.Ich steige aus dem Aufzug und biege in Richtung Intensivstation ab.Wieder begegne ich der mir schon bekannten Krankenschwester.
„Guten Morgen!Wie geht es ihnen?Wie geht es ihrer Freundin?“
„Hallo!Mir geht’s gut,und ihr auch,natürlich den Umständen entsprechend.“
„Das freut mich.Aber ich will sie nicht länger aufhalten.Also,einen schönen Tag noch!“
„Danke,ihnen auch“Ich bin froh,dass sie so rücksichtsvoll ist,denn ich kann es kaum noch erwarten,zu Carmen zu kommen.
Ich betrete die Intensivstation und gehe den langen Gang entlang in Richtung von Zimmer 23.Jetzt merke ich,wie ich wieder nervös werde.Vor der Tür atme ich noch einmal tief durch.Dann klopfe ich an.Keine Reaktion.Wahrscheinlich hat sie mich nicht gehört,denke ich.Ich klopfe noch mal.Was ist hier los?Schläft sie?
Zögernd klopfe ich noch einmal und warte wieder vergeblich auf eine Reaktion.Ohne auch nur noch einen Moment lang nachzudenken öffne ich die Tür.
Sofort fällt mein Blick auf das leere Bett.Für einen Moment bleibt mein Herz stehen und ich fange an zu schwitzen.
Wo ist sie?Was ist passiert?
Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf .Ich werfe den Blumenstrauß auf das leere Bett und laufe aus dem Zimmer in Richtung Information.
„Wo ist sie?Carmen dela Pica Morales!Wo ist sie?“
Wortlos sieht mich ein junger Assistenzarzt an.Anscheinend hält er mich für total verrückt,aber das ist mir egal.
„Wo ist sie?“
„Tut mir leid,aber ich weiß es nicht.Setzen sie sich einfach und warten sie.Ich werde dann den behandelnden Oberarzt zu ihnen schicken.Mehr kann ich im Moment auch nicht für sie tun.“
Unfähig ihm eine Antwort zu geben setze ich mich wortlos auf die mir schon gut bekannte Bank.
Ich starre an die Wand.Plötzlich schießen mir Bilder durch den Kopf.Bilder von mir und Carmen.Ich genieße diese Bilder,doch dann wird mir klar,dass ich davon ausgehe,dass Carmen sterben wird.Sofort versuche ich auf andere Gedanken zu kommen.Ich lehne meinen Kopf an die kühle Wand.Wie lange sitze ich schon hier??Ich kann es nicht einschätzen,habe jegliches Zeitgefühl verloren.
„Ms McCutcheon?Ich bin Dr.Meyer.Ich behandle ihr Freundin.“Ich erschrecke,als mich der Arzt aus meinen Gedanken reißt,weil ich ihn nicht habe kommen hören.Höflich stehe ich auf gebe ihm die Hand.
„Wie geht es ihr?Was ist passiert?“
„Ms McCutcheon,ich habe leider keine guten Nachrichten für sie...“

Mein Herz bleibt stehen.Ich kann nicht mehr atmen.Meine Kehle is vor Angst,vor dem,was mir der Arzt gleich sagen wird,wie zugeschnürt.Entgeistert starre ich den Arzt an und warte auf eine Antwort.
„Es ist so,dass Ms Morales Zustand sich drastisch verschlechtert hat...“
Ich beginne zu zittern,kann mich kaum noch auf den Beinen halten.
„Ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen,wir konnten es zwar wieder zum schlagen bringen,aber ihr Gehirn war zu lange ohne Sauerstoff.Das heißt,es besteht das Risiko,dass ,sollte sie wieder aus dem Koma aufwachen,in das sie gefallen ist,Teile des Gehirns durch den Sauerstoffmangel nicht mehr funktionieren.Kurz um,Ms McCutcheon,es kann sein,dass ihre Freundin nie wieder aufwacht.Und wenn kann es durchaus sein,dass sie nicht mehr sprechen kann oder sie nicht mehr erkennt.Es tut mir wirklich leid.“
Immer noch starre ich ihn ungläubig an,weiß nicht,was ich darauf sagen soll.
„A...a...aber...ich-ich meine,gibt es denn keine Möglichkeit...ich meine.Können sie nichts tun?“
„Es tut mir leid,aber im Moment könne wir nichts ausrichten.“
„Kann-kann ich zu ihr?“
„Natürlich,eine Schwester wird sie zu ihr bringen.“
Ich nicke nur als Antwort.Eine Schwester fasst mich am Arm und bringt mich wieder auf die Intensivstation,nur diesmal in eine andere Abteilung.In einem kleinen Vorraum hängen blaue Kittel,von denen ich einen gereicht bekomme.Ich ziehe ihn an.Dann werde ich in einen weiteren Raum geführt.Dann sehe ich sie,doch ich kann den Anblick nicht ertragen.Sie ist so blass.Die ganzen Schläuche an denen sie hängt,lassen mir einen kalten Schauer über den Rücken jagen.ES ist fast wie beim ersten mal,wie ich bei ihr war,nur dass es jetzt anders ist,viel erdrückender.Zögernd gehe ich auf sie zu.
„Versteht sie,was ich sage?“Ich drehe mich zu der Krankenschwester um.
Freundlich lächelt sie mich an.“Das kann man nicht mit 100%tiger Sicherheit sagen,aber es ist bestimmt nicht falsch.Sie braucht jetzt ihr volle Unterstützung.Ich lass sie beide dann mal allein.“Damit dreht sie sich um und geht.Ich wende mich wieder Carmen zu.
Ich muss schlucken,um meine Tränen zurückzuhalten.
„Hey honey..ich bins.Was machst du denn für Sachen?Wenn ich einmal wegbin.Ab jetzt werde ich immer für dich da sein,werde dich immer beschützen.Ich nehme ihre Hand.Länger kann ich mich nicht zusammenreißen,alle Gefühle kommen in mir hoch.Gefühle der Angst,der Sorge,der Verzweiflung.Dan lasse ich ihnen freien Lauf.

Ich weiß nicht,wie lange ich dasitze und weine.Als ich mich wieder etwas beruhige schaue ich zu Carmen auf.Es tut mir so weh,sie da liegen zu sehen und nicht zu wissen,ob sie je wieder aufwachen wird,ob sie mich je wieder erkennen wird,ob ich sie je wieder in den Arm nehmen kann.Wieder läuft mir eine Träne über die Wange.
„Carmen...“Ich flüstere ihr zu,hoffe das sie mich hört.
„Bitte,verlass mich nicht...ich brauche dich..mehr als alles andere...“
Plötzlich reißt mich ein schriller Ton aus meinen verzweifelten Gedanken.Ich suche nach der Quelle und zu meinem Entsetzen finde ich sie auch schon.Es ist der Monitor,der den Herzschlag anzeigt!Statt gleichmäßigen Ausschlägen ist nur noch eine durchlaufende Linie zu sehen.Nein!Das kann nicht wahr sein!In meiner Panik drücke ich den Notfallknopf.
„Carmen!Halt durch.Du darfst nicht sterben!“
Dann öffnet sich die Tür und ein Ärzte Team kommt ins Zimmer gelaufen.Hektisch versuchen sie Carmens Herz wieder zum schlagen zu bringen.Einer der Schwestern bittet mich den Raum zu verlassen.Ohne Widerrede lasse ich mich aus dem Raum bringen.Durch das Fenster kann ich beobachten,wie sich die Ärzte an Carmen zu schaffen machen.Sie versuchen verzweifelt ihr Leben zu retten.Endlose Minuten verstreichen.Plötzlich wenden sich alle von ihr ab.Was ist los?Ist es ihnen gelungen,sie wieder zu beleben?Panisch versuche ich Blickkontakt mit einem der Ärzte herzustellen.Dann gelingt es mir.Ich sehe ihn fragen an.Er schüttelt den Kopf.Ohne nachzudenken laufe ich durch die Tür zu Carmen.Sie sieht noch blasser aus als vorher.
„Carmen!?Carmen,wach auf..bitte!“Wieder fange ich an zu weinen.“Carmen...“Jemand packt mich an den Schultern.
„Es tut mir leid.“
„Nein!“Immer wieder versuche ich mir einzureden,dass es nur ein böser Traum ist,will es einfach nicht wahrhaben.Hilflos muss ich mitansehen,wie eine Schwester ein Tuch über sie legt.
„Nein...tu mir das nicht an...“Ich fühle mich leer,kann nicht mehr klar denken.Dann wende ich den Blick von ihr ab.Ich gehe einfach aus dem Zimmer,ohne mich noch einmal umzudrehen.Als ich draußen angekommen bin lehne ich mich gegen die kühle Wand.Dann breche ich zusammen.
Schweißgebadet wache ich auf.Wo ist Carmen?Geht es ihr gut?Lebt sie noch?Diese Fragen schießen mir durch den Kopf.War es wirklich nur ein Traum?Es kommt mir so real vor.Ich muss wissen,wie es Carmen geht.Krank vor Sorge springe ich aus dem Bett und ziehe mir schnell ein paar Sachen über,die auf dem Boden liegen.Hektisch laufe ich aus dem Haus zu meinem Auto und fahre so schnell ich kann in Richtung Krankenhaus.Dort angekommen lasse ich meinen Wagen einfach am Wegrand stehen.Innen angekommen laufe ich einfach weiter,nehme statt dem Aufzug die Treppen.Ohne mich anzumelden renne ich in die Intensivstation,und reiße einfach die Tür zu Carmens Zimmer auf.

Was ich dort sehe,oder besser gesagt nicht sehe,lässt mich erkennen,dass mein Traum keineswegs nur ein Traum war.Carmens Bett ist leer.Panisch laufe ich aus dem Zimmer zur Anmeldung.
„Wo ist sie?“Alles ist so wie in meinem Traum,nur dass das hier die Wirklichkeit ist.
Ein junger Arzt sieht mich fragend an.“Wer?“
„Carmen dela Pica Morales!“
„Achso...die ist bei einer Untersuchung.“
Untersuchung?Einen Moment lang muss ich darüber nachdenken,was das bedeutet.Dann wird mir klar:sie lebt!Es war nur ein Traum!Ein riesiger Stein fällt mir vom Herzen und im selben Moment komme ich mir total bescheuert vor.Wie konnte es soweit kommen,dass ich Traum und Wirklichkeit verwechsle?Haben mir die ganzen letzten Tage so zu schaffen gemacht,dass ich langsam durchdrehe?
„Ist alles in Ordnung?“
„Was?Ja...es ist nur,ich hatte da so eine Traum....“Nein!Ich reiße mich zusammen nur nicht weiterzusprechen.
„Alles in Ordnung,danke!“
Beschämt setze ich mich auf die Bank und warte,bis Carmen zurückkommt.Ich komme mir so lächerlich vor,dass ich einfach in den Boden starre.Dann merke ich,wie ich in mich hineinlächle.Doch der Moment hält nicht lange an,denn durch ein Geräusch einer sich öffnenden Tür werde ich aufgeschreckt.Carmen!Sofort springe ich auf und laufe auf ihr Bett zu.
„Carmen!“
Ich bin nicht sonderlich erstaunt über ihren Gesichtsausdruck,über den ich kurz lächeln muss.
„Was ist los,honey?“
Schon sind wir in ihrem Zimmer angelangt.Als die Ärzte weg sind,erzähle ich ihr erst von meinem Traum.
Schockiert hört sie meinen Worten zu.
„Ich,ich habe mir solche Sorgen gemacht.Ich dachte,ich hätte dich für immer verloren.“
Sie streicht mir über die Wange,versucht mich zu beruhigen.Doch ich erinnere mich wieder an den Traum und daran,wie verzweifelt ich war.Schwerfällig versucht sie sich aufzurichten.
„Carmen,bleib liegen.Du weißt doch,was die Ärzte gesagt haben.Doch sie scheint mich gar nicht zu hören oder zumindest ignoriert sie mich.
„Setz dich zu mir.“
Ich zögere einen Moment lang,doch dann kann ich nicht mehr weiter gegen die Gefühle für sie und den unüberwindbaren Drang ihr nah zu sein ankämpfen und setze mich zu ihr.Doch aus irgendeinem Grund kann ich ihr nicht in die Augen sehen.
„Shane,was ist los mit dir?Irgendetwas stimmt doch nicht.“
Ich würde es ihr ja gerne sagen,wenn ich es selber wüsste.Wie als ob sie wüsste,dass es mich sofort zum Sprechen bringt,legt sie mir ihre Hand auf den Oberschenkel und lässt sie bis zu meiner Hüfte hinaufgleiten.Sofort durchströmt mich wieder das Gefühl der grenzenlosen Liebe und völlig ungewollt fange ich an zu erzählen.
„Früher,als ich noch bei meiner Mutter gelebt habe war ich fast den ganzen Tag auf mich selber gestellt.Obwohl sie arbeitslos war ,war sie den ganzen Tag weg.Ich fühlte mich so einsam und war fast am durchdrehen deswegen.Dann,irgendwann gab sie mich in Pflege,weil sie nicht mehr mit ihrem Leben klar kam .Ich dachte,jetzt würde alles besser werdenj,doch da hatte ich mich gewaltig getäuscht.Meine Pflegeeltern interessierten sich nicht im geringsten für mich ,ihnen war nur das Pflegegeld wichtig.Tja,irgendwann bin ich dann abgehauen und...“
Ich habe einen dicken Kloß im Hals und muss einen Moment warten bis ich die Geschichte,die ich eigentlich niemandem erzählen wollte,weitererzählen kann.
„...und weil ich ja kein Geld hatte,bin ich...anschaffen gegangen.Das Gefühl das ich in dieser Zeit hatte,habe ich bis heute nicht vergessen.Ich war so einsam damals.Und in der Zeit nach unserer Trennung hatte ich genau diese Gefühl wieder.Als du mir dann verziehen hattest,war ich der glücklichste Mensch auf dieser Erde,ich dachte ,ich würde alles vergessen können,all die Sachen,die ich schon erlebt hatte.Doch mit diesem Traum kam alles wieder in mir hoch...“Jetzt,nachdem ich meine Vergangenheit jemandem offenbart hatte,konnte ich Carmen wieder in die Augen sehen,doch was ich darin sehe,schockiert mich zutiefst.

Sekundenlang starren wir uns in die Augen,doch dann kann ich ihrem Blick nicht mehr standhalten.Ich stehe auf und gehe zum Fenster.Sofort bereue ich meine Offenheit und ich weiß,dass es ein Fehler war ihr von meiner Vergangenheit zu erzählen.Eine unangenehme Stille ist im Raum.Anscheinend weiß sie nicht was sie sagen soll.Ich kann sie nur zu gut verstehen.Was würde ich sagen,wenn mir meine Freundin gestehen würde,dass sie anschaffen war,dass sie für Geld für Drogen alles machte?Ich kam selber nicht mit meiner Vergangenheit klar,wie sollte es dann jemand anderes können?
„Shane ich,ich weiß nicht was ich jetzt sagen soll...“
Immer noch sehe ich aus dem Fenster.Überlege was ich jetzt tun soll.Schließlich kommt mir die Idee einfach wegzulaufen,soweit mich meine Füße tragen.Frei zu sein,keine Verantwortung tragen zu müssen.Doch sofort verwerfe ich diesen Gedanken wieder.Nein!Ich bin schon zu oft weggelaufen und ich erkenne,dass ich nicht vor irgendetwas weglaufen will,sondern vor mir selber,vor meiner Vergangenheit,von Carmen,aus Angst sie wieder zu verletzten.Dann drehe ich mich um,sehe ihr wieder direkt in die Augen,in denen sich immer noch Entsetzen widerspiegelt.
„Willst du mich heiraten?“
Was?Was habe ich da gerade gefragt?Habe ich sie wirklich gerade gefragt,ob sie mich heiraten will?
Doch an ihrer Reaktion merke ich,dass ich mir das nicht eingebildet habe.
Ich gehe auf sie zu und warte auf ihre Antwort.
„Ja“
„Du sagst ja,obwohl du weißt,was ich dir das letzte mal angetan habe?“
„Ja.Mir ist gerade klar geworden,wie sehr ich dich brauche und wie sehr ich dich liebe.Shane,ich möchte dir helfen mit deiner Vergangenheit klar zu kommen.“
Dann fängt sie an zu weinen.Warum weint sie?
Ich setze mich zu ihr und nehme ihre Hand.
„Carmen,du musst nicht ja sagen.Ich kann und werde es verstehn,wenn du nicht willst oder kannst.“
Entsetzt sieht sie mich an.
„Shane?!Was sagst du da?Ich liebe dich und ich bin erwachsen.Ich weiß was ich tue,glaub mir.“
„Ja,aber ich meine...“
„Nichts aber...ich glaube,du weißt selber nicht was du willst.Bist du dir sicher,das du mich überhaupt heiraten willst?“
Diese Frage trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht.Natürlich bin ich mir sicher,sonst hätte ich sie nicht zweimal gefragt.Ich liebe sie,das weiß ich.Doch liebe ich sie genug um mit ihr den Rest meines Lebens zu verbringen?Verantwortung für eine tolle Beziehung zu übernehmen,treu zu sein?Genau das hatte ich mir beim letzten mal nicht überlegt.Vielleicht war das auch ein Grund,warum ich zu unserer Hochzeit nicht erschienen war.
Aber jetzt war ich mir sicher.Sicher,dass ich es schaffen kann.Sicher,dass ich Verantwortung übernehmen kann.Sicher,dass ich sie liebe.
„Ja,Carmen,ich bin mir sicher.Und diese Mal werde ich dich nicht enttäuschen,das verspreche ich dir.“

„Was?Du hast sie noch mal gefragt?Shane,ich weiß nicht ob das eine gute Entscheidung war.Ehrlich.“
Ich sehe Bette fragen an.Auch die anderen scheinen wenig begeistert von dieser Neuigkeit.
„Warum?Was ist daran falsch oder nicht gut?“
Ich bemerke meinen aggressiven Ton,doch ich bemühe mich auch nicht ihn zu unterdrücken.
„Shane,Bette wollte dich bestimmt nicht angreifen,aber denkst du,dass es richtig war?ich meine nach letztem Mal...ich...“
„Ihr glaubt doch wohl nicht,dass ich sie noch einmal sitzen lasse?Es war der Fehler meines Lebens und ich lasse bestimmt nicht zu,dass sich das noch einmal wiederholt!Und eigentlich hatte ich eigentlich auf eure Unterstützung gehofft,aber das hat sich jetzt erledigt!“
Es ist mir egal wie viele Leute im Planet zuhören.Ich bin einfach maßlos enttäuscht.ich stehe so schnell auf,dass mein Stuhl krachend zu Boden fällt.Ich will schon gehen,als mich jemand am Arm packt.
„Was ist?Es ist alles gesagt!Also lasst mich in Ruhe!“Alice steht vor mir und hält mich, nicht so das es weh tut,aber doch sehr stark und entschlossen am Arm fest.
„Hey,komm mal runter!Das war doch nicht böse gemeint!“
Ich versuche mich aus ihrem Griff zu lösen,doch ich schaffe es nicht.
„Ich bin einfach enttäuscht von euch!Ich dachte ihr unterstützt mich,aber was tut ihr?!Ihr verunsichert mich und bringt mich soweit an meiner Entscheidung zu zweifeln.Ich habe Carmen schon einmal verloren,ein zweites Mal passiert mir das nicht.Ihr bringt mich dazu nur den kleinsten Gedanken daran zu verschwenden ,sie nocheinmal sitztenj zu lassen,noch einmal so feige zu sein!Danke!Ihr seit tolle Freunde!“
Gerade als Alice etwas sagen will sehe ich Carmen aus dem Augenwinkel zur Tür hereinkommen.Mit aller Gewalt reiße ich mich los und gehe mit schnellem Schritt auf sie zu.
„Hey,honey,was ist denn los?Ich...“
„Komm,wir gehen!“
„Aber,was ist denn?Kannst du mich vielleicht zuvor aufklären?“
Genervt erzähle ihr ich knapp von dem Vorfall.Dann will ich gehen.Doch diesmal ist es Carmen,die mich festhält.
„Hey,jetzt beruhige dich.Das war doch nicht böse gemeint.Komm,wir setzen uns ersteinmal.“
Dann streckt sie mir ihre Hand entgegen.Einen kurzen Moment lang überlege ich,ob ich gehen sollte.Doch als ich Carmen in die Augen sehe,greife ich reflexartig nach ihrer Hand.Zum Dank dafür gibt sie mir einen Kuss,bei dem mein Ärger sofort verfliegt.Etwas unmutig folge ich Carmen letztendlich doch zum Tisch der Clique und setze mich.Ich gebe mir nicht die geringste Mühe so zu tun als wäre die Sache für mich gegessen.
„Shane,es war doch nicht böse gemeint,ehrlich.“
„Alice,du wiederholst dich.“
Für diese Aussage ernte ich einen ziemlich bösen Blick von Carmen was dazu führt, dass ich beschließe ab jetzt einfach gar nichts mehr zu sagen.Mir gelingt es,mich aus dem Gespräch auszuklinken.Jedoch nur so lange,bis das Wort Braut fällt.Sofort bin ich im Gespräch.Die anderen scheinen dies zu bemerken,weil die zuvor ausgelassenen Stimmung mit einem Mal verfliegt.Wieder sieht mich Carmen fragend an.
„Shane was soll das?“
„Was soll was?Ich habe doch gar nichts gesagt.“
„Und genau das ist das Problem.Du sitzt seit einer geschlagenen halben Stunde da und starrst Löcher in die Luft.“
„Na und?!Was ich sage ist doch sowieso egal.Na los,redet weiter,ich werde auch nicht mehr nichts sagen.“
Ich erschrecke selber vor meinem sarkastischen Ton,doch der ist meiner Meinung nach mehr als angebracht.
Mit einem’ich versteh dich nicht’Kopfschütteln steht Carmen auf und geht in Richtung Toillette.

Ich springe von meinem Stuhl auf und versuche Carmen einzuholen,was gar nicht so leicht ist.Denn anscheinend ist sie ziemlich wütend auf mich.Obwohl sie genau weiß,dass ich direkt hinter ihr gehe,schlägt sie die Tür hinter sich zu und ich kann froh sein,dass ich eine schnelle Reaktion habe und die Tür ca.2cm vor meinem Gesicht abfange.Als ich mich wieder fange,trete ich wütend die Tür zur Toilette auf und suche den Raum nach ihr ab.
„Carmen!?Was soll das?“
Vergeblich warte ich auf eine Antwort,doch ich weiß,dass sie mich ganz genau verstanden hat.
„Verdammt noch mal!Rede mit mir!“
Ich werde immer wütender,obwohl ich nicht mit ihr streiten will.Immer noch bekomme ich keine Antwort.Ohne nachzudenken gehe ich auf die einzige verschlossene Toilettentür zu und schlage mit meiner Faust auf die Tür ein,dass das poröse Holz zu spittern beginnt.Immer wieder schlage ich auf die nun schon ziemlich ramponierte Tür ein,die nur noch aus einzelnen Holzsplittern um das Loch,das ich gerade verursacht hatte,herum.
Sofort bereue ich es,denn sofort durchzuckt meine Hand ein unglaublicher Schmerz,wie ich ihn noch nie zuvor gespürt hatte.Mir wird schwarz vor Augen und ich krümme mich meine Hand haltend am Boden.Ich höre ,wie sich eine Tür öffnet und jemand mit schnellem Schritt auf mich zukommt.Dann legt mir jemand die Hand auf meine Schulter und ich höre Carmens beruhigende Stimme.
„Schatz,was ist passiert?“
Ich würde ihr gerne Antworten,doch ich bringe kein Wort hervor.Stattdessen ist nur ein Wimmern zu hören,vor dem ich mich selber erschrecke.Ich kann vor Schmerzen kaum klar denken.
„Shane,steh auf!“Ich erkenne deutlich den besorgten Ton in ihrer Stimme.
„ich-kann-nicht!“
Anscheinend überlegt sie was sie tun soll,dann schließlich verlässt sie hektisch den Raum.Nur wenige Sekunden später öffnet sich die Tür wieder und nervöses,hektisches und besorgtes Gemurmel macht sich im Raum breit.
„Shane,was ist passiert?“Ich höre Alices`Stimme heraus.
„ich glaube es ist etwas mit ihrer Hand.“Carmen schaltet sich ein.
Langsam versuche ich mich aufzurichten,doch die Schmerzen werden immer unerträglicher.Trotzdem stehe ich soweit auf,dass ich mich an die Wand gelehnt aufrecht hinsetzen kann.Dann fällt mein Blick auf meine Hand.Ungläubig strarre ich darauf.Aber nicht nur ich.Auch die anderen starren darauf.Dann blicke ich auf und sehe den entsetzten Blick in den Augen von jedem Einzelnen.Dann dreht sich Carmen weg und schnappt nach Luft.Auch die anderen versuchen,den Blick abzuwenden.Wieder sehe ich auf meine Hand.Erst jetzt realisiere ich,warum die andern so erschüttert sind.In meiner Hand,oder besser gesagt quer in meiner Hand steckt ein riesiger Holzslitter!Dann wandert mein Blick auf den Boden und damit zwangsläufig auf die Blutlache vor mir.Wieder suche ich Blickkontakt mit den anderen.Doch als einzige finde ich Jennys Augen,in denen sich immer noch blankes Entsetzen wiederspiegelt.Die anderen kümmern sich um Carmen,die immer noch am Waschbecken gestützt ist.Anscheinend reden sie ihr gut zu,doch ich kann nicht verstehen was sie sagen.Denn auf einmal beginnt sich alles um mich herum zu drehen und alles verschwimmt vor meinen Augen.Ich höre nichts mehr und nehme nur noch Umrisse war.Dann wird es mir schwarz vor Augen.

Es dauert keine Minute,bis sich die Tür wieder öffnet.Sofort erkenne ich,dass Carmen alleine gekommen ist.Wieder durchströmt mich dieses Gefühl.Doch sofort erlischt es wieder.Denn statt dem freundlichen,warmen Lächeln betritt Carmen den Raum mit eisiger,versteinerter Miene.Ohne mich auch nur einmal anzusehen geht sie zum Fenster.Für eine Zeit lang weiß ich nicht was ich sagen soll.Eine erdrückende Stille entsteht.
„Carmen,ich...“
Ich erschrecke mich,als sie sich ruckartig umdreht und mir tief in die Augen sieht.In ihnen spiegelt sich die pure Enttäuschung wider.Ich sehen,dass sie versucht ihre Tränen zurückzuhalten,doch eine Träne rollt ihr über die Wange.Dann hebt sie die Hand um mich zum Schweigen zu bringen.Ich kann ihrem Blick nicht mehr standhalten und weiche ihm aus.
„Kannst du dir eigentlich auch nur im geringsten vorstellen,wie ich mich fühle?!Warum machst du das?Was willst du mir damit zeigen oder beweisen?Ich verstehe es einfach nicht,Shane.Hilf mir damit ich es verstehen kann!“
Auch ihre Stimme ist von blanker Enttäuschung erfüllt.
„Es-es tut mir leid...ich habe wohl etwas überreagiert.“
Ungläubig sieht sie mich an.
„Etwas überreagiert?So nennst du das also,wenn du beinahe die Toilette verwüstest und alles kurz und klein schlägst?!Sind solche Ausraster bei dir an der Tagesordnung?“
„Nein,natürlich nicht..Bitte,setz dich zu mir,ich hab keine Lust mich immer quer durch den Raum mit dir zu unterhalten.Bitte“
Ich kann sehen,wie Carmen mit sich hadert.Wieder sieht sie aus dem Fenster.Der Himmel ist bedeckt mit grauen,ja fast schon schwarzen Wolken.Lange wird es nicht mehr dauern bis es zu regnen anfängt, überlege ich.
Ich weiß nicht so recht,ob ich etwas sagen soll.Dann dreht sie sich um und kommt auf mich zu.Immer noch weint sie.Zögernd setzt sie sich zu mir aufs Bett.Mit meiner unverletzten rechten Hand greife ich vorsichtig nach ihrer.
„Carmen,es tut mir Leid,ehrlich.Ich weiß doch auch nicht,was in mich gefahren ist.Die letzte Zeit hat mich einfach sehr mitgenommen.Und ich...“
Ich kann den Satz nicht beenden,denn plötzlich durchzuckt meine Hand wieder dieser unglaubliche Schmerz.Ich kann durch ihn nicht mehr klar denken,will nur noch dass er vorbeigeht.Ich winde mich im Bett und kann währenddessen einen Blick von Carmen erhaschen.
„Shane,was ist?Soll ich die Ärztin holen?Shane?!“
Ich würde ihr zu gerne antworten,doch genau wie beim letzten Mal bringe ich nur ein jämmerliches Wimmern hervor.Es tut so unglaublich weh.Ich sehe alles nur noch verschwommen,kann nur noch erkennen,dass Carmen voller Panik aufspringt und das Zimmer verlässt.Wenige Sekunden später kommt die mir schon bekannte Ärztin mit zwei Assistenten zurück.Einer von diesen versucht mich festzuhalten,doch schafft es nicht.Der Schmerz macht mich willenlos.Jetzt halten mich beide Assistenten fest,doch immer noch wehre ich mich dagegen.Ich spüre wie sie versuchen meinen Arm auf das Bett zu drücken.Dann merke ich,dass ich weine.Ich weiß nicht ob es von den Schmerzen kommt oder von der Erkenntnis keine Kontrolle mehr über mich zu haben.Meine Gedanken werden von einem neuen Schmerz unterbrochen und zwar von einem Stich in meinen Arm.Für einen Moment vergisst mein Körper sich zu wehren.Doch bevor es ihm wieder einfällt zeigt die Spritze ihre Wirkung.

Sofort spüre ich,wie sich all meine Muskeln entspannen und ein unglaublicher Druck von mir abfällt.Jetzt liege ich ganz entspannt auf meinem Bett.Doch innerlich fühle ich mich immer noch aufgekratzt.Ich möchte mich bewegen,doch schaffe es nicht.Hilflos starre ich Carmen an,die voller Sorge meinen Blick erwidert.Mit dem Kopf in ihre Hand gestützt steht sie nur da und sieht mich an.Ich fühle mich wie ein Baby,schutzlos allem ausgeliefert.Mit dem Blick immer noch auf Carmen nehme ich eine Bewegung aus dem Augenwinkel war.Langsam bewege ich den Kopf Richtung Tür und sehe,dass die Ärztin und ihre Assistenten drauf und dran sind den Raum zu verlassen.Doch vorher sagt sie noch etwas zu Carmen,worauf diese nickt.Schwerfällig drehe ich den Kopf wieder Richtung Carmen.Immer noch sieht sie sehr besorgt aus.ich würde zu gerne etwas sagen,doch ich bin von dem Schmerzmittel wie betäubt.Plötzlich kommt sie auf mich zu und setzt sich neben mich.Dann bricht sie in Tränen aus.Mit aller Kraft versuche ich ihre Hand zu nehmen.Langsam spüre ich,wie die Wirkung nachlässt und drücke langsam und vorsichtig ihre Hand.Dann erhebt sie nach einiger Zeit den Kopf.Ihr Anblick erschreckt mich.Sie hat dunkle Ringe unter ihren vom Weinen geröteten Augen.
„Shane,ich weiß nicht ob ich das schaffe.“
„Honey,wir schaffen das!Das weiß ich genau.“
Der Regen peitscht gegen die Fensterscheibe.Ich hebe den Kopf um zu sehen,woher das Geräusch kommt.Der Himmel hat sich noch weiter verdunkelt.Ich zucke zusammen,als es laut donnert.Dann wird das Zimmer von einem grellen Blitz erhellt.Ich merke,wie sich Carmen näher an mich kuschelt.Ich halte sie ganz fest,möchte ihr übermitteln,dass ich auf sie aufpassen werde.So sitzen wir dicht aneinander,einige Minuten lang.Immer noch weint sie.Wieder erhebt sie den Kopf.
„Shane,ich liebe dich!“

Carmen lacht laut auf.Ich liebe ihr Lachen ist so warm und freundlich.
„Übrigens,Shane,ich musste die komplette Tür auswechseln lassen,so zerstört war sie!“
Wieder beginnen alle,die an meinem Tisch sitzen zu lachen.Darunter auch ich.3 Wochen war es nun her,dass ich so ausgerastet war.Inzwischen konnten sowohl Carmen,als auch ich darüber lachen.
„Sorry,Kit.Natürlich erstatte ich dir die Tür.“
„Ach Shane,eine gute Tür muss einem Ausraster stand halten.“
Wieder lacht Carmen.Ich werfe ihr einen verliebten Blick zu.Lautlos formt sie mit den Lippen ein“Ich liebe dich“Ich lächle sie an und nach langer Zeit spüre ich wieder dieses Gefühl.In diesem Moment würde ich am liebsten mit ihr alleine sein,ihr meine Zuneigung zeigen,doch ich beschließe damit bis zum Abend zu warten.
„Shane?“Eine Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
„Hm?Was?“
Wieder beginnen alle zu lachen.
„Ich sagte,du kannst deinen Blick ja gar nicht von Carmen loslösen“
Das war so typisch für Alice denke ich mir.Beschämt senke ich den Kopf.Doch dann sehe ich Carmen völlig ungewollt an und wir sehen uns viele Sekunden lang in die Augen.

Nicht zu sehen für die Anderen formt sie mit den Lippen ein „ich liebe dich“,welches sie mit einem kurzen Lächeln beendet.Doch bevor ich darauf antworten kann,dreht sie den Kopf weg und führt das Gespräch mit den Anderen weiter.Auch ich wende den Blick ab.
„Na,Alice,wie läufts mit...“
Ich kann den Satz nicht beenden,den zufällig fällt mein Blick auf das Fenster und somit zwangsläufig nach draußen.Ich starre hinaus.Was ich dort sehe,lässt mein Herz zu allem Entsetzen von mir schneller schlagen.Hatte ich mich getäuscht?Habe ich jetzt schon Wahnvorstellungen?Oder holt mich der Wunsch nach einer gewissen Person,tief in meinem Herzen, doch ein?
Nein!Ich habe keine Wahnvorstellungen,auch kein Wunschdenken.Sie bleibt vor dem Fenster stehen und sieht mich an.Mit einem Blick,den ich nur allzu gut kenne.Mit dem sie mich ködert,wie ein Angler den Fisch mit einem Wurm.Dem man nicht widerstehen kann.Zu welchem man schwimmt,obwohl man genau weiß,dass es falsch ist,dass es einen das Leben kosten kann.Dann geht sie weiter und ich habe ihre Aufforderung gehört,obwohl sie kein einziges Wort mit mir gesprochen hat.Die Aufforderung ihr zu folgen.Schnell wende auch ich den Blick ab und sehe in die Runde in der Hoffnung dass niemand,vor allem nicht Carmen,etwas von ihr bemerkt hat.Erleichtert atme ich auf.Anscheinend hat keiner etwas bemerkt.Dann sehe ich Alice an,die zu meiner Linken sitzt.Sofort verschwindet meine Erleichterung.Ihr durchbohrender Blick sagt alles,was man mit Worten nicht besser hätten sagen können .Schuldbewusst schüttle ich den Kopf um ihr zu zeigen dass sie sich keine Sorgen machen soll.Dass ich mich geändert hätte und Carmen nie wieder verletzen würde.Doch tief in meinem Herzen wusste ich,dass ich es wieder tun würde.

Ich liege auf dem Bett,wartend auf Carmen.Noch immer spukt mir ihr Gesicht im Kopf herum,kann nicht aufhören an sie zu denken.Ich starre die Decke an in der Hoffnung auf andere Gedanken zu kommen-vergeblich.Immer wieder habe ich ihren fordernden Blivk vor Augen,der sagt:“Komm zu mir,ich kann dir mehr bieten als sie.“und“weißt du noch damals,wie viel Spaß wir hatten?“
Bestimmt schüttle ich den Kopf“Nein!Diesmal nicht.Nicht noch einmal wirst du meine Beziehung zerstören.Verschwinde endlich aus meinem Leben!“
„Wer soll verschwinden,Honey?“
Erschrocken setze ich mich auf.Was hatte sie mitbekommen?Würde sie Verdacht schöpfen?Weiter kann ich nicht denken,denn ihr Anblick raubt mir den Atem.Sind es ihre Augen?Das Lächeln?Der perfekte Körper?Beim Anblick ihrer Augen muss ich sofort wieder an heute Nachmittag denken und an sie.Verdammt noch mal!Wie kann es ein,dass meine Traumfrau vor mir steht,mit der ich mein Leben verbrigen möchte,und ich an jemanden denke,der mich zutiefst verletzt und enttäuscht hat?! Dass ich an nichts anderes mehr denken als an sie?Die Sehnsucht nach Carmen,die am Nachmittag noch so stark war,ist verschwunden,restlos.
„Niemand.Niemand,vergiss es.Komm her!“
Sie kommt auf mich zu.Dann steigt sie auf das Bett und setzt sich auf meine Hüften.Eigentlich gibt es für mich,wenn sie das macht,kein Halten mehr.Aber heute...
Erwartungsvoll sieht sie mich an,doch ich bringe es nicht fertig mich zu bewegen.Sie hebt die Hand und legt sie auf meine Lippen.Dann lässt sie ihren Finger sanft über mein Kinn,meinen Hals und über meinen Bauch gleiten.So gern ich es auch will,ich spüre nichts dabei.Spüre nicht die Zuneigung,die Lust und nicht die Liebe.Alles was ich spüre ist die Sehnsucht nach Cherie.

Langsam schiebt sie ihre Hände unter mein Unterhemd und beginnt meine Brüste zu streicheln.Mit der Zeit werden ihre Berührungen intensiver und ich beginne langsam etwas zu fühlen.Anscheinend merkt sie,dass ich nicht bei der Sache bin und hört auf.Fordernd sieht sie mich an.Sofort ziehe ich sie wieder zu mir und lenke sie mit einem langen,zärtlichen Kuss ab.Langsam aber bestimmt drehe ich sie auf den Rücken,um wieder die Kontrolle zu haben. Nun sitze ich auf ihr und halte ihre Arme neben ihrem Kopf fest.Sekundenlang sehe ich sie an,dann stehe ich auf und gehe hinaus.Alles passiert wie wenn ich von einer unsichtbaren Hand geleitet wäre.Ich kann nichts dagegen tun.Ich ziehe mir meine Schuhe an,schnappe mir meine Autoschlüssel und gehe schnellen Schrittes in Richtung meines Autos.Dann steige ich ein.Plötzlich fällt mir Carmen ein,wie traurig sie jetzt sein muss und wie enttäuscht von mir.Ich kann diesen Gedanken nicht ertragen,versuche ihn zu verdrängen.Doch immer wieder sehe ich ihr Gesicht vor mir.Und wie in Gedankenübertragung höre ich ihre Stimme.Dann erscheint ihr Gesicht vor meinem Autofenster.
„Shane?Was ist los?Wo willst du hin?“
Kurz sehe ich sie an.
„Ich weiß es nicht“
Doch ich weiß es genau,will es nur nicht wahrhaben.Meine Hände umklammern das Lenkrad so fest,sodass meine Fingerknöchel weiß hervortreten.
„Shane,lass uns reden!Sag mir was ich falsch gemacht habe!Bitte,verlass mich nicht!“
Ich schließe die Augen um meine Tränen zurückzuhalten und um Carmens Tränen nicht sehen zu müssen.Denn ich weiß genau,dass sie weint.
„Du hast nichts falsch gemacht.Ganz im Gegenteil.Ich bin es,die immer wieder alles falsch macht und die immer meint,sie wäre so cool und bekommt alles auf die Reihe und wird mit allem alleine fertig!Doch in Wahrheit bin ich der größte Idiot auf dieser Erde,der immer alles verbockt!Glaub mir,es ist besser für dich,wenn ich aus deinem Leben verschwinde.Ich hoffe du findest jemanden,der dir so viel Leid erspart,wie ich es dir schon angetan habe.Denn du hast etwas besseres verdient als mich!“Ich schreie meine ganze Wut hinaus,versuche stark und gefasst zu klingen,doch meine letzten Wort sind von Tränen erstickt.Immer wieder höre ich Schluchzer von Carmen.
Ich weiß genau,dass ich ihr das Herz breche.Wieder.Obwohl ich es ihr und ihrer Familie versprochen habe.Hilflos und verzweifelt klopft Carmen gegen die Autoscheibe.Ich öffne die Augen und eine Träne rollt mir über die Wange.Sofort wische ich sie ab.Ich bringe es nicht fertig ihr in die Augen zu sehen.Carmen winselt wie ein Hund,immer wieder ruft sie meinen Namen,halb von Tränen erstickt,kaum zu verstehen.Wieder rollt auch mir eine Träne über die Wange.Ich will diesem Szenario ein Ende bereiten,trete das Gaspedal voll durch lasse sie stehen,mit gebrochenem Herzen.Wieder.Ich zwinge mich, nicht in den Rückspiegel zu sehen,bete,dass die nächste Kurve bald kommt.Dann biege ich auf den Highway ab.Ich sehe alles verschwommen,denn immer wieder füllen sich meine Augen mit Tränen.Tränen der Wut,der Enttäuschung.Ich nehme die Ausfahrt Richtung Santa Monica.Nach einiger Zeit stehe ich vor einem mir nur allzu bekannten Haus,hell erleuchtet.Ich bleibe auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen und stelle den Motor ab.

Wieder umklammere ich das Lenkrad so fest,dass es weh tut.Meine Fingernägel graben sich in meine Handinnenflächen.Ich fixiere die Uhr meines Wagens mit den Augen und starre auf die Ziffern.Etliche Minuten verstreichen.Eine Schweißperle tropft von meiner Stirn.Vorsichtig drehe ich meinen Kopf in Richtung der hell erleuchteten Villa.Inzwischen dämmert es.Mit jeder Minute die verstreicht werde ich nervöser.Mein klatschnasses T-Shirt klebt an meinem Rücken.Wie in Trance steige ich aus und gehe langsam auf das Haus zu.Der kühle Wind lässt mich frösteln.Ich stecke meine Hände in die Hosentaschen.Plötzlich fühle ich einen Gegenstand der sich kalt anfühlt.Ich bleibe stehen und überlege worum es sich handeln könnte,dann hole ich ihn vorsichtig aus meiner Hosentasche.Als ich im düsteren Licht erkenne was es ist,gibt es mir einen Stich ins Herz.Es ist ein Ring.Aber nicht irgendein Ring.Ich drehe ihn so,dass ich seine Innschrift lesen kann.
„Min gran amor“
Sofort schießen mir Tränen in die Augen.
„Die Liebe meines Lebens“Immer wieder flüstere ich diesen Satz.
Plötzlich reißt mich ein Geräusch aus meinen Gedanken.Ich hebe den Kopf und sehe Cherie an,denn ich stehe direkt vor ihrer Haustür.
„Shane?!Was machst du denn hier?“
Die Überraschung ist ihr deutlich anzumerken.Schnell lasse ich den Ring wieder verschwinden und schlucke meine Tränen hinunter.
„Ähm,ich ähm,wollte nur...“
„Komm erstmal rein“
Sie nimmt meine Hand und zieht mich in die mir nur allzu gut bekannte Villa.Ich setze mich auf die Couch und sehe mich um,während Cherie in der Küche verschwindet.Es hat sich fast nichts verändert.Auf dem Kamin stehen unzählige Bilder von Clea,aber kein einziges von Steve.Es ist alles sehr geschmackvoll eingerichtet.Ich lehne mich zurück und muss wieder an den Ring in meiner Tasche denken,sofort lege ich meine Hand beschützend auf meine Hosentasche.Cherie betritt das Zimmer mit einem Tablett auf dem zwei Gläser stehen.Sie stellt es auf dem kleinen Couchtisch ab und reicht mir eines der beiden Gläser.
„So,jetzt erzähl mal,was führt dich zu mir?Ich hab ja so einiges von dir gehört.“
„Wirklich?Was denn?“
„Naja...die Aktion mit der Türe im Planet und der Selbstmordversuch deiner Freundin-sie ist doch noch deine Freundin,oder Honey?“
Erschrocken sehe ich sie an.
„Ich...ja ist sie“Sofort kann ich ihr nicht mehr in die Augen sehen.
„Honey,du scheinst aber nicht sehr glücklich und ich...momentmal,jetzt weiß ich auch warum du zu mir gekommen bist.Du suchst mal wieder nach Abwechslung,nach einem kleinen Abenteuer,richtig?!“
Noch bevor ich antworten kann nimmt sie mir mein Glas aus der Hand und legt einen Finger auf meine Lippen.Mit der anderen Hand fängt sie an mein T-Shirt nach oben zu schieben.
„Nein!“
Entschlossen setze ich mich auf und drücke sie von mir weg.
„Nein Cherie!Ja,ich bin deswegen gekommen,aber ich mache nie den selben Fehler zweimal.das mit uns ist endgültig vorbei,sieh das endlich ein.Es war ein dummer Fehler mich auf dich einzulassen.Und ich werde mir nicht noch einmal meine Beziehung von dir zerstören lassen!Dazu bist du mir zu unwichtig!Ich will dich nie wieder sehen!“
Ich stehe auf und renne aus der Villa.Ohne nach dem Verkehr zu sehen renne ich über die Straße und steige in mein Auto.Genauso schnell,wie ich gekommen bin fahre ich wieder zurück,die Gedanken bei Carmen. Immer wieder denke ich an sie,wie traurig sie war,wie verzweifelt.Mit quietschenden Reifen biege ich in die Straße ein und stelle mich auf den Stellplatz vor meiner Garage.Dann sehe ich auch schon Carmen.Zusammengekauert sitzt sie an der Hausmauer,den Kopf in den Händen vergraben.Ich springe aus dem Auto und laufe auf sie zu.Dann knie ich mich neben sie und lege ihr meine Hand auf den Kopf.
„Honey,es tut mir leid,bitte glaub mir!“
Immer wieder flüstere ich ihr diesen Satz zu.Noch immer hat sie den Kopf in den Händen vergraben,doch plötzlich hebt sie diesen und sieht mich an.Ihre Augen sind vom Weinen gerötet,genau wie ihr ganzes Gesicht.
„Warum?Warum machst du das?“

„Ich hab doch gesagt es tut mir leid,bitte glaub mir!“
Ich umarme sie und vergrabe mein Gesicht in ihren Haaren.Plötzlich schubst sie mich weg und versucht aufzustehen.In diesem Moment bin ich einfach nur baff.Von ihrer Kraft und ihrem Zorn beeindruckt. Ich versuche mich irgendwo abzustützen,doch hinter mir ist nur der Boden und ich falle mit voller Wucht auf die Erde.Entsetzt sehe ich Carmen an,die jetzt auf mich zukommt.
„Warum Shane?Was verdammt noch mal habe ich verbrochen eine Freundin zu haben,die weder mit sich,noch mit anderen klarkommt?!Die immer verspricht sich zu bessern und dann doch von einer Frau zur nächsten rennt um sich dort irgendwas zu holen,was sie von mir nicht bekommen kann?!Und ich möchte wissen,Shane,was ist es,das ich dir nicht geben kann?!Sag es mir verdammt noch mal!“
„Carmen,du weißt genau das das nicht wahr ist!Du kannst mir alles geben was ich brauche!Ich bin nun mal so und...“
„Hör auf damit Shane!“
Ihre Stimme ist so hasserfüllt,wie ich sie noch nie erlebt habe.
„Du belügst dich selber!Du bist nicht wie dein Vater,sieh das endlich ein!Nur weil du früher,ach was rede ich,ist ja eigentlich immer so,mit jeder Frau ins Bett steigst muss das nicht heißen,dass du so bist,aber du willst so sein.Die coole Shane,die jede Frau rumkriegt,die Unerreichbare,die sich nun doch verliebt hat!Und da liegt das Problem:Du willst deinen Ruf nicht verlieren,willst nicht riskieren,dass du nicht mehr von jedem begehrt wirst!Und deshalb betrügst du mich bei jeder sich bietenden Möglichkeit!Was würdest du eigentlich sagen,wenn ich so wäre?“
„Verdammt noch mal du hast mich auch betrogen!“
Sie gibt ein hämisches Lachen von sich.
„Ist das dein Ernst?Wach endlich auf,Shane!Merkst du eigentlich wie du unsere Beziehung zerstörst?Oder fällt dir das schon gar nicht mehr auf?Und sag mir eines Shane,und ich möchte dass du ehrlich bist!“
Erwartungsvoll sehe ich sie an,nicht wissend worauf sie hinaus will.
„Liebst du mich?“
Ich kann ihr nicht antworten,zu verunsichert bin ich von ihrer Frage.
Sekundenlang starren wir uns in die Augen,niemand sagt etwas.Dann fange ich an zu weinen.Ich weine wie ein Baby,und diesmal ist es mir egal.Es ist mir zum ersten Mal egal,ob ich cool bin oder nicht.Es ist mir egal,ob ich Schwäche oder Gefühle zeige.Carmen starrt mich an.Erschrocken über meinen plötzlichen Gefühlsausbruch.Ich liege am Boden und weine,lasse alles heraus.Meine Wut,Enttäuschung,meine Angst.Angst ,sie wieder zu verlieren,diesmal für immer vielleicht.Dann höre ich Schritte.Ich hebe den Kopf und sehe Carmen weggehen.Ich strecke meine Hand nach ihr aus wie wenn ich sie zurückhalten wollte,sie daran hindern wollte,mich nicht zu verlassen.
„Ich weiß es nicht.“
Es war das ehrlichste was ich je in meinem Leben gesagt hatte,dass spüre ich in diesem Moment genau,auch wenn es weh tut.Aber ich bin ehrlich.
„Bitte geh nicht!“
Meine Stimme ist zittrig,von Tränen erstickt.
Dann dreht sie sich um und sieht mich an.
„Wenigstens warst du ehrlich.“
„Carmen ich...bitte geh nicht,wir bekommen das hin,da bin ich mir...“
„Nein Shane,es hat keinen Sinn mehr.Es ist vorbei...Es war eine schöne Zeit mit dir,aber es war nicht für ewig bestimmt,auch wenn ich am Anfang das Gefühl hatte.Aber es war eine wunderschöne Erfahrung jemanden so zu lieben,wie ich dich geliebt habe.Ich werde die Zeit mit dir niemals vergessen und werde gerne daran zurückdenken,auch wenn es unglaublich weh tun wird..Machs gut Shane und pass auf dich auf...“
Sie dreht sich um und rennt weg.Rennt weg aus meinem Leben,aber niemals aus meinem Herzen.

Ich weiß nicht,wie lange ich schon hier liege.Ich weiß nur,dass ich nun alles endgültig verloren habe.Es scheint,als würde die Welt um mich herum still stehen,ich fühle nichts mehr,sehe nichts mehr,höre nichts mehr.In diesem Moment ist mir alles egal.Am liebsten würde ich jetzt sterben,einfach einschlafen,nichts mehr mit dieser Welt zu tun haben müssen.
Das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos reißt mich aus meinen Gedanken.Schwerfällig hebe ich den Kopf.Ich erkenne nur die Rücklichter des Wagens in der zunehmenden Dämmerung.Ich lege den Kopf zurück auf die Erde,da höre ich das Geräusch wieder.Es scheint,als würde der Wagen zurückkommen.Ein letztes mal raffe ich mich dazu auf,nachzusehen um wen es sich handelt.Helles Licht blendet mich und ich schließe meine Augen,Das Auto kommt direkt auf mich zu!Ich kauere mich noch weiter zusammen,so als könnte ich mich so vor dem sich nähernden Auto zu schützen.Verwundert erkenne ich,dass der Wagen neben mir abgestellt wird und sich eine Tür öffnet.Dann höre ich Schritte,die auf mich zukommen.
„Shane?Shane,bist du es?“
Immer noch bin ich von den grellen Scheinwerfern geblendet,deswegen erkenne ich im ersten Moment nicht um wen es sich handelt.
„Shane?Was ist passiert?Komm,steh auf!“
Alice.Es ist Alice.Sie kniet sich neben mir auf den Boden und legt mir eine Hand auf die Schulter.Nun ändert sich ihre Stimme,sie wird sanfter und beruhigend.
„Shane,Honey?!Was ist los?”
„Lass mich alleine!Verschwinde!“
„Shane,was soll das?Jetzt steh erst mal auf und wir reden über die ganze Sache-in Ruhe.“
„Ich habe gesagt du sollst verschwinden!Ich habe keine Lust zu reden,es gibt nichts mehr zu reden!Und jetzt lass mich verdammt noch mal alleine!“
Normaler weise gibt Alice nicht so leicht klein bei,aber diesmal gibt sie wohl auf.Sie steht auf und fährt weg.Ich bin so froh wieder alleine zu sein und schließlich raffe ich mich doch auf und stehe auf.In der Dunkelheit stolpere ich auf die Haustüre zu.Als ich endlich drin bin,wanke ich auf den Kühlschrank zu und suche verzweifelt nach Alkohol.Ich merke wie ich immer nervöser werde.In meinem Zorn räume ich die Fächer des Kühlschranks mit einer gezielten Armbewegung komplett leer,sodass alles mit einem klirrenden Geräusch auf dem Boden landet.Hierdrin finde ich nichts was auch nur annähernd nach Alkohol aussieht.Wütend schlage ich die Tür des Kühlschranks zu und überlege wo ich nach Alkohol suchen könnte,doch ich kann keinen klaren Gedanken fassen.Immerwieder habe ich das Geschehende vor Augen.Ich schließe die Augen in der Hoffnung nicht immer nur Carmen vor mir zu sehen aber vergeblich.Ich reiße alle Schränke auf,der Schweiß tropft mir von der Stirn.Endlich ist meine Suche erfolgreich,denn ich finde eine Flasche mit durchsichtigem Inhalt.Ohne zu lesen um was es sich handelt lege ich den Kopf zurück und leere den kompletten Inhalt.

Ich setze die Flasche ab und stelle sie ab.Dann beginnt sich plötzlich alles zu drehen,so dass ich mich setzen muss.Die Couch im Visier wanke ich durch den Raum.Ich sehe alles nur verschwommen,alles dreht sich.Ich weiß kaum noch wo ich mich befinde,die Couch habe ich schon aus meinem Blick verloren.Also setze ich mich einfach auf den Boden.Da es nichts zum anlehnen gibt,lege ich mich hin.Immer noch sehe ich nicht klar.Ich schließe die Augen.

Ich weiß nicht,wann ich zuletzt an der frischen Luft war oder auch nur einen meiner Freunde gesehen habe.4 Wochen habe ich jeden Telefonanruf,jeden Versuch von irgendjemandem mit mir Kontakt aufzunehmen, abgewiesen.Ich sehe mich um und sehe nur leere Flaschen.Schon lange habe ich aufgehört zu zählen oder darauf zu achten,was ich in mich hineinkippe oder wie viel.Ich weiß nur,dass es mich viel vergessen lässt oder dazu führt nicht mehr über die Vergangenheit nachzudenken.Ich liege auf der Couch und starre die Decke an,eine Flasche hochprozentiges in der Hand.Ich bemühe mich schon nicht mehr klare Gedanken zu fassen,lasse einfach alles dahinplätschern und lasse alles an mir vorbeiziehen.Wieder führe ich die Flasche zu meinem Mund und leere sie in einem Zug.Dann realisiere ich,dass meine Vorräte aufgebraucht sind.Eine unbändige Wut steigt in mir auf,jegliche Selbstkontrolle habe ich schon verloren.Ich packe die Flasche und werfe sie gegen die Wand,wo sie klirrend zerbricht.Da ich schon seit 4 Wochen nicht mehr arbeiten war habe ich nichts mehr,womit ich meinen Alkoholverscheiß finanzieren könnte.Schwerfällig stehe ich auf.Wieder dreht sich alles und ich muss mich abstützen,damit ich auf den Beinen bleibe.Ich sehe mich um.Zigarettenkippen.Zerbrochene Flaschen.Essensreste.Ich versuche über das Chaos hinwegzusteigen,doch in meinem Zustand ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit.Die Sucht nach Alkohol treibt mich jedoch voran und so stehe ich nach anstrengenden Minuten endlich vor meiner Haustüre.Ein Wunder,dass ich meine Schlüssel auf Anhieb finde.Ich schlage die Tür hinter mir zu und wanke auf mein Auto zu.Dort angekommen muss ich mich abstützen,zu viel Kraft hat mich alles gekostet.Dann fällt mir ein,dass ich kein Geld mehr habe um Alkohol zu kaufen.Ich gehe sämtliche Möglichkeiten durch in dem Bewusstsein immer eine Möglichkeit nicht zu bedenken.Meine Freunde würden mir kein Geld für Alkohol geben,dass ist mir bewusst.Der Gedanke an den sichersten Weg Geld zu verdienen zerreißt mich fast,aber in meiner Situation scheint es mir als bester Weg.Also steige ich ins Auto und steuere auf mein Ziel zu.Mit jedem Meter,dem ich meinem Ziel näher komme macht sich immer mehr das Gefühl in mir breit,dass ich hier nichts mehr zu suchen habe.Doch die Sucht nach Alkohol treibt mich immer weiter.Ich biege in einen nahe gelegenen Parkplatz ein und stelle den Motor ab.Ich starre in die Dunkelheit,wieder verstreichen die Minuten.Dann öffne ich die Tür und steige schwerfällig aus.Sofort erfasst mich eine Windböe.Mich fröstelt.Ich schlinge meine Arme um meinen Körper und mache mich auf den Weg.Schon von Weitem kann ich die Lichter erkennen,die es mir aber trotzdem leichter machen mein Ziel zu finden.Also gehe ich die Straße entlang in der Hoffnung von niemandem erkannt zu werden.Den Kopf gesenkt und so schnell ich kann mache ich meinen Weg.
Dann wird meine Befürchtung zur Realität.
„Shane?Bist du es?Was machst du hier?“
Ich bleibe stehen.Dann hebe ich den Kopf um zu sehen wer mich erkannt hat.
Es ist Clive,ein früherer Stricherkollege.


Verdammt!Clive hat mich erkannt!Ich überlege was ich nun tun soll.Ich gehe einfach weiter,doch er hält mich am Arm fest.
„Clive,lass mich los!Was willst du?“
„Shane,was machst du hier?Wir haben uns geschworen,dass wir so was nicht mehr machen,hast du das vergessen?Und außer-Shane,hast du getrunken?Shane!Antworte mir!“
„Verdammt,was geht dich das an?Lass mich sofort los!Du hast kein Recht dich in mein Leben einzumischen!“
So als wäre ich nicht ich selbst hole ich aus und ramme ihm meine Faust in den Magen.Clive krümmt sich vor Schmerz und sinkt auf die Knie.Als er am Boden liegt und sich immer noch vor Schmerz den Magen hält,trete ich auf ihn ein.Ich habe jegliche Selbstkontrolle verloren,immer wieder trete ich zu.Clive blutet,doch ich sehe keinen Grund aufzuhören.Plötzlich packt mich jemand von hinten und dreht mir die Arme auf den Rücken.Dennoch versuche ich mit den Füßen weiter auf ihn einzutreten.Ich werde weggezogen.Mit aller Gewalt löse ich mich aus dem Griff des Unbekannten und schlage um mich.Mit ein paar Schlägen treffe ich ihn im Gesicht,aber nicht stark genug,um ihn endgültig abzuschütteln.
„Polizei!Ruft die Polizei!Schnell!“
Verdammt!Mir bleibt das Herz stehen.Noch verzweifelter versuche ich mich aus seinem eisernen Griff zu lösen,doch nun muss ich mitansehen,wie ihm jemand zur Hilfe eilt.Einer tritt mir von Hinten in die Kniekehlen,sodass ich zusammensacke.Auf dem Bauch liegend kann ich mich nicht mehr bewegen,da sie mir die Arme auf den Rücken drehen.Verzweifelt sehe ich mich um,sehe Clive.Dieser sitzt jetzt,wird von anderen gestützt.Hilflos sehe ich ihn an.Auch er sieht mich an.
„Clive,hilf mir,es tut mir Leid!“
Ich höre Polizeisirenen.
„Clive!Bitte!“
Doch er sieht mich nur an.Inzwischen haben sich Schaulustige um uns versammelt.
„Clive!!!“
Ich schreie ihn an,doch gebe es dann auf.Ich lege den Kopf auf den Boden,versuche jedoch immer noch mich zu befreien.
„Aus dem Weg!Bitte machen sie Platz!“
Ich versuche mich umzusehen,woher diese Stimmen kommen.Dann sehe ich aus dem Augenwinkel 2 Polizisten auf mich zulaufen.
Anscheinend überlassen die anderen beiden mich den Polizisten,denn der Griff verstärkt sich.Ich höre,wie der eine Polizist seine Handschellen aus seinem Gürtel zieht und keine 5 Sekunden später habe ich sie um meine Handgelenke.Unsanft werde ich zum Aufstehen gebracht und noch immer hält mich einer der Polizisten wie in einem Schraubstock fest.Mit schmerzverzehrtem Gesicht sehe ich Clive an,immer noch in der Hoffnung dass er mich entlasten könnte.Einer der Polizisten spricht Clive an und fragt ihn was passiert ist.Etliche Sekunden starren wir uns in die Augen,dann öffnet er seinen Mund um etwas zu sagen.

„Ja was ist jetzt?Haben sie was zu sagen oder nicht,sonst nehmen wir sie mit.“
Verdammt Clive,sag was! Ich merke,wie mir Schweißperlen den Rücken hinunterlaufen.
„Ja habe ich..“
Ja endlich denke ich mir,doch immer noch nicht hat er den entscheidenden Satz gesagt.
„Ich,ähm,kenne diese Person nicht,ich habe keine Ahnung,warum sie auf mich losgegangen istBitte,nehmen sie sie mit!“
„Was?Clive,was erzählst du da.Du weißt,dass das nicht stimmt!Glauben sie ihm nicht,er lügt!Bitte!“
Doch anscheinend interessieren sich die Polizisten nicht im geringsten dafür,was ich zu sagen habe.Stattdessen ziehen sie mich in Richtung Polizeiwagen,wo sie mich unsanft zum hineinsetzen zwingen.
Entsetzt starre ich aus dem Fenster,sehe wie ein Krankenwagen eintrifft und zwei Sanitäter aussteigen,die sich sofort um Clive kümmern.
Dann steigen auch die Polizisten ein.Einer der beiden dreht sich zu mir um.
„Machen sie keinen Ärger.Und verhalten sie sich ruhig dahinten!“
Ich nicke nur.Mir fehlen die Worte.Warum hat Clive das gemacht?Wie konnte es soweit kommen,dass ich so ausraste?Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf.
Dann sehe ich auch schon von Weitem das Gefängnis.Verzweifelt sehe ich mich nach einem Fluchtweg aus dem Auto um,erkenne jedoch ziemlich schnell,dass es unmöglich ist aus dem Auto zu entkommen.Die Handschellen drücken sich in meine Handgelenke,vor Schmerz verziehe ich das Gesicht.Dann hält der Wagen in der Zufahrt zum Gefängnis und einer der Polizisten lässt das Fenster herunter um mit dem Pförtner etwas zu kären.Ich verstehe nicht genau was sie sagen,nur immer wieder Bruchteile von ihrem Gespräch.Schon setzt sich der Wagen wieder in Bewegung und wir fahren in den Hof und halten an.Ich sehe mich um,aber das einzige was ich sehe sind Gitterstäbe.An den Fenstern des Gebäudes,um den Hof herum.Dann werde ich aus meinen Gedanken gerissen.
„Los,aussteigen!“
Mühsam steige ich aus,denn mit meinen gefesselten Händen stellt sich die Sache des Aussteigens als Schwierig heraus.Irgendwie schaffe ich es aber dann doch sicher aus dem Auto herauszukommen.Kaum stehe ich sicher auf dem Boden,zieht mich einer der Polizisten auch schon unsanft weiter in Richtung Eingang.Er bringt mich in dir Aufnahme,wo auch schon eine Vollzugsbeamtin auf mich wartet.Wieder wechseln die Polizisten mit ihr ein paar Worte und dann überlassen sie ihr mich.Während ich warten muss,mustere ich die Frau.Ihre langen,blonden Haare hat sie zu einem Zopf geflochten.Ihre Augen sind tiefblau.Sie ist schlank und ihre Uniform hängt etwas unbeholfen an ihrem eigentlich schönen Körper.Dann treffen sich unsere Blicke.nach einigen Sekunden wendet sie den Blick ab und witmet sich wieder den Aufnahmepapieren.Dann kommt sie auf mich zu und stellt sich vor michJetzt erkenne ich erst wirklich,wie klein sie eigentlich ist.
„Name?“
Ihre Stimmt ist sanft,sehr ungewöhnlich für so einen Beruf wie ich finde.
„Shane McCutcheon“
Überrascht sieht sie mich an.Anscheinend ist sie etwas überrascht von meiner doch ziemlich tiefen Stimme.
„Geburtsdatum?“
Bereitwillig gebe ich meine Daten an,lasse sie dabei jedoch nicht aus den Augen.
„Okay,bitte warten sie kurz hier“
Sie verschwindet in einem Raum,kommt jedoch ziemlich schnell wieder zurück.In der Hand hält sie einen Alkoholtest.Sie kommt auf mich zu,macht mir aber vorher die Handschellen ab.
„Bitte einmal reinblasen“
Ich folge ihrer Anweisung.Sie schaut auf die Anzeige des Tests und schreibt eine Zahl in ihr Protokoll.Dann holt sie aus einem Schrank ein paar Gummihandschuhe.
„Bitte alles ausziehen und bücken!Die beine auseinander!“
Entsetzt sehe ich sie an,aber sie weicht wieder meinem Blick aus.Langsam fange ich an mich auszuziehen.Ich spüre ihre Blick genau.Dann stehe ich nackt vor ihr.Sie macht eine Kofbewegung in Richtung Tresen,macht mir klar,ich solle mich dort abstützen.Langsam gehe ich auf den Tresen zu.
„Oh man.Also ich gehe mit meinen Frauen anders um“
Lächelnd sehe ich sie an,aber ich sehe nur Erschrockenheit und Entsetzen in ihrem Gesicht.
„Kleiner Scherz“
Doch die Beamtin springt leider nicht darauf an.Als sie sich wieder gefangen hat macht sie wieder die gleiche Kopfbewegung,nur diesmal fordernder.
„Würden sie jetzt bitte?“
Also stütze ich mich mit den Händen am Tresen ab und stelle mich breitbeinig mit dem Rücken zu ihr vor sie.

Als sie fertig ist sagt sie mir,ich könnte mir einen orange-farbenen Gefängnisoverall anziehen.Während ich mich anziehe sehe ich sie die ganze Zeit an.
„Ich muss ihnen wieder Handschellen anlegen,tut mir Leid!“
Ich drehe mich um.
„Also eigentlich hab ichs ja nicht so gern,wenn jemand die Kontrolle über mich hat,aber bei ihnen mach ich da selbstverständlich gerne eine Ausnahme“
Wieder wirft sie mir einen komischen Blick zu.Ich würde gerne wissen,was sie dengt.Sie legt mir Handschellen an und führt mich durch eine gut gesicherte Tür in einen langen Gang.
„Die erste Nacht bleiben sie in Einzelhaft in der Aufnahmezelle,morgen kommen sie dann zu den anderen.“
Dann sind wir auch schon bei den Aufnahmezellen angekommen und sie schließt auf.Sie drückt mir einen Stapel mit Bettzeug in die Hand und wünscht mir eine gute Nacht.
Ich gehe in die Zelle.Darin befindet sich nur eine Pritsche aus einfachsten Mitteln zusammengebaut,eine Toilette und ein Waschebecken..Ich drehe mich um.Noch immer steht die Beamtin in der Tür und sieht mich an.Ich lächle sie an und werfe mein Bettzeug auf die Pritsche.Dann stelle ich mich mit verschränkten Armen vor sie.Immer noch lächle ich sie an.Mit einer schnellen Bewegung schließt sie die Tür und sperrt ab.Dann sehe ich,wie sie schnellen Schrittes davongeht.Nun bin ich allein,in dieser trostlosen Zelle,setze mich erstmal auf das Bett und stütze den Kopf in die Hände.Verdammt!Was habe ich da nur gemacht?Wie konnte ich nur derart die Kontrolle über mich verlieren!Wie konnte ich meinen alten Freund Clive,der mir immer geholfen hat,egal in welcher Situation ich war,nur so ernsthaft verletzten?Ich mache mir schreckliche Vorwürfe.Wenn ich ihn nur irgnedwie erreichen könnte!Aber im Moment ist das unmöglich,dass sehe ich leider ein.Ich stehe auf und lehne meinen Kopf gegen die kühle Wand.Ich habe furchtbare Kopfschmerzen.Es kommt warscheinlich von dem Alkoholentzug.Ich wünschte Carmen wäre hier.Doch sofort verdränge ich den Gedanken.Zu viel habe ich falsch gemacht,warscheinlich ist es das einzig Richtige hier zu sein.Niemanden mehr verletzen zu können,nur noch für mich allein zuständig zu sein,dass was ich eigentlich immer wollte.Doch wie könnte es anders sein,genau in diesem Moment wünsche ich mir Nähe.Nähe von Carmen,Nähe von meinen Freunden.Mein Kopf schmerzt fürchterlich.Ich beschieße mich hinzulegen,da der Schmerz immer unerträglicher wird.

Am nächsten Morgen werde ich unsanft durch einen mir noch unbekannten Beamten geweckt,der mir befiehlt mein Bettzeug zusammenzupacken und mitzukommen.So schlecht habe ich schon lange nicht mehr geschlafen,doch wenigstens ist der Kopfschmerz weg,wenn auch warscheinlich nur vorrübergehend.Schwerfälli stehe ich auf und strecke mich erstmal.Der Beamte sieht mich ungeduldig an und ich beschließe mich lieber zu beeilen,denn er sieht nicht so aus,als würde er noch länger auf mich warten.Hastig packe ich mein Bettzeug zusammen und gehe auf ihn zu.Er sieht mich immer noch an und sagt mir dann ich solle mein Bettzeug auf den Boden legen und mich umdrehen.Ich befolge seine Anweisung und drehe mich zu ihm,dass er mir die Handschellen anlegen kann.Er nimmt meine Hände und legt die Handschellen an.Als er fertig ist möchte ich meine Hände wegziehen,doch er hält sie weiter fest.Ich drehe meinen Kopf in seine Richtung,auch er kommt mit seinem Kopf von hinten auf mich zu und atmet mir in den Nacken.Ich versuche mich aus seinem Griff zu befreien,doch er hält mich weiter fest.Immer noch steht er ganz dicht hinter mir.Ich spüre seinen heißen Atem in meinen Nacken.
„Was wolln sie von mir?Lassen sie mich los!“
„Was ich will?Dich,du kleine Lesbe,damit du mal siehst,was ein Mann so zu bieten hat.Dass würde dir doch sicher Spaß machen!

Ich glaube meinen Ohren nicht zu trauen!Noch verzweifelter wehre ich mich und schreie um Hilfe.

„Verdammt,lass mich los!Hilfe!“

Er packt mich noch fester und zieht mich näher zu sich.Dann legt er eine Hand auf meinen Bauch.

„Mmmm,was haben wir denn da?“

Er fasst unter mein orangenes T-shirt.

„Wow,da ist aber jemand durchtrainiert.Aber glaub mir,das wird sich hier drin ändern.Dafür werde ich schon...“

„Was ist hier los?“

Wir drehen uns beide um.Die mir bekannte Beamtin steht in der Tür.Erleichtert atme ich durch.

„Ähm,nichts,sie wollte nur nicht mitkommen,sie hat etwas Ärger gemacht,deswegen habe ich versucht sie wieder zu beruhigen.“

Etwas ungläubig sieht mich die Beamtin an.

„Sie kann mit mir mitkommen,ich bringe sie auf Station.Ich warte vor der Tür.“

Kaum hat sie sich umgedreht packt er mich wieder und flüstert mir ins Ohr:

„Irgendwann krieg ich dich,verlass dich drauf und dann gnade dir Gott!“

Entschlossen reiße ich mich los und gehe aus der Tür,wo auch schon die Beamtin auf mich wartet.

„Was war denn los?Alles in Ordnung?“

Ich drehe mich um,der Schließer geht aus der Tür und geht weiter in die andere Richtung.

„Nichts.“

Ich sehe zu Boden,auch die Beamtin geht nicht näher darauf ein und so gehen wir schweigend den langen Korridor entlang

An einer Tür angekommen bleiben wir stehn und sie schließt auf.Nach scheinbar endlosen Minuten durch die verschiedenen Korridore kommen wir endlich auf der Station an.Sie öffnet die Tür und ich gehe hinein.

 

 

Ich bin gerade fertig von einer Routineuntersuchung beim Arzt.gelangweilt sitze ich am Korridor und warte bis mich ein Beamter abholt.Eigentlich hoffe ich nur nicht von einem Bestimmten abgeholt zu werden.Denn seit meinem ersten Tag hier belästigt er mich ständig.Ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen,obwohl meine Freunde schon oft hierwaren um mich zu besuchen.Denn so wie ich es gewohnt bin versuche ich mit meinem Leben alleine klar zu kommen.Ich fühle mich hier unwohl,bin ständig krank,doch gottseidanke verstehe ich mich mit den anderen auf meiner Station ziemlich gut,es hat mir meinen Einstieg leicher gemacht.Trotzdem habe ich immer wieder Tiefpunkte in denen ich mir wünsche tot zu sein.In solchen Momenten denke ich oft an Carmen,denke an ihr Lachen,an ihre Berührungen.Dann wünsche ich mir noch stärker tot zu sein.Sie war noch kein einziges Mla hier.Nachts liege ich oft wach,doch ich weine nicht,obwohl ich gerne würde.Denn ich weiß,dass es erleichtert.Ich liege wach und denke nach.

„McCutcheon?“

Ich schrecke hoch,eine Krankenschwester steht vor mir.

„Sie sind ja immer noch hier,es müsste schon längst jemand hiergwesen sein um sie abzuholen.ich werde...“

Sie beendet den Satz nicht.

„Na endlich,da sind sie ja.So,der Kollege wird sie wieder auf Station bringen.“

Ich möchte gar nicht hinsehen wer mich abholt,doch ich ahne wer es ist.

„Tut mir Lied,wird nicht wieder vorkommen“

Ich höre seine Stimme,sofort bekomme ich einen dicken Klos im Hals.

„So,McCutchen,dann wollen wir mal.Ich bitte nochmals um Entschuldigung,dass ich sie so lange warten habe lassen.Schönen Tag noch die Dame“

Die Krankenschwester nickt geschmeichelt und geht wieder ins Krankenzimmer.Dann geht alles ganz schnell.Er packt mich am Arm,reißt mich hoch und schleift mich den Gang entlang,bis wir an einer Tür angekommen sind.Blitzschnell sperrt er sie auf und schleppt mich hinein.Alles geht so schnell,das ich nicht einmal um Hilfe schreien kann.Drinnen angekommen packt er mich wieder und gibt mir einen heftigen Stoß,sodass ich zu Boden falle.Schon hat er die Tür wieder zugesperrt und kommt auf mich zu.

 

Immer noch liege ich am Boden,unfähig mich zu bewegen.Ich starre ihn an, als er beginnt seinen Gürtel zu öffnen.

Langsam kommt er auf mich zu.Immer noch macht er sich an seinem Gürtel zu schaffen.Panisch sehe ich mich um,nach einer Fluchtmöglichkeit,nach Hilfe.Doch in dem Raum befindet sich nur ein Bett und eine Komode,anscheinend handelt es sich um ein Krankenzimmer.

Auf allen Vieren krabble ich rückwärts von ihm weg.Ich habe panische Angst vor dem was er vorhat.Ich beginne zu schwitzen,Schweißperlen laufen über meinen Rücken und über mein Gesicht.Immer noch befinde ich mich auf allen Vieren,bewege mich so schnell wie möglich weg von ihm,bis ich die Wand in meinem Rücken spüre.

Ich sehe ihn an,sehe in seine Funkelnden Augen,sehe die Schadenfreude in ihnen.Er lacht.Es ist ein grausames Lachen.Langsam stehe ich auf und drücke mich gegen die Wand.Immernoch suche ich nach einer Fluchtmöglichkeit,doch es ist auswegslos.Ich bin ihm ausgeliefert.

„Bitte,ich,lassen sie mich gehen...warum tun sie das?“Verzweifelt flehe ich ihn an.

Doch anstatt mir eine Antwort zu geben lacht er nur.

Dann steht er direkt vor mir.Sein Gesicht ist nahe vor meinem.Er legt seine Hände auf meine Hüften,ich drücke mich gegen die Wand,versuche so weit wie möglich von ihm wegzukommen,aber natürlich habe ich keine chance,hinter mir geht es ja nicht mehr weiter.Stattdessen packte er mich und zieht mich zu sich.Immer noch hat er seine Hände auf meinen Hüften,doch nun lässt er sie unter mein T-shirt wandern.Ich kann mich nicht bewegen,aus Angst vor dem,was er vorhat.Er zieht mir mein T-Shirt aus und mit einem Mal kann ich mich wieder bewegen.Ich schubse ihn von mir weg und laufe zur Tür.Vor Überraschung bleibt er stehn und sieht mich an.Verzweifelt rüttle ich am Türgriff und schreie um Hilfe.

Dann lacht er laut los.

„Du kannst um Hilfe schreien,so lang du willst.Glaub mir,uns stört keiner,dafür habe ich schon gesorgt.Wir sind ganz alleine,nur du und ich.Nur du und ich.“Immer wieder wiederholt er diesen Satz,während er wieder auf mich zukommt.Plötzlich steigen mir Tränen in die Augen,ich möchte nicht weinen.Aber es kommt einfach über mich.

Wieder steht er direkt vor mir.

„Du brauchst doch nicht weinen,so schlimm wird es nicht,ich bin mir sicher,es wird dir gefallen!Damit du mal siehst,was so ein richtiger,gestandener Mann so zu bieten hat.“

Er sieht mich an.

„Also eins muss ich sagen,ich kann nachvollziehen,was alle an dir finden.Mir ist ja da schon einiges zu Ohren gekommen,seitdem du hier bist.Du sollst ja ein richtiger Burner im Bett seiAber an der Oberweite könnte man noch arbeitenn,jedenfalls nachdem,was unsere Knastlesben so erzählen.Das kannst du ja gleich unter Beweis stellen.Aber an der Oberweite könnte man noch arbeiten,ist ja nicht soviel da.“

Mit diesem Satz greift er mir an die Brüste.

„Verdammt,nimm deine Dreckspfoten da weg,du Arschloch,und jetzt lass mich endlich gehen!“Halb im Weinen schreie ich ihn an.

„Halt die Schnauze,du kleine Lesbe!“Grob packt er mich an den Schultern und wirft mich auf das Bett.Schon sitzt er auf mir und hält mit einer Hand meine Hände über meinem Kopf fest.Mit der anderen Hand macht er sich wieder an seinem Gürtel zu schaffen.Als er es endlich geschafft hat spüre ich seine Hand an meiner Hose.Ich versuche ihn zu treten,doch erfolglos,er ist zu schwer.Ich beginne heftig zu weinen.

Schon hat er es geschafft mir meine Hose auszuziehen.Bei seinem Anblick wird mir schlecht,ich beginne zu würgen,doch da ich heute noch nichts zu Essen hatte,bleibt es beim Würgen.

Er greift mir mit einer Hand zwischen die Beine,bei mir brennen alle Sicherungen durch.Ich spucke ihm ins Gesicht.Sichtlich überrascht sieht er mich an.

 

Dann holt er aus und schlägt mir ins Gesicht,sodass ich für einen kurzen Moment die Orientierung verliere,leider nur für diesen einen Moment.

Ich liege immer noch unter ihm,bekomme kaum Luft,er ist zu schwer.Auch macht er sich immer noch zwischen meinen Beinen zu schaffen,vor Ekel weine und zittere ich.Ich lieg splitternackt unter ihm,auch er hat sich seine Hose ausgezogen,ich spüre ihn an mir,spüre seine nackte Haut auf meiner.

„Bitte hilf mir,bitte!“

Ich wimmere,mehr bringe ich nicht mehr hervor.Mit wem rede ich eigentlich?Wen flehe ich an,mir zu helfen?Ich glaube nicht an Gott,doch ich habe gerade gebetet.Bevor ich meinen Gedanken zu Ende bringen kann,spüre ich einen unglaublichen Schmerz.Ich schreie auf,wieder schlägt er mir mit einer Hand in meine Gesicht,dann schmecke ich Blut,es läuft über mein Gesicht.Stöhnend liegt er auf mir,macht immer weiter.Die Schmerzen sind beinahe unerträglich,doch weniger körperlich als seelisch.Ich sehe an die Decke,versuche mich auszuklinken.Dann sehe ich jemanden im Raum stehen,ich kann zuerst nicht erkennen um wen es sich handelt,doch dann wird die Gestalt deutlicher.

 

Ich stehe im Raum und beobachte meine eigene Vergewaltigung.Ich bin nicht mehr ich selbst,sondern nur noch meine Seele,mein Körper liegt auf dem Bett.Ich höre meinen seelenlosen Körper wimmern,sehe in weinen,sehe ihn leiden.Doch ich fühle nichts dabei.Eine unglaubliche Leere hat sie in mir breitgemacht.

„Hilf mir,hilf mir!“

Immer höre ich mich rufen,doch ich stehe einfach nur da.

 

Die Gestalt steht einfach da,immer wieder flehe ich sie an mir zu helfen.Doch sie rührt sich nicht vom Fleck.

Sein Stöhnen wird immer lauter.

„Gleich ist es vorbei,dann hat er bekommen was er wollte,und dann wird er dich in Ruhe lassen“

Die Gestalt spricht zu mir.

 

„Bitte hör auf,bitte!“

Mit letzter Kraft flehe ich ihn an,doch er dengt nicht im geringsten daran aufzuhören.

Nach Stunden,so wie es mir vorkommt hört er endlich auf und zieht sich seine Hose wieder rauf.

Ich liege auf dem Bett.

Leer.

Kaputt.

Ich liege einfach nur da und starre die Decke an.

„Na los du kleine Schlampe,steh auf!Ich hab ne tolle Nachricht für dich.Jemand hat deine Kaution bezahlt,du bist frei.Und jetzt zieh dich endlich an,oder willst du lieber bei mir bleiben?“

Er lacht hämisch,seine Worte ziehen an mir vorbei.Wie bewusstlos liege ich auf dem Bett.

Ich weine.

Er kommt auf mich zu und reißt mich grob am Arm um mich hochzuziehen.

Dann kommt alles hoch.Ich übergebe mich.Es trifft ihn voll auf seinem Hemd.

Wieder schlägt er mir ins Gesicht.Es ist mir egal.Wieder schmecke ich Blut,diesmal spüre ich aber keinen Schmerz.Ich spüre nichts mehr.Ich nehme nichts mehr war.

 

Fortsetzung:

 

Ich weiß nicht mehr wie ich aus dem Knast gekommen bin.
Ich weiß nur,wer darußen an der Pforte gestanden hat.
Sie hat mich aus dem Knast geholt,sie,die ich zu oft enttäuscht habe,aber die mich trotzdem nicht aufgegeben hat.Sie wollte mir helfen,doch ihre Hilfe kam zu spät.
Ich habe es niemandem erzählt,nicht einmal ihr.
Tagsüber versuche ich mich normal zu geben,doch in der Nacht holen mich die Erinnerungen ein.Die Erinnerungen an den schlimmsten Tag in meinem Leben.Jede Nacht Träume ich das selbe,falls ich überhaupt schlafen kann.Wenn nicht,liege ich die ganze Zeit wach und starre auf die Uhr,zähle die Minuten bis in den Morgen.Ich habe Angst zu schlafen,deshalb ertrage ich es auch nicht mit ihr in einem Zimmer zu schlafen.
Wenn sie mich fragt warum,sage ich nur,dass ich nichts überstürzen möchte.
Ich weiß,dass sie mir nicht glaubt.
Doch ich habe nicht den Mut es ihr zu erzählen.
Ich möchte keine Schwäche zeigen.

Ich liege auf der Couch,sehe mir etwas im Fersehen  an.Es lenkt mich ab.
Dann betritt sie den Raum.Ich drehe mich in ihre Richtung.Sie lächelt mich an,ich sehe ihr nicht in die Augen,aber ich weiß,dass sie strahlen.Ich setze mich auf.Lächelnd kommt sie auf mich zu und setzt sich auf meinen Schoß.Für einen kurzen Moment zögere ich,doch dann lege ich meine Hände auf ihre Hüften.Sie beugt sich zu mir und will mich küssen.

Ich halte zunächst Inne,doch dann erwidere ich ihren Kuss vorsichtig.Es fühlt sich gut an,ich fühle mich wohl.
Anscheinend merkt sie,dass ich mich wohlfühle und so zieht sie mir mein T-shirt aus.Sie beginnt meinen Hals zu küssen.
Plötzlich kommt alles wieder hoch und ich muss daran denken,wie er mir mein T-shirt ausgezogen hat.Muss daran denken,wie er mich angefasst hat.Ich lege meinen Kopf zur Seite und beginne leise zu weinen.Ich möchte es nicht vor ihr tun,doch ich kann nicht anders.Sie hebt den Kopf und sieht mich überrascht an.
„Honey,was ist los? Was haben sie mit dir bloß gemacht?!ich bin es doch,Shane!Was ist los,bitte sag es mir!Seit du wieder zurück bist,hast du mir noch kein einziges Mal in die Augen gesehen,du lässt mich nicht mehr an dich heran,wenn ich dich berühre zuckst du zusammen!Ich halt das nicht mehr aus!Bitte,sag mir doch endlich was lost ist!“
Sie steht auf und stellt sich vor mich.Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und stehe ebenfalls auf.
Ich zittere am ganzen Körper,kann kaum stehen,ich muss mich abstützen.
Wieder fange ich an zu schluchzen.Sie kommt auf mich zu und legt mir eine Hand auf die Schulter.
„Honey,sprich mit mir,ich seh doch,dass es dir schlecht geht“
Sie flüstert mir zu,möchte mich beruhigen.Ihr Gesicht ist direkt vor meinem.Sie legt einen Finger unter mein Kinn und drückt vorsichtig meinen Kopf nach oben.Zum ersten Mal nach all der Zeit,in der ich wieder zuhause bin ,dass ich ihr in die Augen sehe.Ich sehe so viel Sorge in ihnen,lange kann ich ihrem Blick nicht standhalten.
Dann breche ich zusammen,sie fängt mich auf und führt mich zur Couch.Sie setzt mich hin,sie setzt sich daneben.Ich vergrabe mein Gesicht in Ihrer Schulter und fange an zu weinen.
„Hilf mir!“
Immer wieder flüstere ich diesen Satz,erstickt von Tränen.Nach einigen Minuten nimmt sie meinen Kopf in beide Hände und sieht mich wieder an.
„Honey,wenn du mir nicht sagst was passiert ist,kann ich dir nicht helfen“
Sie streicht mir vorsichtig über die Wange.
„Honey....“
Sie klingt so verzweifelt.
Ich kann es nicht länger für mich behalten und ich fange einfach an es zu erzählen ohne auch nur eine Sekunde daran zu zweifeln,ob ich es ihr erzählen sollte.Von Anfang an erzähle ich ihr meine Geschichte,bis ich bei der vergewaltigung ankomme.
„Er hat...er hat....“
Ich starre ins Leere,bringe es nicht über mich es auszusprechen.Wieder kommen mir Tränen,ich drehe meinen Kopf weg.Ich zucke zusammen,als sie mir eine Hand auf die Schulter legt.
„Honey,du kannst es mir erzählen,du weißt,dass ich für dich da bin und dich unterstützen werde,egal was passiert ist,bitte,ich möchte dir helfen,ich kann nicht mehr mitansehen,wie du dich quälst....“
Für einen Moment vergrabe ich meinen Kopf in meinen Händen,dann sehe ich sie an.Sehe ihr direkt in die Augen.
„Er hat...mich vergewaltigt....“
Carmens Augen weiten sich vor Schreck,ich denke,dass sie damit nicht gerechnet hat.Immer noch sehe ich ihr in die Augen und plötzlich läuft ihr eine Träne über die Wange.Sie öffnet den Mund um etwas zu sagen,doch sie bringt keinen Laut hervor.
Sofort zweifle ich an meiner Entscheidung es ihr erzählt zu haben.Ich stehe auf und gehe in die Küche.Sie folgt mir nicht.In der Küche lehne meinen Kopf gegen die kühle Wand.Mit einer Hand schlage ich dagegen.Doch schon bald höre ich auf,ich habe keine Kraft mehr.
Keine Kraft mehr für Carmen,für meine Freunde,für mich.Ich bin leer,es ist mir egal,was um mich herum passiert.
Immer noch lehne ich an der Wand,bis ich ein Geräusch höre.Ich drehe mich um.
Carmen steht vor mir,doch sie sieht mich nicht an.Minutenlang stehen wir nur da.Die Stille zerreißt mich förmlich.

Dann kommt sie auf mich zu.Sie hebt eine Hand und will mich anfassen, doch ich gehe einen Schritt zurück und weiche ihr damit aus.Überrascht sieht sie mich an.
„Wann wirst du endlich begreife, dass du Hilfe brauchst?“
Enttäuscht schüttelt sie den Kopf und geht in Richtung Badezimmer.Ich sehe ihr hinterher, bis sie die Tür hinter sich schließt.Dann gehe ich schweigend auf mein Zimmer, wo ich mich auf mein Bett fallen lasse.
Tief in meinem Inneren wünsche ich mir sofort einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen. Nichts mehr mit dieser beschissenen Welt zu tun haben zu müssen. Immer wieder kommen die Erinnerungen hoch. Ich kann so nicht mehr weiterleben, ich weiß, dass ich Hilfe brauche aber ich möchte es um nichts in  der Welt zugeben.
Ich möchte keine Schwäche zeigen.Doch genau das tue ich.

Vorsichtig klopfe ich an der Badezimmertür.
„Carmen?Kann ich reinkommen?“
Da ich keine Antwort bekomme überlege ich für einen kurzen Moment wieder zu gehen, doch dann betrete ich langsam das Bad und sehe mich nach Carmen um.
Dann bleibt mein Blick an der Badewanne hängen.Mir bleibt die Luft weg, als ich Carmen darin liegen sehe.
Sie hat ihre Arme auf den Rändern der Badewanne abgelegt.An ihren Handgelenken hat sie Tiefe Schnittwunden aus denen dunkelrotes Blut auf den Boden tropft.Unter einer Hand hat sich bereits eine Pfütze angesammelt, darin liegt auch etwas silber-glänzendes.

Ich kann mich nicht bewegen, meine Kehle ist wie zugeschnürt.Sofort kommen die Erinnerungen an Jenny wieder hoch. Ich habe sie damals auch gefunden ,wie sie sich mit der Rasierklinge die Beine aufgeschnitten hatte.Jedoch war ich damals noch rechtzeitig gekommen.
Ich halte mich am Türstock fest,den Blick starr auf Carmen’s Handgelenke gerichtet.
Endlich kann ich mich bewegen und springe in Richtung Badewanne. Ich fasse sie unter ihrem Genick und unter den Kniekehlen und reiße sie aus dem Wasser. Leblos hängt ihr Körper in meinen Armen. Vorsichtig lege ich sie auf den Boden. Ich fasse an ihren Hals um den Puls zu untersuchen, doch ich spüre nichts. Verzweifelt nehme ich meine Hände und versuche ihre Handgelenke abzudrücken um die Blutung zu stillen, vergeblich. Ich ziehe sie zu mir und lege sie in meinen Schoß,wo ich vorsichtig über ihre Haare streiche .Sie hat die Augen nicht geschlossen, ich sehe in ihre leeren,toten Augen. Mit zitternder Hand streiche ich ihr über die Augen und versuche diese damit zu schließen.
Dann breche ich in Tränen aus.

Immer noch sitze ich im Bad an die Wand gelehnt und weine.Ich habe die Augen geschlossen, ich kann ihren Anblick nicht mehr ertragen.
„Honey?Was ist los?Was hast du?”
Überrascht sehe ich auf.Neben mir kniet Carmen, sie hat nur ein Handtuch um sich gewickelt.
„Was?-Aber gerade warst du doch...-wie-...“
„Gerade war ich was? Ich war in der Badewanne eingeschlafen, als ich dich schreien gehört habe. Du hast fürchterlich geweint. Was ist denn passiert?“
„Ich-ich dachte du bist tot überall das Blut und ich...“
Ich sehe sie an.Zuerst sieht sie etwas entsetzt aus,doch dann lächelt sie.
„Honey beruhige dich,es ist alles in Ordnung.Komm her“
Sie streckt mir ihre Hände entgegen, ich nehme sie und ziehe mich mit ihrer Hilfe hoch.Dann nimmt sie mich in den Arm.Immer noch zittere ich.
Der schreckliche Anblick von vorhin geht mir einfach nicht aus dem Kopf.Ich ziehe sie näher zu mir.
Wieder fange ich an leise zu weinen.
„Es ist alles in Ordnung,ich bin bei dir.Du brauchst keine Angst zu haben.“
Nach einiger zeit löse ich mich aus der Umarmung und sehe sie an.
„Bitte hilf mir...ich schaffe das nicht mehr.“
Wieder lächelt sie mich an.
„Das werde ich...“
Sie zögert etwas, doch dann nähert sie sich meinen Lippen und gibt mir einen kurzen Kuss.Sie will sich wegdrehen doch ich halte sie fest und gebe ihr einen leidenschaftlichen Kuss.Sie ist zuerst mehr als überrascht, doch dann nimmt sie ihn an.Je länger der Kuss dauert,desto wohler fühle ich mich und nach und nach vergesse ich alles um mich herum. Ich lege meine Hände auf ihren Rücken und lasse sie nach unten wandern. Mit einer Hand öffne ich den Knoten im Handtuch und küsse sie weiter.
Sie greift an mein T-Shirt um es mir auszuziehen, doch dann hält sie inne,
„Bist du dir sicher, dass du das wirklich willst? Ich meine, wie können damit warten bis...“
Als Antwort gebe ich ihr wieder einen langen,zärtlichen Kuss.
Ich ziehe sie ins Schlafzimmer, wo ich mich auf das Bett fallen lasse. Sie steht vor mir, ich sehe sie an.
„Komm her!“
Etwas unsicher steht sie immer noch vor mir.Dann geht sie mit einem zögerndem Schritt auf mich zu und setzt sich schließlich auf meine Hüften.
Ich möchte sie zu mir ziehen doch ich merke dass sie sich unwohl fühlt.
„Was ist los, Carmen?“
Ich setze mich auf und sehe ihr tief in die Augen.
„Ich möchte  nichts überstürzen. Ich bezweifle einfach, dass du schon so weit bist, auch wenn du so tust als ob.“
Fragend sehe ich sie an.
„Ich möchte dich um etwas bitten, Shane.“
„Alles was du willst, Baby“
Sie zögert etwas mit ihrer Bitte und schaut aus dem Fenster.
„Ich möchte, dass du dich untersuchen lässt.“
Wieder sehe ich sie fragend an.
„Untersuchen? Warum? Ich bin doch nicht krank. Und falls du etwas bestimmtes meinst, es ist schon so lange her, und wenn etwas passiert wäre,hätte ich es ja schon mitbekommen.“
Unsicher lächle ich sie an, doch immer noch sieht sie mit ernsthaftem Blick aus dem Fenster.
„Shane, wenn man sich mit AIDS angesteckt hat bekommt man davon auch nichts mit...“
Sie sieht mich nun an.
„...am Anfang...“

Ich sehe sie entgeistert an.
„Aber ich ähm..“
„Shane, hat er ein Kondom benutzt?“
Wieder sieht sie mich mit einem forderndem Blick an.
Genervt verdrehe ich die Augen.Im Moment habe ich wirklich keine Lust mich noch mal daran zu erinnern.
„Carmen, ich weiß es nicht mehr und ich will nicht mehr daran denken...“
Sie steigt von meinem Schoß herunter und geht im Zimmer auf und ab.
„Shane wann begreifst du endlich das es ernst ist? Verdammt noch mal, was muss eigentlich noch passieren damit du merkst, wie ernst es um dich steht?“
Wieder sehe ich sie an, dann senke ich den Kopf.
Hat er oder hat er nicht? Immer wieder stelle ich mir diese Frage.
„Carmen, bitte ich weiß es nicht mehr! Hör auf mich ständig daran zu erinnern!“
„Dann geh und lass dich untersuchen!“
Mit diesen Worten verlässt sie den Raum.
Ich lasse mich auf das Bett fallen und überlege was ich jetzt tun soll.
Immer wieder geht mir das eine Wort durch den Kopf.

AIDS

Ich möchte mich so gerne daran erinnern können, doch ich bringe es nicht über mich. Schon allein beim Gedanken daran überkommt mich ein Gefühl, das mich fast zum erbrechen bringt. Ich möchte mir es ersparen, diesen Test zu machen.
Was ist, wenn der Test positiv ist?!
Wie geht mein Leben weiter, wenn ich wirklich AIDS haben sollte?!
Wird Carmen mich verlassen?!
Ich habe fürchterliche Kopfschmerzen, doch ich stehe trotzdem schwerfällig vom Bett auf und gehe aus meinem Zimmer. Ich sehe mich nicht nach Carmen um die in der Küche sitzt. Ich meine sie weinen zu hören, doch ich bin mir nicht sicher.
Dann verlasse ich die Wohnung, steige in mein Auto und fahre zu Alice, in der Hoffnung, dass sie zu Hause ist.
Dort angekommen läute ich an ihrer Tür und warte auf eine Reaktion.
Nichts.
Ich möchte schon gehen, als sich plötzlich eine Stimme meldet.
„Wer ist da?!“
„Hey, Alice, ich bins, Shane...kann ich hoch kommen?“
Sie scheint mit der Antwort zu zögern, doch nach ein paar Sekunden höre ich den Türsummer und öffne die Tür.
Seit dieser Sache war der Kontakt mit ihr und den anderen ziemlich abgebrochen. Ich habe niemanden an mich herangelassen-außer Carmen. Sie wissen alle davon, doch niemand hat es je ausgesprochen.
Ziemlich unsicher betrete ich den Flur und gehe zu Alices’ Wohnung.
Sie steht in der Tür.
Zögernd umarmt sie mich zur Begrüßung, ich nehme es gerne an.
„Hey, schön dich zu sehen!“
Als Antwort lächle ich nur.
„Komm doch rein!“

Ich gehe ihr hinterher. Gott,wie lange ich hier schon nicht mehr war!
Sie bietet mir etwas zu Trinken an und führt mich zur Couch, wo wir uns setzen.
Minutenlang herrscht Stille.
„Wie-wie geht es dir?“
„Ganz okay...hör mal, es gibt etwas, über das ich mit dir reden möchte...“
Ich merke, dass sie mich ansieht, doch ich kann ihr nicht in die Augen sehen.
„Was ist los, Shane?“
Ihre Stimme klingt beruhigend.
„Ich...ähm... Carmen hat verlangt, dass... ich soll...sie will,dass...“
Ich atme tief durch.
Alice legt mir eine Hand auf die Schulter.
„Shane, du kannst mir alles sagen, egal was es ist, ich helfe dir!“
Immer noch zögere ich  es ihr zu erzählen.
Carmen...Sie will, dass ich einen AIDS – Test  machen lasse“
Wieder herscht Stille.
„Ist das denn nötig? Ich denke, du weißt was ich meine.“
„Du willst wissen, ob er ein Kondom benutzt hat...“
Ich sehe sie an, aber wieder nicht in die Augen.
Sie nickt.
Ich vergrabe mein Gesicht in meinen Händen und versuche mich zu erinnern.

Nach ein paar Minuten komme ich zu einem Ergebnis.

„Nein.“
Alice nimmt meine Hand und drückt sie vorsichtig.
„Alice, was ist, wenn ich AIDS habe?“
„Hey, hey...es kommt alles in Ordnung, glaub mir. Soll ich mitkommen, wenn du dich testen lässt?“
„Nein, ich schaff das schon, danke“
Wieder schweigt sie.
„Und Carmen?“
Was soll mit ihr sein?“
„Naja, fändest du es nicht besser, wenn sie mitkommt?“
Ich schüttle den Kopf.
„Ich will sie damit nicht belasten“
„Denkst du nicht, dass du sie brauchen wirst?“
„Nein. Ich muss wieder gehen, danke noch mal fürs zuhören.“
Ich stehe auf und gehe aus der Wohnung.
Verdammt, was ist nur mit mir passiert, dass ich so eiskalt geworden bin? Meine beste Freundin nimmt sich Zeit um mir zuzuhören und ich gehe ohne mich richtig zu verabschieden.
Ich bleibe stehen und überlege noch mal zurückzugehen, doch im nächsten Moment scheint mir diese Idde absurd.
Ich steige in mein Auto und fahre durch die Gegend, bis in den späten Abend.
Auf meinem Handy sind 10 Anrufe angezeigt.
Von Carmen.
Ich wollte nicht mit ihr sprechen, ich brauche einfach Zeit für mich.
Zu Hause angekommen öffne ich vorsichtig die Tür, es ist schon spät. Leise gehe ich zum Badezimmer und schließe die Tür hinter mir.
Ich möchte mir gerade die Zähne putzen, als mir mein Bild im Spiegel auffällt.
Während ich mich am Waschbecken abstütze, sehe ich mich an.
Minutenlang starre ich mein Spiegelbild an.
Nein, das bin nicht ich.
Die eingefallenen Wangen gehören nicht zu mir, genauso wenig, wie die dunklen Augenringe.
Ich drehe den Wasserhahn auf und spritze mir kühles Wasser ins Gesicht.
Dann drehe ich meinen Kopf weg, kann meinen eigenen Anblick nicht mehr ertragen. Ich drehe mich um und gehe aus dem Badezimmer. Nun stehe ich vor der Schlafzimmertür, denn ich brauche etwas zum schlafen. So leise wie möglich öffne ich die Tür und sehe mich um.
Carmen schläft. Ich gehe auf sie zu und sehe sie an.
Ihre Augen sind vom Weinen gerötet. Zu gerne möchte ich ihr einen Kuss geben, doch ich stehe einfach nur da und sehe sie an.
Wieso bereite ich ihr nur immer so viel Kummer?
Ich halte Inne. Dann gehe ich zum Schrank und hole meine Sachen heraus. Gerade möchte ich gehen, als ich ein Geräusch höre.
Vorsichtig drehe ich mich um. Carmen richtete sich auf und sieht mich verschlafen an.
Schnell drehe ich mich um, damit ich ihr nicht in die Augen sehen muss.
„Shane?“
Ihre Stimme ist leise.
„Ja?“
„Was machst du da?“
Ich zögere ihr zu antworten, denn um ehrlich zu sein weiß ich das selber nicht.
„Es tut mir Leid, ich wollte dich nicht wecken.“
„Shane...ich, es tut mir Leid wegen heute Nachmittag. Ich mache mir einfach Sorgen um dich, aber ich wollte nicht...“
„Ich lasse mich testen.“
Sekundenlang herrscht Stille...