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Angaben zur Story

Autor: -Kate-
E-Mail: angel_kate@gmx.de
Altersfreigabe: PG
Teil: 1/1
Spoiler: keine
Inhalt: Eine Kurzgeschichte über Shane und deren Vergangenheit...
Genre: Drama
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Shane
Disclaimer: I do not own the characters in this story, nor do I own any rights to the television show "The L Word". It all belongs to the writers and of course Showtime.

Flügelschlag

Ich war schon lange nicht mehr hier oben. Und ich weiß nicht, was mich gerade heute, an diesem traurig trüben Novembertag hierher gezogen hat. Was mich dazu bewegt hat, dieses Haus zu betreten, in dem ich Jahre nicht mehr war. Diese Treppe hochzusteigen, auf deren Stufen sich meine Schuhe in den Staub drückten.

Es ist sehr heiß. Jahrelang wurde hier nicht mehr gelüftet. Ich ziehe die Vorhänge zurück und öffne ein Fenster. Das düstere Licht von draußen fließt in den Raum, erhellt diesen aber nur schwach.
Mein Blick fällt auf den Flügel. Das Instrument, das mir in meinen Kindertagen so viel Freude bereitet hat und das ich später so gehasst habe. Nicht den Flügel selber, sondern alles, was ich damit verbinde.

Er stand nicht immer hier oben. Früher hatte er seinen eigenen Platz mitten im Wohnzimmer, so dass ihn jeder sehen konnte, der hier zu Besuch war. Er war das Schmuckstück des Hauses. Der Stolz meiner Eltern.
Ich liebte es, meine Mutter spielen zu hören. Es war der erste Klang, der mir je zu Ohren kam, wahrscheinlich schon zu der Zeit, als ich noch friedlich im Bauch meiner Mutter schlummerte.

Später konnte ich nur schlafen, wenn ich den sanften Klang des Instruments hörte. Nur dann war es mir möglich, mich von sämtlichen Gedanken zu befreien und in den Schlaf zu driften.

Ich gehe auf den Flügel zu. Schon sein Anblick tut mir weh, obwohl ich so viele schöne Erinnerungen damit verbinden kann.
Mit zwei Fingern streiche ich über die Tastenabdeckung und hinterlasse Spuren im Staub. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Flügel öffnen und damit die Klaviatur freilegen sollte, die mir früher so vertraut war.

Das Spielen meiner Mutter bedeutete stets Frieden. Sie spielte nur in guten Zeiten, nie in schlechten. Als ich klein war, spielte sie oft. Dann wurden es immer wenige Tage, an denen sie sich an den Flügel setze, bis sie es schließlich gar nicht mehr tat. Der Grund dafür war mein Vater.

Immer, wenn ich Angst hatte, versteckte ich mich unter dem Korpus des Flügels. Der bot mir natürlich keinen wirklichen Schutz und doch fühlte ich mich sicher unter ihm.
Ich saß darunter, als ich die Schreie meiner Eltern aus dem Nebenzimmer hörte. Die Schläge. Das Knallen der Haustür. Das Schluchzen meiner Mutter.
Ich war allein. Unter dem Schutz des Flügels. Ein kleines Mädchen in einem Umfeld, das plötzlich von Gewalt und Unfrieden geprägt war. Dessen einziger Zufluchtsort ein Instrument war, das es nicht einmal selbst spielen konnte.

Natürlich wollte mir meine Mutter das Spielen oft beibringen, aber ich habe schon früh erkannt, dass ich nie so gut sein würde wie sie. Da habe ich es gelassen. Viel lieber hörte ich ihr zu.

Ich laufe um den Flügel herum, hinterlasse mehr Spuren auf dem tiefschwarzen Körper. Klappe den Deckel hoch und blicke auf Spielwerk und Saiten. Die Mechanik hat mich früher sehr fasziniert. Nun habe ich nur noch Hass übrig und weiß nicht einmal genau, wieso. Ich klappe den Deckel wieder herunter und laufe zurück zur Vorderseite.

Irgendwann war mein Vater nicht mehr da. Ich fragte nicht, warum. Stattdessen dachte ich, es würden wieder bessere Zeiten auf uns zukommen. Dachte, meine Mutter würde nun wieder öfter spielen. Doch das tat sie nicht.

Einmal, das letzte Mal, als ich unter dem Flügel saß und Freiheit zu spüren suchte, kam sie herein, sah mich an und sagte, „Shane, Du musst gehen“. Sie holte mich da unten hervor, zog mir eine Jacke an und brachte mich an einen anderen Ort, an dem ich nicht bleiben wollte. Ich war sieben Jahre alt.

Sie sagte mir, sie käme wieder. Doch sie kam nicht. Nie wieder. Seit diesem Tag habe ich sie nicht mehr gesehen. Seit diesem Tag war ich nicht mehr in diesem Haus. Seit diesem Tag hasse ich sie und alles an diesem Ort. Dem Ort meiner Kindheit.

Jetzt, achtzehn Jahre später, stehe ich vor diesem Flügel, der einst Freiheit und Zuflucht bedeutete und sich letztendlich in ein Objekt des Hasses verwandelte. Für mich.

Ich klappe die Tastaturabdeckung hoch. Streiche mit einem Finger über die Klaviatur.

Das alles hier ist mir so fremd. Das Haus. Der Flügel. Alles. Ich kenne nichts mehr. Will es vielleicht auch nicht mehr. Das Haus, ebenso wie dieses Instrument, das vor mir steht, gehört meiner Vergangenheit an. Meine Gegenwart und Zukunft ist woanders. In Freiheit.

Ich drücke zwei Tasten auf dem verstimmten Flügel. Dann klappe ich die Abdeckung zu, schließe das Fenster, steige die Treppe hinunter und trete aus dem Haus. Hinaus in die Freiheit. Ich drehe mich nicht um. Leise sage ich mir, „Du musst gehen“.