Planlos laufe ich im Schutz der Dunkelheit durch die Nacht. Wieder einmal hab ich falsch gemacht, was ich nur falsch machen konnte. Als Tina am Morgen mit ihrer Reisetasche vor meiner Tür stand, dachte ich, jetzt wird alles gut. Doch schnell raubte sie mir mit ihren kalten und sachlichen Worten jegliche Illusion. Sie will nur solange bleiben, bis sie eine eigene Wohnung gefunden hat. Im ersten Moment dachte ich, dass sei meine zweite Chance, doch was dann folgte, war Ernüchterung. Als sie mich fragte, ob sie am Abend mit mir reden könne, keimte wieder Hoffnung in mir, doch beim Nachhausekommen hatte ich nichts Besseres zu tun, als wieder einmal nur über meine Sorgen und Probleme zu reden, anstatt ihr einmal zuzuhören. Und als ich es bemerkte, da sie immer ruhiger wurde, kam es dann auch, wie es kommen musste sie antwortete auf meine Frage: „Was wolltest du denn mit mir besprechen?" nur sehr kurz und knapp: „Nicht so wichtig, vielleicht später.", gleich darauf stand sie auf und brachte ihren Teller in die Küche. Enttäuscht und frustriert schob ich meinen Teller zurück und stützte den Kopf in meine Hände. Unbemerkt entwich mir eine Träne. Lange saß ich einfach nur so da. Erst später am Abend, als Tina schon im Bett des Gästezimmers lag, stand ich auf. Einige Zeit später klopfte ich an ihre Tür und ich wartete auf ihre Stimme, die mich hereinbat.
B: I Ich wollte nur gute Nacht sagen.
Bei ihrem Anblick erlitt mein Herz Höllenqualen, so gern hätte ich mich zu ihr gelegt und mich an sie gekuschelt. Dann drang ihre Stimme in mein Ohr.
T: Gute Nacht.
B: Ähm, tut mir leid, während des Essens vorhin konntest du überhaupt nicht mit mir sprechen.
T: Es lag ja auch an mir.
Mit dem Versuch eines Lächelns wollte ich die Tür wieder schließen. Doch dann steckte ich den Kopf erneut ein wenig durch den Spalt.
B: Ich hoffe, dass wir dann morgen miteinander sprechen.
T: Na ja, dann morgen vielleicht.
In diesem Moment war mein Lächeln nicht mehr nur ein Versuch. Ich schloss die Tür und für eine Weile verharrte ich vor ihr. Ich wollte ebenfalls ins Bett, doch als ich das große leere Bett vor mir sah, dachte ich nur noch, du musst hier so schnell wie möglich raus. Keine Sekunde länger hätte ich es dort ausgehalten. Das ganze Haus ist umhüllt von ihrem Duft und wäre ich noch eine Minute länger geblieben, so hätte ich das Gefühl gehabt, zu ersticken. Jetzt bin ich hier, irgendwo, nur weit genug weg von meinem Haus, auf der menschenleeren Straße. Von weitem höre ich leise Musik. Das Lied kommt mir bekannt vor und der Klang der Melodie zieht mich magisch an. Als ich der Bar näher komme, erkenne ich das Lied, es ist unser Lied. Mir fröstelt und ich umschließe meinen Körper mit meinen eigenen Armen. Traurig lausche ich. Tränen bahnen sich ihren Weg über mein Gesicht. Als sich plötzlich die Tür öffnet, wische ich sie weg. Ich werde von dem hellen Lichtstrahl geblendet. Die Frau, die die Bar verlässt, hält mir mit einem Lächeln die Tür auf und wie hypnotisiert trete ich ein. Wie in Trance setze ich mich an die Bar. Immer noch spielt dieses Lied und erst als ich die Stimme der Barfrau höre, komme ich in die Wirklichkeit zurück. Ich bestelle mir einen Martini und erst jetzt sehe ich mich in der Bar um. Mein Blick gleitet durch den Raum. Er verfängt sich in dem Blick einer großen blonden Schönheit. Sekunden schauen wir uns quer durch die Bar hinweg an, bis ich mich wieder abwende. Ich leere mein Glas und bestelle mir sogleich ein Neues. Sie beobachtet mich, ich kann ihre Blicke in meinem Rücken fühlen. Ich zwinge mich dazu, mich nicht umzudrehen. Doch meine innere Stimme siegt. Langsam drehe ich mich mit dem Hocker um meine eigene Achse. Ich versuche ihren Blick zu finden. Da, wo sie noch eben stand, sehe ich sie nicht mehr. Enttäuschung macht sich in mir breit und ich drehe mich zurück zu meinem Glas. Als ich es erneut ansetze spüre ich wieder dieses Gefühl ihres Blickes. Zögernd drehe ich mich erneut um. Und da steht sie. Nicht ganz 2 Meter von mir entfernt. Zielstrebig gehe ich auf sie zu. Ohne zu reden, greife ich nach ihrer Hand und ziehe sie hinter mir her auf die Tanzfläche. Es läuft ein langsames Lied und unsere Körper schmiegen sich aneinander. Ich spüre die Wärme, die ihr Körper ausstrahlt und in mir steigt die Sehnsucht auf, diesen zu berühren. Ganz und sofort. Ihre Hände gleiten über meinen Rücken und sie presst ihren Körper noch enger an meinen. Ihre Lippen kommen mir verdammt nahe. Dann endlich berühren sie sich. Sie schmeckt so süß, wie Schokolade. Die Fremde wühlt mir durch die Haare und plötzlich nehme ich ihren heißen Atem dicht an meinem Ohr wahr. Ihre Stimme flüstert: „Lass uns von hier verschwinden." Sie erwartet keine Antwort, nein, sie zieht mich sofort hinter sich her. Mein Verstand setzt aus, denn ich folge ihr. Draußen im Lichtstrahl der Laterne bleiben wir stehen. Ich nehme ihren Kopf in meine Hände und umschließe abermals ihre Lippen mit meinen. Die Leidenschaft in mehr lodert und auch sie fordert mehr. Ich kann ihre Hände unter meinem T-Shirt fühlen und es trifft mich wie ein Blitz. Sie sind so zärtlich und doch fordernd. Ein tiefer Blick folgt und Augenblicke später sitzen wir in ihrem Wagen. Während der Fahrt reden wir kein Wort. Ich schaue aus dem Fenster und sehe die Häuser an mir vorbeirauschen. Der Wagen hält und ich höre sie sagen: „Da wären wir." Gleich darauf steigen wir aus. Sie sucht ihren Schlüssel. Zweifel überkommen mich. Doch als sie sich zu mir umdreht, gibt es kein Zurück mehr. Sie fasst mich bei der Hand und zieht mich zu sich rein. Die Tür fällt ins Schloss und wir über einander her. Ich kann ihre Hände überall gleichzeitig spüren. In meinen Haaren, auf meinem Busen oder an meinem Rücken. Ihre Küsse rauben mir den Atem. Meine Finger bahnen sich den Weg unter ihr Hemd. Während sie mich durchs Zimmer lotst, fallen Stück für Stück unsere Sachen zu Boden. Dann liegen wir auf ihrem großen, weichen Bett. Sie streichelt mit ihren Fingern an den Innenseiten meiner Schenkel entlang und mir wird ganz heiß. Ich nehme ihren Kopf zwischen meine Hände und schaue ihr ins Gesicht. Als sie mich mit ihren Fingern an meinem Zentrum berührt, ziehe ich ihren Kopf herunter. Ich lege meine Lippen auf ihre und schließe meine Augen. Ihre Berührungen sind so sanft und doch tragen sie mich mit Leichtigkeit davon. Dieses Gefühl des Schwebens umhüllt meinen gesamten Körper. Sie bedeckt meinen Brustansatz und dann meine Brüste mit ihren Küssen. Spielerisch fährt ihre Zunge um meine Brustwarzen. Ich drücke ihr meinen Körper entgegen und sauge jede ihrer Zärtlichkeiten in mich auf. Wie ein Blatt im Wind wehe ich davon, als mich das Gefühl der Erfüllung erfasst. Erschöpft liege ich auf dem Bett und die blonde Frau auf mir. Sie sieht mich mit ihren blauen Augen an. Ihr Gesicht verschwimmt und plötzlich ist es Tina, die mich ansieht. Mein Herz bleibt stehen, als ich realisiere, was gerade geschehen ist. Ich schiebe die Frau von mir weg und springe aus dem Bett. Hastig sammle ich meine Sachen zusammen. Sie steht mit dem Rücken an die Tür gelehnt vor mir, als ich gehen will. „Sehen wir uns wieder?", fragt sie mich. „Vielleicht", antworte ich ihr, obwohl ich genau weiß, dass das nicht passieren wird. Und wieder stehe ich in dieser Nacht auf der menschenleeren Straße.